Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise – coronasoziologie.blog.wzb.eu

Transkript: Boris Holzer: Die Corona-Krise als Gesellschaftsexperiment: Zur (Nicht-)Ersetzbarkeit sozialer Strukturen

ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.


Jan Gehrmann
Und damit herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Podcasts, zur soziologischen Perspektiven auf die Chorona-Krise. Mein Name ist Jan Jahrmann, ich bin studentischer Mitarbeiter im Institut für Soziologie der LMU München und organisiere das digitale Kologium mit.
Am siebzehnten März zweitausendeinundzwanzig wird Boris Holzer einen Vortrag mit dem Titel die Corona-Krise als Gesellschaftsexperiment zur Nichtersetzbarkeit sozialer Strukturen.
Er betonte darin, den Experiment Haine Charakter der Einschränkungen des persönlichen und körperlichen Kontakts für den funktionale equivalente erforderlich wurden. Vor allem durch digitale Kommunikation.
Holster fragt nach den Folgen dieser Versuchsunordnung und zeigt Beispiele dafür auf, welche Spielräume einzelne gesellschaftliche Teilbereiche für die Substitution von Präsenzkommunikation haben.
Boris Holzer ist Professor für allgemeine Soziologie und Makrosoziologie einer Universität Konstanz. Und nun viel Spaß mit dem Vortrag.
Boris Holzer
Ja herzlichen Dank für die Einladung und die Möglichkeit ähm hier,
etwas beizutragen zu dem Kologium. Bei meinem,
Thema geht es um die Korona Krise als eine Gesellschaftsexperiment und äh das ist in der Hinsicht besonders reizvoll, weil das ein.
Thema ist, ähm über das man redet und das unmittelbar gleichzeitig vor Augen steht, denn das, was das Thema meines Vortrages ist, das praktizieren wir ja in diesem Moment, die Sukstitution von
physischer Co-Präsent durch digitale Kommunikationstechnologie, also gewissermaßen die Versumung der
Gesellschaft. Ähm, ich möchte das als ein gesellschaftliches Experiment betreiben und diese Versuchsanordnung, so meine These,
gibt uns Aufschluss darüber, inwiefern und mit welchen Nebenfolgen eine Substitution von physischer Co-Präsenz als Struktur,
von Kommunikations äh Situationen stattfindet
Das beruht auf einer ersten Sammlung und Sichtung von Material und der Vortrag soll auch und vor allem Anregungen geben, wie man Substitutionsvorgänge weiter beobachten und analysieren könnte
Pademie wird uns ja, wie es aussieht, noch eine Weile Gelegenheit dazu geben.
Ist in zweierlei Hinsicht zu einem Gesellschaftsexperiment geworden. Erstens hat sie die Gesellschaft in einer Art Petryschale verwandelt, in der die Verbreitung,
des Corona-Virus in Abhängigkeit,
von politischen Interventionen und anderen sozialen Variablen, zum Beispiel Mobilitätsmustern beobachtet werden kann. Auf der Basis von Ländervergleichen lässt sich so zum Beispiel rechnen
wie stark bestimmte nicht pharmazeutische Interventionen der Regierungen dazu beigetragen haben. Die Reproduktionsrate der Infektion zu senken.
Aber auch andere Determinanten der Ansteckung sind denkbar und werden untersucht, so wurde auch gefragt, ob die kulturelle, strenge von Gesellschaften, also die Verbindlichkeit von Normen
einen negativen Zusammenhang mit Ansteckungen und Todeszahlen zeigt,
Das ist also zur ruhiger Perspektive nicht uninteressant. Natürlich sind Kausalzuschreibungen auf Basis von
mit Vorsicht zu genießen. Das ist kein Vorwurf an die gerade genannten Studien, aber nicht alle sind in dieser Frage äh so ehrlich. Ähm allerdings geht es hier auch nur am Rande um Soziologie, da zwar
Soziale und politische Kausalfaktoren analysiert werden ist letztlich aber um den Infektionsverlauf. Also um Epidibiologische Fragen geht.
Die soziologische Frage wäre, welche Folgen haben die Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung für die Gesellschaft? Auch das lässt sich kausal formulieren und beantworten, das BZB-Kolognium.
Bietet daher viele Beispiele,
In meinem Vortrag möchte ich eine andere, eine zweite Möglichkeit ausloten, nämlich die Corona Krise als ein funktionalistisches Experiment auszuwerten.
