Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise – coronasoziologie.blog.wzb.eu

Transkript: Anja Weiß: Wie genau ändert Corona die Struktur sozialer Ungleichheiten?

ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.


Music.
In diesem Podcast sammeln wir Vorträge, die im Rahmen eines digitalen Cologquiums zur Koroner Krise entstanden sind. Organisiert wird das.
Am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialbranchen und damit herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Podcasts zu soziologischen Perspektiven auf die.
Ise. Mein Name ist Jan Wetzel, ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und organisiere das digitale Cologium mit.
In den Vorträgen unserer Reihe wurde immer wieder die Wirkung der Corona Pandemie auf soziale Ungleichheit thematisiert.
Wohl eine der wichtigsten Aufgaben, die die Soziologie bei der wissenschaftlichen Analyse der Krise hat. Dies empirisch nachzuvollziehen ist die eine Herausforderung. Die theoretische Konzeption, eine andere.
In ihrem Vortrag vom achtundzwanzigsten Oktober zweitausendzwanzig machte Anja Weiß einen Vorschlag der Vielfalt von Ungleichheitsstrukturen konzeptionell gerecht zu werden.
Im Zentrum steht dabei die Annahme des Sozialressourcen nur in bestimmten Kontextrelationen umgesetzt werden können. Auf solche Relationen hat die Krise unterschiedliche Wirkungen,
So verstärkt sie zwar bestehende Ungleichheiten, bringt aber auch neue hervor. Etwa ein Klivic zwischen Personen, die unter körperlicher Co-Präsenz arbeiten müssen und solchen, die raum zeitlich zunehmend Flexibilität gewinnen.
Anja Weiß ist Professorin für Soziologie an der Universität Duisburg Essen mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse. Und nun viel Spaß mit dem Vortrag.
Ja äh vielen Dank äh für die Einladung. Ich freue mich wirklich sehr hier zu sein, ähm weil ich das äh Kologium schon in der ersten Staffel immer mit großem Interesse wahrgenommen habe und
Ähm ich bin geehrt, dass sie mich eingeladen haben
Corona ist aus Sicht der Soziologie äh eine echte Herausforderung, denn vor März zwanzig zwanzig hat sich ja kaum jemand intensiver mit Katastrophen oder Panimien.
Beschäftigt und auch das Fach als Ganzes ist eigentlich eher an Stabilität als an Wandel interessiert.
Und man kann insofern sagen Corona ist auch ein Stresstest für die soziologische Theoriebildung. Taugen unsere Überlegungen noch äh gibt
das in unseren Überlegungen irgendetwas, was für die Analyse der Pandemie nützlich sein könnte
und wenn man sich diese Frage habe ich mir gestellt und ich musste da rela.
Lange drüber nachdenken und ich bin mit den Ergebnissen des Nachdenkens auch noch nicht ganz zufrieden. Ähm aber ich habe doch festgestellt, dass ein Instrument, glaube ich, nützlich sein könnte.
Ähm und das äh ist etwas, was sich als Migrationsforscherin und Globalisierungsforscherin.
Spannend fand nämlich die Frage wie in der Soziologie über Kontextration nach
gedacht wird. Und man kann glaube ich schon sagen, dass wir vielleicht oft ein bisschen platt davon ausgehen, dass Menschen dort sind, wo ihr Körper ist und ähm äh dass wir von daher ähm eigentlich eine sehr
kurze äh Vorstellung davon haben, dass alles Soziale irgendwie ein materielles Korrelat hat in der Migrationsforschung bedeutet das dann auch, dass Menschen eben wandern und übermauern hinweg kommen müssen, um einen Kontext zu finden, in dem sie
gut anschließen können
Und daneben gibt es das Gegenteil in der Globalisierungsforschung, in der Systemtheorie, wo man rein sozial über Kontext Relationen
denkt, das ist ja auch oft angemessen, zum Beispiel forschen wir gerade über Kardiologen und die können sich eben weltweit zu dreißigtausend Kardiologen online treffen, weil sie ähm im Wesentlichen sozial interagieren miteinander. Und diese beiden Extreme sind relativ
ähm platt gedacht, also rein sozial, rein körperlich und in Spezialdisziplinen.
Finden sich dann auch andere Vorschläge.
Zum Beispiel in der Entwicklungsökonomie hat Amadia Senn äh natürlich darüber nachgedacht, ähm wie ist das eigentlich, wenn Menschen ähm bestimmte Ressourcen haben, sagen wir mal, sie haben diese globale, absolute Armutsschwelle von eins Komma neun Dollar am Tag
ähm und
ist das eigentlich? Es sind eins Komma neun Dollar am Tag überall das Gleiche. Ähm und dann sagt Amatia Senn, das hat natürlich auch was damit zu tun, welchem Kontext sich jemand befindet.
Welche Lebenschancen dann rauskommen. Wenn ich mir von den eins Komma neun Dollar auch noch Heizung und Kleidung kaufen muss oder wenn ich in einer extrem instabilen äh Region bin
dann sind die Lebenschancen vermutlich geringer
Äh dazu gibt es eine ganze Reihe von sehr elaborierten Argumenten, die ich natürlich gar nicht ausführen kann. Aber ich würde mich gerne mit ihnen dazu einigen, dass
Kontext Relationen,
wichtig sind für die Entstehung von Lebenschancen und ich denke, man sollte da etwas komplexer argumentieren und nicht einfach nur von Körpern ausgehen, sondern von ähm einmal sozialen Materiellen
Action, Settings, das sind zum Beispiel Kaufhäuser, äh die sind ein O
an dem man kaufen kann, aber die sind natürlich auch ein soziale Institution, die das Kaufen ermöglicht. Ähm und diese leiblichen Relationen zu Kontexten, die haben eigentlich immer was mit
Zugängen, zu Action-Settings zu tun
ähm man sollte durchaus auch über rein soziale Kontextrelationen über Anschlusschancen im Sinne von Muman nachdenken und ähm mal wir müssen dem gerecht werden, dass Kontextrelationen natürlich auch umkämpft sind.
Und sie können sich jetzt wahrscheinlich schon denken, worauf ich hinaus will. Äh Corona ist nicht nur ein Stresstest für soziologisches.
Sondern auch in Stresstest für Kontext Relation
Leute wie sie und ich, die nie über Kontext Relation nachdenken mussten, weil wir jederzeit überall hinreisen konnten, äh weil wir in der Regel einen Pass haben, der überall anerkannt wird, weil wir online Freundschaften pflegen können
und so weiter. Wir stellen plötzlich fest, dass sich dabei den Kontextrationen,
einiges verändert hat. Ähm, diese Veränderung möchte ich gerne mit dem von mir entwickelten Konstrukt der sozialräumlichen Autonomie ähm analysieren. Äh das würde ich Ihnen jetzt gleich mal kurz vorstellen.
Im Wesentlichen ist der Hauptteil des Vortrags dann aber zeitdiagnostisch. Ähm ich überlege vor dem Hintergrund dieses Konstrukts, wie sich strukturelle Ungleichheiten durch die Coruna Pandemie verändert haben.
Und ich hoffe wir können dann darüber auch diskutieren.
Sozialräumliche Autonomie ist das Potenzial, Passungsverhältnisse zwischen Personen und Kontext im eigenen Interesse zu regulieren. Ähm
Damit ist nicht gemeint, äh dass man immer körperlich mobil werden muss. Im Gegenteil
sind eigentlich die privilegiert, die sich ähm zum Beispiel in München befinden und dort sehr reichhaltige Anschlusschancen vorfinden und die eben nicht wandern müssen.
Ähm Sozialräumlicher Autonomie ist auch nicht das Gleiche wie äh eine Ressourcenausstattung. Also man kann sich davon nichts kaufen. Aber wenn man eben Ressourcen hat.
Zum Beispiel Geld, zum Beispiel Bildung, äh dann ist die Frage.
Und wo man sie einsetzen kann. Natürlich schon sehr wichtig dafür, ob diese Ressourcen dann sich auch in Lebenschancen übersetzen.