Eine funktionale Analyse, wie ich sie hier vorhabe, hat nichts mit dem klassischen Funktionalismus zu tun. Sie benutzt den Funktionsbegriff nicht um die Existenz sozialer Sachverhalt,
Verhalte zu erklären. Äh etwa nach dem Muster,
der Regentanz der Regentanz der Rupi gibt es weil er als Ritual die kollektive Identität der Gruppe stärkt. Es geht vielmehr.
Um äh die Frage.
Durch was der Regentanz unter genau diesem Gesichtspunkt ersetzbar wäre. Also um die Frage nach funktionalen Iquivalenten.
Eine Frage, die nicht nur für die Soziologie, sondern auch für die handelnden interessant sein kann, zum Beispiel, wenn sie selbst nicht mehr an den Zusammenhang von Ritual und Regen glauben, aber dennoch ihre Gruppe zusammenhalten möchten.
Dieser Equalenz-Funktionalismus hat nun ein Problem, auf das äh Niklas Lumann schon früh aufmerksam gemacht hat. Man kann sich viel überlegen,
Aber praktisch sind die Möglichkeiten an der Substitution von Strukturen sehr begrenzt. Die soziale Wirklichkeit setzt jedem Austausch Widerstand entgegen, weil sie die Auswirkungen auf andere Zusammenhänge nicht außer Acht lassen kann
Man kann die Hoopie schlecht bitten, mal drei Jahre nicht zu tanzen, damit man sieht, ob die Gruppe zerfällt.
Und niemand hätte wohl den Matheunterricht auf Wunsch von Soziologinnen und Soziologen durch YouTube-Videos ersetzt, um zu sehen, ob das ein funktionales Equalent sein könnte.
Eine Krise ist deshalb.
Eine Chance für die Prüfung funktionaler Überlegungen. Soziale Experimente sind im Normalbetrieb meist nicht durchführbar, aber Störungen geben Hinweise auf funktionale Äqualente für die gewohnten Leistungen.
Krisen sind ähm ein günstiger Anlass für das Studium der normalen durch sie,
unterbrochenen Zusammenhängen. Und so auch die Crowit neunzehn Pandibien staatlich verfügte Lokdowns, aber auch individuell oder von Organisationen, gewählte Selbsteinschränkungen persönlicher Begegnungen,
haben es nötig gemacht, Ersatzmöglichkeiten. Substitute für jene Strukturen zu finden, die nicht mehr praktikabel erschien.
Nehmen sie das Beispiel der Begrüßung, eine elementaren Struktur der Alltagskommunikation. Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr das letzte Mal jemand in die Hand geschüttelt.
Eindringliche Warnungen vor dieser Praktik haben dazu geführt dass aus einer anfänglichen Unsicherheit und Skepsis einem mehr oder weniger stabil
neue Struktur entstanden ist. Mit dem Emola-Gruß oder dem Fistbam äh mögen einige noch fremdeln, aber lächerlich macht man sich damit eigentlich nicht mehr,
Es gab weitere durch Eindämmungsmaßnahmen, erzwungene Substitutionen, vor allem den Verzicht auf viele Formen der Face to Face Interaktion.
Im persönlichen Bereich, aber auch bei Parteitagen, Konzerten und wissenschaftlichen Kologien.
Auf diese Folgen im Bereich der Kommunikation unter Anwesenden möchte ich mich nun im Weiteren konzentrieren.
Zu nichts, was man nicht beobachten konnte, äh das war die Stilllegung eines kompletten gesellschaftlichen Teilbereichs. Auch wenn niemand mehr shoppen gehen konnte, liefen die Transaktionen an den Finanzmärkten natürlich weiter.
Allenfalls für den Sport, vielleicht noch für den Tourismus, gab es so etwas wie ein zeitlich befristeten und lokal begrenzten Shardown.
Dieser ging aber in keinem Fall so weit, dass man sich nach Alternativen für ein ganzes Teilsystem wieder umsehen müssen. Wählert Wirtschaft.
Noch die Erziehung mussten ersetzt werden, sondern eben die physische Co-Präsenz innerhalb dieser Teilsysteme.
Es ging aber auch nicht um den Ersatz von Interaktion als solcher. Die Face to Face Interaktion wurde zu kalten Zeitpunkt abgeschafft.
Restaurants und Schulklassen leer sind, findet Face-to-Face-Interaktionen eben andersrum statt. Die Körper müssen ja irgendwohin.
Unterschiedliche Teiles Themen sind nun ganz unterschiedlich von solchen Einschränkungen betroffen.