Und als ich früher darüber nachgedacht habe, habe ich gesagt, dass diese Action-Settings.
Eigentlich vor allem für diejenigen wichtig sind, äh die so richtig arm sind oder die auf dem Lande leben oder die die nicht Auto fahren können, ja?
Im äh das wird auch hier durch dieses Bild symbolisiert, dass eine brasilianische Verwela zeigt, die durch eine hohe Mauer von einem Mittelschichtsviert.
Getrennt ist.
Da müssen wir jetzt wirklich ganz anders drüber nachdenken, ähm denn äh wir sehen jetzt im Bereich der Arbeitswelt tatsächlich eine Kliwitz, die entlang.
Von ähm sozialräumlicher Autonomie in ihrer sozialen materiellen Variante.
Sehr offensichtlich ist. Diejenigen, die im virtuellen Raum arbeiten können.
Haben wenig Probleme ähm äh hingegen diejenigen, deren Arbeit inhaltlich auf Co-Präsenz angewiesen ist und das sind eben nicht nur körperbezogene Dienstleister.
Sondern das sind auch Ärzte, Ärztinnen, Lehrkräfte, Künstlerinnen
äh die sind faktisch, ähm die können nicht arbeiten, teilweise jetzt schon seit einem halben Jahr, ähm beziehungsweise wenn sie arbeiten, ist es für sie mit hohen Risiken verbunden
und das ist 'ne Clevidge, die nicht deckungsgleich ist mit der zwischen hochqualifizierten und Dienstleistungspolitiat, sondern die, die liegt eben ein Stück weit quer dazu.
Im Übrigen ähm gilt auch weiterhin das, dass gerade für Arme
Anschluss, also sozialmaterielle Action-Settings und der Zugang zu ihnen
wichtig sind, also im globalen Süden ist dieses multilokale Leben eine wichtige Sicherungsstrategie für arme Haushalte
äh und sie erinnern sich vielleicht an die Nachrichten äh unter anderem aus Indien, wo Millionen von diesen Wanderarbeitern teilweise zu Fuß, teilweise ohne Essen.
Aus den Städten zurück in die Dörfer gewandert sind. Also sie haben eigentlich eine wichtige.
Ausweichstrategie durch die Pandemie verloren ähm und wir sehen das auch bei Personen
die in Lagern leben, äh die in Gefängnissen leben, die in Heim leben.
Die eben nicht ausweichen können, die Raumrelation nicht selbst gestalten können und die in der Pandemie zusätzlichen Risiken ausgesetzt sind.
Vor Korona hätte ich gesagt, würde ich immer noch sagen, dass die sozial differenzierten Kontext Relationen natürlich äh
für eine soziologische Analyse im Vordergrund stehen sollten, äh weil wir doch in erster Linie über soziale Beziehungen an Kontexte gebunden sind.
Ähm aber auch die.
Ähm äh unterscheiden sich jetzt äh entlang der Achse, ob sie mit oder ohne Co-Präsenz auskommen. Und da sieht man jetzt, dass
die ja häufig existierenden komplett sozialen Teilinklusion ungestört weiterlaufen oder teilweise sogar ähm gewinnen
Ja, ich sagte ja, ich habe dieses Kologium äh von Anfang an geschätzt, das war auch deshalb, weil ich als Professorin
es mir nicht leisten konnte für einen Kolugfi nach Berlin zu fahren und jetzt konnte ich plötzlich an einem WZB-Kolokium teilnehmen und äh viele von ihnen werden diese Erfahrungen auch gemacht haben, dass sich manche
Anschlusschancen, die rein sozial sind, verbessert haben. Zugleich sieht man aber eben auch, dass einige komplexe Arbeitsteilige.
Sozialorganisatorische Infrastrukturen zusammengebrochen sind.
Und dass da dann auch teilweise ein Rückfall in Organisationsform vorkommt, auf den ich dann auch später noch eingehen werde.
Äh im sozialen Leben haben wir auch äh so eine.
Ähm Halbmaterielle Unterscheidungslinie. Wer kann sein Sozialleben entweder online oder draußen pflegen.
Äh und wer kann das nicht.
Ähm und da kommt jetzt ähm die dritte Frage ähm ins Spiel, die ich mir mit Blick auf Kontextrelationen stelle, nämlich die politische Überformung von Kontextrationen. Wir sehen im Moment eine sehr intensive Debatte darüber,
wer eigentlich ähm zusammengehört.
Wer zusammen sein darf und ähm ähm in in Familien ähm wird angenommen in Haushalten, da darf man sich anstecken.
Äh die meisten anstecken finden gerade im privaten Kontext statt, ähm aber da wird eigentlich davon ausgegangen, da kann man eigentlich nicht intervenieren. Das ist eben so
Ähm und zugleich gibt es andere Menschen, die äh die eben nicht in der Familie sich anstecken können und dürfen. Äh äh und da wird äh massiv regulatorisch eingegriffen. Ja, junge Leute, die sich im öffentlichen Raum treffen.
Alleinlebende. Dieses Bild ist nicht aktuell, das habe ich gestern beim Google gefunden, aber ich denke, es drückt.
Aus, ähm, dass sich der öffentliche Diskurs sehr kritisch ähm auf alle Formen von öffentlichem Anstecken richtet. Ähm also das ist eindeutig ein politisch symbolischer Kampf darüber, wer.
Ähm wer hat welche Rechte? Äh damit hatte ich mich auch als Migrationsforscherin ähm früher beschäftigt.
Und es ist eine sehr interessante Frage auch im Anschluss an Herrn Meinhoff im äh das Auflammen des Rassismus
äh äh da darüber würde ich wirklich auch gerne nochmal vertiefend weiterdenken. Man kann sicherlich sagen, äh dass äh dass der Zusammenbruch
komplexer und stabiler Systeme eben diesen Rekurs auf äh politische Kämpfe und askriptive Zuschreibungen beflügelt. Ähm das hat sicherlich auch eine sachliche Seite, denn
als die Politik herausgefordert war kurzfristig ähm Ansteckung zu unterbinden, was eben am einfachsten statt.
Zu schließen, obwohl das ja teilweise gar nicht so logisch ist, was das Ansteckungsgeschehen ähm angeht und das jetzt auch ähm ähm revidiert wird, ähm
aber zunächst mal hat man die Grenzen dicht gemacht und zunächst mal konnten Leute mit deutschem Pass zurück nach Deutschland reisen und Ausländer mit Daueraufenthalt fanden sich plötzlich im Ausland wieder.
Irgendein Ort, an dem sie zurückfahren konnten. Ähm, also da wurde wirklich ähm sozusagen diese nationale Schließung reaktiviert, um
eben irgendwas machen zu können. Hm, aus heutiger Sicht kann man wohl sagen, äh dass es äh sehr viel solider ist, den Blick auf.
Regionale Sozialmateriell, politische Infrastrukturen zu richten, ähm äh die dann offensichtlich ganz entscheidend für das Ansteckungsgeschehen sind.
Das sind so Fragen wie bin ich in einem in einer Region mit dünner Besiedelung, wo immer der Wind weht, ja?
Ähm oder auch welche Institutionen wie das öffentliche Gesundheitswesen oder die die kostenlose Krankenversicherung kostenlose Testmöglichkeiten sind in bestimmten Regionen einfach aus historischer Pfadabhängigkeit heraus noch vorhanden, ja? Ähm.
Aber eben auch politische Fragen, also die von Herrn Mainhof auch angesprochene Debatte über die Überlegenheit, von Demokratieversus Autoritarismus, ja, im Föderalismus, Versus, Zentralstaat, in dieses alles ähm führ.
Zu 'ner komplexen Gemengelage häufig auf regionaler Ebene die offensichtlich große Folgen dafür hat.
Wie sich das Ansteckungsgeschehen entwickelt und äh das ist glaube ich ein sehr spannendes Forschungsfeld für die Soziologie.