Lag und liegt auch daran, dass Teilsysteme in unterschiedlicher Weise auf Kommunikation unter Anwesenden angewiesen sind.
Als eine erste Horistikbild sich deshalb an, diese Einschränkung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Differenzierung etwas aufzuschlüsseln.
Und man kann in einem ersten Schritt die Form kartieren, in denen Co-Präsenz in gesellschaftlichen Teilsystemen eine Rolle spielt. Und das könnte so aussehen, wie sie es hier sehen.
Schon diese kosorische Übersicht zeigt, dass die Bedeutung physischer Co-Präsent recht unterschiedlich verteilt ist.
Die einsame Lektüre von Lehrbüchern oder von Reiseführern tragen nur ein kleinen Teil zu den Funktionen der Ziehung des Tourismus bei der elektronischen Börsenhandel hingegen ist ein Kernbereich der Wirtschaft.
Die Massenmedien wiederum sind ein Sonderfall.
Weil es auch hier interaktionsnähere und interaktionsfernere Produktionsformen gibt. Die gesellschaftliche Funktion liegt aber natürlich in Erreichbarkeit der Abwesenden. Und die ist auch dann erfüllbar, wenn Quizshows,
und Dschungelcamps eben nicht mehr möglich sind.
Doch selbst hier und noch stärker in anderen Bereichen setzt die Kontinuierung der gesellschaftlichen Funktion Ausweich und Substitutionsprozesse voraus.
Interaktionsintensive Praktiken müssen durch bereits etablierte Interaktionsarme ersetzt werden.
Zum Beispiel der Kaufhausbesuch, das Onlineshopping oder das Wahllokal, durch die Briefwahl oder es müssen eben neue Formen der Distanzkommunikation ausprobiert werden.
Aber Substitution ist nur dann ein Beitrag zur Problemlösung, wenn sie funktionale Equalente bietet. Das Online-Shopping funktioniert nicht.
Zum Beispiel beim Autokauf. Das Wahllokal hingegen lässt sich durch Briefwahl durchaus ersetzen
aber eben nur in der Funktion ein Wahlergebnis zu produzieren. Andere Elemente des Rituals der Demokratie entfallen dann zum Beispiel die Gleichzeitigkeit der Stimmen ab.
Die Frage ist nun, wie werden diese Substitutionsprozesse gelenkt und wo liegen eigentlich ihre Grenzen.
Ähm Substitution ist, wie schon gesagt, nicht beliebig möglich. Ich hatte erwähnt, dass sie normalerweise auch nur als Reaktion auf eine Krise überhaupt in Frage kommen.
Wir können diese Annahme aufgrund der Pademierefahrung präzisieren in diesem Zusammenhang beobachten wir nämlich zwei Grenzen, an welche die Substitution von Co-Präsenz stößt.
Erstens, Idealisierung, Physio physische Co-Präsenz wird gestützt und scheinbar invariabel gesetzt.
Durch Idealisierung dessen, was sie eigentlich leistet. Wenn zum Beispiel die Baden-Württembergische,
Bildungsministerin Eisenmann sagte, nichts ist so gut wie Präsenzunterricht, unterschlägt sie natürlich, dass
Technologiedefizit des Unterrichts. Es gibt viele gute Gründe für Präsenzunterricht, zum Beispiel, dass er am besten geeignet ist, das Lernen von Umwelteinflüssen abzusondern.
Aber ob und welche kausalen Effekte für das individuelle Lernen die physisch Co-Präsenz eigentlich hat.
Das weiß man nicht. Man hofft, dass es wirkt und bemüht sich nach Kräften. Eine solche retrospektive Verklärung.
Entmutigt und entwertet Substitute. Präsenz hat dann ja angeblich super funktioniert.
Eine andere Hürde stellt Besetzung dar.
Und das im Sinne einer diffusen Anhänglichkeit an die Face to Face Interaktion. Die wertgeschätzten Aspekte physischer Co-Präsenz gehören oft zu jener Klasse von Sachverhalten, die,
John Als, der das einmal formuliert hat, wesentlich Nebenprodukte sind.
Interaktion bei Tagungen ist ja nicht etwa deshalb so toll, weil man durch die die Vorträge besser würdigen könnte, sondern weil man eben in der Pause über die Vorträge lästern kann.
Schulunterricht mag den Kindern durchaus etwas beibringen, vor allem werden sie aber während dieser Zeit sicher und weitgehend störungsfrei aufbewahrt.