Ich komme äh zum Schluss, äh wenn sich Kontext Relation äh wie derzeit durch die Panemie verändern, verändert sich auch
die Struktur einiger sozialer Ungleichheiten ähm und äh ich denke.
In Deutschland gab es ja in den achtziger Jahren eine intensive Debatte über die mehr Dimensionalität von Ungleichheit. Die leider international nie aufgegriffen wurde und äh die wir auch selbst so ein bisschen vergessen haben, glaube ich. Ähm aber man sieht doch, dass die Ungleichheitsanalyse viel gewinnen kann
wenn sie sich mit Public Goods, mit institutionellen Infrastrukturen beschäftigt. Auch äh die Frage von Gesundheit und Lebenserwartung äh die hat
man ignoriert, sie ist im globalen Süden längst eine der zentralen Ungleichheitsthemen
und man sieht, dass eben ähm sozusagen die Frage, ob der Staat
ähm das Leben der Bürger schützen kann, doch so zentral ist das ganze Gesellschaften sich im Moment auch entlang dieser Frage umbauen und dann sollten wir uns, glaube ich, auch in der soziologischen Ungleichheitsforsche mehr mit dieser Dimension von Ungleichheit beschäftigen und wie schon angesprochen die Relevanz As
tiefer Ungleichheiten, äh wenn ähm äh sozusagen komplexe Institutionalisierungs äh Form versagen.
Zuletzt vielleicht auch noch der Punkt, äh dass einige
Positionen ähm in ihrer Privilegiertheit ähm erkennbar werden, die wir zuvor für selbstverständlich gehalten haben. Vielen Dank.
Ja, herzlichen Dank ähm für den Vortrag. Es sind schon eine Reihe Fragen ähm Rhein.
Kommen. Ähm, vielleicht fangen wir mit einer an, die ähm sich mit dieser sichtb
Barkeit. Ähm es schließt ein bisschen an die Privilegien ähm auch an. Äh mit der Sichtbarkeit äh zusammenhängt. Ähm ist eine Wirkung von dieser Krise, dass sie die Sichtbarkeit von sozialen Ungleichheiten ändert. Hier wird das Beispiel.
Genannt, dass ähm zuvor äh äh in der Studierendenschaft die Universität eigentlich vieles an Infrastruktur ausgeglichen hat. Jetzt äh wird sehr viel deutlicher, welche Studierende technisch gut ausgestattet sind
räumlich äh gut ausgestattet sind, ein eigener Raum äh mit voller Ausstattung ähm ist jetzt sehr viel wichtiger als zuvor und natürlich mit
bestimmten Ressourcen verbunden. Ähm also das heißt wird da auch Ungleichheit einfach ähm erstmal sichtbar gemacht
Also es ist sicher so, dass Ungleichheiten über die wir viel wissen, sich jetzt verschärfen.
Natürlich heftig. Äh allein schon äh die die steigende Arbeitslosigkeit
mittelfristig äh äh die zunehmende Armut öffentlicher Haushalte und so weiter. Und das darunter fällt natürlich auch, dass man jetzt bei den Studierenden Klassenunterschiede
stärker sieht an der technischen Ausstattung und so weiter. Äh mein Argument zielt aber darauf ab, dass wir.
In der Dynamik erkennen müssen, die auch nochmal ein Stück quer dazu liegt. Es zieht nicht darauf ab
zu sagen, wir sollten nicht mehr Unterschiede zwischen Armut und Reichtum äh zwischen äh Bildung und geringerer Bildung zu tun äh äh und analysieren. Natürlich sollten wir das. Nur darüber wissen wir ziemlich viel.
Und mein Argument zielt wirklich auf eine ergänzende Argumentation ab.
Dazu nochmal ähm die Frage ähm welche Rolle die Ressourcen und Hilfsverteilung jetzt in der politischen ähm Reaktion
auch da ich ähm paraphasier das jetzt so ein bisschen die Frage ähm ist das auch entlang noch dieser klassischen Achsen?
Also ähm oder kann man sich jetzt auch vielleicht noch Unterstützung auch vielleicht eine langfristige äh ja Unterschied in der arbeitsrechtlichen Regulierung und im arbeitsrechtlichen Ausgleich von äh Personen eben vorstellen, die dann von dieser Co-Präsenz und dem Zwang zur Kopresenz sozusagen
ja mehr betroffen sind äh und denen, die da weniger betroffen sind. Für die Politik ist es so, wie für die Soziologie, dass ähm
der einfach vieles durcheinander gewirbelt wird. Ich glaube, man macht keinen Fehler, wenn man sagt, dass wir.
Jetzt eine längere Phase von neoliberalen Grundüberzeugungen ähm ähm hinter uns
ich weiß nicht, ob hinter uns da sind, auf jeden Fall durchlaufen haben, ja? Und der Kollege Mau hat ja sogar ein Buch darüber geschrieben, warum äh Leute, wie zum Beispiel ich auch
neoliberale Gedanken ein Stück weit sogar akzeptieren, obwohl sie mein Interessen wieder laufen.
Das ist die Ausgangslage gewesen. Und wenige Monate später haben wir eine Politik, die sich mit systemrelevanten Berufen.
Dem öffentlichen Gesundheitswesen, was über Jahrzehnte hinweg wirklich niemanden interessiert hat, befassen, ähm, mit äh mit der
Stärkung des Föderalismus auch in armen Kommunen, ja? Also die Politik ist mit Fragen jetzt beschäftigt mit denen wollte sich niemand auseinandersetzen. Und diese Fragen kann man nicht einfach also wenn man die inner reinen Logik von.
Die Reichen und Mächtigen setzen ihre Interessen durch ähm anschaut.
Dann wird man dem nicht komplett gerecht. Natürlich sind die Reichen und Mächtigen immer noch ähm äh stark.
Natürlich äh will die Politik sehr ungern äh der Mittelschicht ihren Sommerurlaub äh vergeigen.
Und natürlich muss die Politik zurückrudern, wenn sie der Mittelschicht ihren Herbsturlaub spontan.
Ähm ruiniert, ja? Durch Beherbergungsverbote, das gilt alles weiterhin, das stelle ich überhaupt nicht in Frage
ja? Aber man sieht doch, dass es äh Dynamiken gibt, äh die sich nicht entlang der reich, arm, priviligiert, mächtig, nicht mächtig, Achse. Ähm im Moment ähm gestalten und die auch die Politiker letzten Endes äh.
Mal zögern lassen und sich fragen lassen, was machen wir denn jetzt eigentlich? Und wie wird es dann nach hinten raus weitergehen
Dazu vielleicht ein Beispiel. Ähm sie haben jetzt genannt das Problem, dass ähm
ja die Familien irgendwie so als der einzige Ort da beachtet werden sozusagen legitimiert wird zusammen zu bleiben und damit natürlich eine Ansteckungsrisiko darstellt. Ähm.
Könnte denn ein anderes Nachdenken darüber ein äh äh aussehen? Also könnte das eben tatsächlich auch eben äh Kontakt
Beschränkung innerhalb der Familie betreffen.
Na ja, es gibt eben einerseits äh sozusagen das Extrem der Epidemiekontrolle, wenn ich das Recht gesehen habe, wurde, dass in China auch teilweise gemacht, dass man eben schon sagt, wenn jemand
getestet ist, er wird versucht, dass er wirklich auch die Familienangehörigen nicht ansteckt. Ich denke, das wird hier wahrscheinlich eher über Beratung erreicht.
Die infizierten sollen sich dann in einen Raum separieren. Äh was passiert aber zum Beispiel in armen Haushalten, wo man das vielleicht gar nicht so leisten kann? Dazu habe ich zumindest in der Zeitung nichts gelesen.
Das andere ist aber, dass das, wenn man akzeptiert, dass Menschen
soziale Beziehungen brauchen und es gibt ja auch eine große Debatte darüber, dass äh die ähm äh
der Kampf gegen die Pandemie nicht dazu führen darf, dass äh so äh psychische Krankheiten über Hand nehmen, dann muss man's doch auch alleinlebenden zugestehen, dass sie eine soziale Infektionsgemeinschaft
bilden. Also sprich dann sollte man doch auch,
Alleinlebende dazu auffordern, dass sie sich mit zwei oder drei anderen Freunden zusammentun und legitimerweise,
mit denen die Infektionsgemeinschaft bilden. Das machen auch viele. Ja, ich glaube auch, dass das kein größeres Problem ist als eine Familie, wahrscheinlich sogar ein kleineres.