Funktionale Igualente aber ersetzt nur die spezifischen Funktionen nicht die Nebenfolgen. Die fuße Besetzung von Funktion und Nebenfolgen führen deshalb regelmäßig dazu.
Dass die Funktionen halt equalente.
Nicht im Sinne einer funktionalen Qualent gesucht werden, sondern komplett analogie gesucht werden. Man startet dann äh Microsoft Teams mit simulierten Sitzbänken aus.
Oder man folgt bei der Konferenz nicht in dem Vortrag auf Zoom, sondern trifft sich dann anschließend auch noch bei. Gettertown oder anderen ähm virtuellen Umgebungen um Geselligkeit zu simulieren.
Doch dadurch durch solche Erwartungen werden die Substitute regelmäßig überfordert.
Co-Präsenz kann aber auch spezifischer.
Nämlich mit Blick auf bestimmte erwünschte Folgen gewählt und dann entsprechend rationalisiert werden.
Man weiß, wozu man Präsenz braucht. Solche funktionalorientierten
Präsenzvorgaben gibt es in vielen gesellschaftlichen Teilsystemen und ich nenne mal zwei Beispiele aus dem Bereich des Rechts und aus dem Bereich der Religion.
Im Gerichtsverfahren ist äh
Co-Präsenz, persönliche Teilnahme in der Regel vorgesehen, denn sie sichert natürlich die Authentizität der Kommunikation und die Verbindlichkeit der Selbstdarstellung, an der man die teilnehmenden dann gerade auch
anpacken kann, wenn der Ausgang für sie ungünstig ist. Sie können dann nicht sagen, sie waren ja gar nicht beteiligt oder waren gar nicht dabei.
In der Religion ähm wiederum betreffen viele Rituale ähm den richtigen Vollzug von Handlungen und damit auch physische Vorgänge, zum Beispiel etwas zu halten, sich in bestimmter Weise zu bewegen.
Die Bibel ist mit ihrer Auskunft O zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind. Da bin ich mitten unter ihnen.
Eigentlich Corona konform, aber Gottesdienste gehen doch in der Regel darüber deutlich hinaus.
Andere Religionen sind noch präziser und mitunter strenger.
Ihr Judentum zum Beispiel verlangt für ein Gottesdienst mindestens zehn oder mehr,
Teilnehmer in der Regel, im orthodoxen Judentum tatsächlich männliche Teilnehmer, um einen Gottesdienst abhalten zu können.
Solche Gründe für Co-Präsenz können also dogmatisiert werden.
Doch ich Coupe präsent erst einmal als Mittel zu einem bestimmten Zweck markiert, dann wird sie auch variabel. Man kann und muss über Alternativen nachdenken.
Ein Beispiel aus dem religiösen Bereich, das Comitio und Jury Show in Standards hat zum Beispiel im März zweitausendzwanzig entschieden, dass die elektronisch vermittelte Teilnahme zulässig sei, um das Quarum zu erreichen.
Nur am Schabbat ist die Benutzung elektronischer Geräte leider unzulässig, aber man könne den Stream vorher aktivieren.
Allerdings darf man ihn dann nicht reparieren, falls Probleme auftreten. Ähnlich gibt es auch im Recht funktional inspirierte Änderungen von Prozessordnungen.
In einem Zivilprozess ist die Teilnahme per Videokonferenz schon seit zweitausenddreizehn möglich.
Die entsprechende Gesetzesergänzung war leicht rationalisierbar, weil die Zivilprozessordnung das persönliche Erscheinen, aber nicht das körperliche Erscheinen verlangen.
Für Strafprozesse wiederum gilt dies bislang und mit guten Gründen nicht.
Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie die Rationalisierung von Co-Präsenz dazu zwingt, ihren Sinn genauer zu spezifizieren und genau dadurch Raum für funktionale Qualente zu schaffen.
Diese können dann durchaus unterschiedlich aussehen. Ähm, es macht zum Beispiel nicht immer Sinn, den Ersatz in der größtmöglichen Annäherung an die Face to Face Interaktion zu suchen.
Geeignete Substitute setzen vielmehr genauere Vorstellungen darüber voraus, welche spezifischen Funktionen der Co-Präsenz durch welche anderen Strukturen ersetzt werden können.