Aber wieso würdigt man das nicht, dass alle Menschen auch die, die nicht in einer Familie leben, zumindest ein paar tragfähige menschliche Kontakte brauchen.
Dahingehend würde mein Argument eher gehen. Ähm, sieht man dann in verschiedenen Bereichen ähm
Sie haben das vorne in einem anderen genannt, ähm das vielleicht im Zuge dieser Krise, im Zuge auch einer Überforderung, gerade am Anfang, eben man tatsächlich auf so ältere Formen, fast zurückgreift, sei es eben nationalstaatliche Grenzen, sei es sowas wie Familien
die irgendwie lange nicht mehr in der Diskussion waren, aber jetzt irgendwie so gestärkt werden. Also ist es vielleicht auch erstmal eine Überforderung, die jetzt langfristig wieder äh äh
ja so ein bisschen relativiert wird oder sieht man da vielleicht doch eher so ein Backlash von von solchen Strukturen.
Ja, also ähm also wie auch immer man das jetzt politisch deutet, ja
soziologisch gesehen äh finde ich das schon nicht nicht unerwartet und auch relativ interessant äh und bedenkenswert, dass wir ja.
Infunktional differenzierten Gesellschaften unglaublich elaborierte Gefüge haben, die sich über viele über lange Zeit hinweg auch in ihrer Komplexität ja erst aufbauen.
Und ähm äh und die, die meisten so geräuschlos laufen, dass man sich gar nicht damit beschäftigt.
Es gibt ja auch viel zu wenig Institutionenanalysen in der Soziologie. Also wie der neoliberalismus hat ja auch dazu geführt, dass wir fast nur noch Einzelwesen untersuchen, ja. Aber äh unsere Sozialwelt ist ja ganz stark institutionell strukturiert und meistens auf das völlig geräuschlos.
Und jetzt hat man gemerkt, äh huch.
So eine Institution, auf der ich mein Leben aufgebaut habe, zum Beispiel als berufstätige Frau, die auf Kinderbetreuung angewiesen ist. Äh die ist weg.
So und dann ist es natürlich schon eine interessante Sache, wie wird dann mit sowas umgegangen? Und da würde ich jetzt nicht sagen, dass da nur.
Durch Rückfall auf alte soziale Formen damit umgegangen wurde. Ähm! Aber gerade diese Balance zwischen elaborierten, institutionellen, geflechten und sozusagen simplen
äh Vergesellschaftungsformen. Das ist ein interessantes Thema, weil das ja auch von den Rechtspopulisten immer angetriggert wird.
Die sagen ja immer es gibt ja in Österreich jetzt diese tolle Idee, dass Gesetze sich einfach nach zehn Jahren von selbst auflösen sollen, ja? Ähm Wahnsinn.
Aber äh also die bespielen ja das auch immer wieder, dass sozusagen diese Komplexität der Institutionengefüge irgendwie böse ist.
Und sie ersetzt setzen was einfacheres an diese Stelle.
Insofern lohnt dieses Thema finde ich äh schon äh die soziologische Analyse. Ähm am Anfang, gerade am Anfang der Krise wurde immer mal von
dieser Pandemie als zu einem großen Gleichmacher gesprochen, ähm der vielleicht auch manche Unterschiede einebnet. Ähm kann man auch sowas beobachten.
Also das würde ich überhaup
nicht sehen. Äh aber ich würde eben sehen, dass einige Gruppen, äh die äh die sehr benachteiligt waren, zum Beispiel die Pflegeberufe, ähm äh natürlich oder auch die äh Verkäuferinnen eben auch alle, die in der öffentlichen Daseinsvorsorge tätig sind. Die haben jetzt natürlich zumindest.
Symbolisch.
Gemacht, ob sich das auch in Geld übersetzt, wird man dann noch sehen, ja? Aber dass das insgesamt zum Gleichmachen kommt, äh würde ich überhaupt nicht sehen, sondern ich würde sehen, dass manche ähm Berufe, bei denen man nie dachte.
Dass es zu Problemen kommen könnte, plötzlich ganz massive Probleme haben. Häufig ist es aber natürlich so, dass diejenigen, die ohnehin schon prekär.
Da stehen noch prekärer dastehen, also sprich ähm äh Flüchtlinge in Lagern äh werden sozusagen noch massiver kontrolliert.
Das Thema ist ein ganzes Stück weit runtergerutscht in der Agenda. Ähm also häufig ähm äh werden die, die schlecht dastehen, natürlich noch schlechter gestellt in Zeiten einer Krise.
Und dann haben wir noch eine letzte Frage, die so ein bisschen an den Anfang zurückführt. Ähm ich habe gesagt, er
diese theoretische Seite ist wichtig, um eine empirische Forschung vielleicht auch besser zu machen. Deswegen die Frage, diese Kontextrelation, vielleicht auch insbesondere jetzt im Hinblick auf die Koronakrise. Wie kann man sich empirische ähm Anlagen vorstellen, die das in den Blick nehmen und vielleicht auch
sogar ein Monitoring betreiben, von dem, was da jetzt die nächsten Jahre passiert
Also ich hab tatsächlich schon mal 'n Vorschlag gemacht wie man zum Beispiel bei Bildung.
Die auch mit iTams in quantitativen Service so erfassen kann, dass man nicht unterstellt, dass Bildung entweder Deutsch oder ausländisch ist. Ähm dass ähm Flüchtlingspanel in äh ist da schon ziemlich.
Aber es eben doch auch drauf orientiert, dass Bildung am Ende in Deutschland äh nützlich gemacht werden muss.
Ähm das kann man auch anders modellieren. Also man kann durchaus Kontextrelationen auch in quantitativer empirischer Forschung untersuchen.
Es gibt auch im Gefolge von Amatia Senn für die Armuts und Reichtumsberichtserstattung äh Versuche.
Äh in so eine Richtung zu gehen. Also das wäre durchaus fruchtbar.
Ich finde aber auch, dass wenn man sich das äh konzeptionell klarer macht, dann kann man auch einige Daten, die vorhanden sind, in entlang dieser Linie eben auch interpretieren.
Ja und man kann es natürlich auch qualitativ untersuchen. Ähm äh wie man das jetzt im Einzelnen macht, dafür muss man sich dann wirklich zusammensetzen. Man muss schon welche Daten sind da. Was ist das Konzept
Ähm wie kann man das abbilden? Es ist schwieriger eine Relation.
Äh abzubilden, zum Beispiel in Umfrageforschung. Ähm als sozusagen ähm äh sozusagen ein Asse.
Was man einer Person zurechnen kann. Man muss allerdings sagen, dass das, was der Person zugerechnet wird.
Ja auch immer schon relational gedacht ist. Also zum Beispiel Währungen sind ja auch immer nur in einem Land.
Haben die nur den gleichen Wert, die müssen auch übersetzt werden und so weiter. Also insofern sind es Themen, an denen die Ungleichheitsforschung lange dran.
Ist und die man auch in diese Richtung weiterentwickeln kann. Aber sicher nicht jetzt innerhalb von äh sozusagen per Schnellschuss, sondern man muss sich da wahrscheinlich schon zusammensetzen und hier intensiver damit auseinandersetzen.
Das war der Vortrag, den Anja Weiß im Rahmen unseres digitalen Kologiums am achtundzwanzigsten Oktober zweitausendzwanzig gehalten hat. Wir hoffen, sie
konnten ein paar Kenntnisse und Anregungen mitnehmen. Wenn sie mögen, dann abonnieren und teilen sie doch gern den Podcast. Alle weiteren Informationen finden sie unter Corona Soziologie Punkt Blog Punkt WZ P
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