Komm zum Schluss. Ähm, erstmal wichtig ist niemand hat die Absicht die Interaktion abzuschaffen. Irgendwo müssen die Menschen hin,
wo sie sind, wenn sie nicht ganz allein sind, gibt es auch Interaktionen und sei es eben nur äh daheim in der Familie oder mit dem Partner oder der Partnerin.
Eine Krise ähm.
Ist Voraussetzung dafür, dass solche Substitute überhaupt gesucht werden, aber wo die funktionale Perspektive möglich und plausibel ist, werden wir auch weiterhin und potenziell mehr Ersetzungen sehen. Insbesondere im Kontext von
Organisationen, die über solche Substitute zu entscheiden haben, also bei wissenschaftlichen Konferenzen, politischen Spitzentreffen und so weiter
wird man auch vermehrt die Nebenfolgen der Co-Präsenz
zum Beispiel, dass man woanders abwesend ist, ohne dass man Ressourcen verbraucht, betrachten und Substitute in Rechnung stellen.
Oft ist allerdings präsent multifunktional, zum Beispiel, ich hatte das Beispiel schon genannt, äh, in der Erziehung,
Hier könnte man ähm der physischen Co-Präsenzfunktionen zusprechen wie die Aufmerksamkeitssteuerung, dass sie dazu zwingt, weiterzumachen, zu kontinuieren
auch wenn man Frustrationen erlebt und vor allen Dingen, dass eben nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern durch die äh Selbstdarstellung,
der Lehrerin oder des Lehrers in der Interaktion auch eine Einstellung zum Wissen. Von der Nebenfunktion der Betreuung ganz zu schweigen.
Wenn die Effekte bei diesem Maße unklar und vielfältig sind, dann sind sie auch schwer zu ersetzen und deshalb kommt es hier dann leicht zu Frustationen und zu Abwehren.
Wo schließt sich Präsenz gar keinen Zweck hat? Ähm weil sie zum, weil zum Beispiel im Rahmen einer geseligen Interaktion, die um ihrer Selbstwillen gepflegt wird, als so hier gar nicht angegeben werden könnte, da macht Substitution wenig Sinn.
Und im Bereich dessen, was Simmel klassisch als Geselligkeit bezeichnete, tendieren Substitute, deshalb auch dazu allenfalls schlechte Kopien zu sein.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit, beziehungsweise das aktuelle Qualent, ihre Karlen auf dem Zoom Bildschirm.
Jan Gehrmann
Ja wunderbar für den spannenden Vortrag. Wir haben noch einige Fragen bekommen. Ich würde beginnen mit zwei größeren Fragen, die ich zweiteilen würde, die den ganzen Vortrag so ein bisschen überspannen.
Zum einen die Beobachtung, dass die Substitution von körperlicher Präsenz,
auch schon etwas ist, was eben nicht nur Lukis geprägt ist, sondern eben auch in der in der historisch umstanden ist. Also im Chat wurde auch die Finanzmärkte schon im neunzehnten Jahrhundert verwiesen, wo worüber sind wir ja oft viel geschrieben hat.
Oder auch beispielsweise der Fernunterricht in strukturschwachen Regionen, in Skandinavien, also wir kennen gewissermaßen diese Substution von Präsenz schon in einer historischen Perspektive.
Und dann der zweite Teil der Frage, ob nicht genau darin eigentlich so eine Medialität der Gesellschaft liegt, weil natürlich auch in ihren Beispielen hatten sie das glaube ich sehr schon dargestellt, dass eigentlich alle Substitutionen von Präsenzformen eigentlich immer nur über medialisierte Formen ähm,
stattfinden kann. So vielleicht.
Boris Holzer
Ja, da sind sicherlich richtige äh Beobachtungen. Ähm erstmal von hinten anfangen. Natürlich geht es in den allermeisten Fällen um Medialisierung, denn wenn man die Kommunikation da Anwesenden aus bestimmten Gründen äh nicht mehr betreiben kann oder nicht mehr
betreiben will, dann müssen eben Kommunikationstechnologien
einspringen, die eine Kommunikation unter Abwesenden erlauben. Und von daher sicherlich gibt es da auch ähm historisch
äh natürlich durch die Innovationen der Kommunikation, Technologie und die neuen Möglichkeiten erstmal auch durch die Kommunikation unter Abwesenden da eröffnet werden.
Vielerlei Punkte, an denen schon im längeren historischen Überblick,
Formen der Interaktion, auch durch Formen der Nicht-Interaktion oder nicht der Kommunikation, durch die Kommunikation der Abwesenden M
ersetzt wurden. Allerdings war das natürlich in den meisten Fällen ja evolutionärer Prozess, äh der nicht sozusagen auf dieser Art der bewusst funktional equa auf funktionale Equalente setzenden Substitter.
Substitutionen beruhte, sondern ähm dass es sich halt einfach so ähm ergeben hat
und äh natürlich kann man in dem Sinne auch auf Vorbilder zurückraffen. Natürlich gibt es auch ja das, was die Evolutionstheorie purdeptiv advanced jetzt nennen würde, also die Zivilprozessordnung ist vielleicht ein Beispiel dafür. Gut zweitausenddreizehn ist jetzt auch nicht gerade
sozusagen und ein Vorgriff in eine unbekannte Zukunft, aber immerhin zweitausenddreizehn wurde diese Teilnahme am Zivilprozess
durch Video ermöglicht. Ähm damals natürlich und zum Teil heute noch unter der Bedingung
dass es rechtlich möglich ist, aber technisch meistens sich realisierbar. Also natürlich gehen hier die Kommunikationstechnologischen Möglichkeiten ähm und die Ersetzungsmöglichkeiten Hand in Hand und natürlich findet das nicht alles erst im Jahr zweitausend
zwanzig statt, das ist sicherlich richtig.
Jan Gehrmann
Deine Frage, die wunderbar an dir gesagt ist, gerade anschließt. Ähm was kann denn aus ihrer Perspektive dazu gesagt werden, dass die Substitution von Präsenz ähm im bestimmt gesellschaftlichen Bereichen besser klappt als in anderen?
Wie lässt sich dieser graduelle Unterschied vielleicht doch ein bisschen mit ihrer Perspektive fassen.
Boris Holzer
Ja, dass in manchen Bereichen besser und in anderen schlechtern
schlichter klappt, einen Hinweis hatte ich ja gegeben, dass es natürlich ähm damit zusammenhängt, wie funktional spezifisch eigentlich physische Co-Präsenz benutzt wird. Ähm und hier gibt es natürlich Fälle, wo man ähm mit gutem,
Recht ähm das relativ spezifisch bestimmen kann, zum Beispiel im Gerichtsverfahren oder in der wissenschaftlichen Konferenz. Ähm worum es da geht, warum man physisch copräsent ist,
und in anderen Bereichen ist das dann doch sehr multifunktional. Zum Beispiel im Bereich der,
Erziehung. Man muss natürlich sagen, so ein kompakter sozialer Sachverhalt, wie physische Co-Präsenz ist letztendlich immer multifunktional. Es kommt aber darauf an
ob er eben unter einer bestimmten Perspektive rationalisiert werden kann. Und das scheint mir eben in einigen Bereichen besser zu gehen als in anderen und eine Variabel, die hier eine Rolle
spielen könnte, ist auch ähm wenn man das so formulieren möchte, der interaktive Formenreichtum eines gesellschaftlichen Teilsystems. Also man sieht ja, dass manche.
Teilbreich ganz unterschiedliche Formen der Interaktion bieten, zwischen denen man dann auch wechseln und verschieben kann und andere wie zum Beispiel die Erziehung mit dem Schulunterricht letztlich übereine
dann alles leisten muss. Und das führt natürlich dann auch zu mal besseren mal schlechteren Substitutionsmöglichkeiten.
Jan Gehrmann
Und jetzt noch eine Frage, auf die sie auch schon bisschen angespielt hatten, inwieweit man denn aus diesen Substitutionsprozessen, die sie jetzt beschrieben haben, auch für weitere Krisen der Zukunft, beispielsweise für die Klimakrise lernen könnte.
Inwieweit es dann vielleicht daran anschließend so etwas wie eine politische Steuerung überhaupt möglich und oder sogar wünschenswert.
Boris Holzer
Ja, sagen wir mal so, äh das ist ja auch schon durchaus im äh öffentlichen Diskurs in der öffentlichen Debatte über äh die momentan stattfindenden Ersetzungsprozesse äh thematisiert
dass hier natürlich dann mit Blick dann auf bisher vielleicht nicht so stark ins Gewicht fallenden Nebenfolgen von Co-Präsenz, wie eben Ressourcenverbrauch, Mobilität oder ähnliches, dass in Zukunft ein Thema sein könnte und zumindest an der Universität kriege ich das auch schon mit
dass es entsprechende Bestrebungen gibt, äh dass man
Zum Beispiel bei wissenschaftlichen Konferenzen, wo man vielleicht dreimal im Jahr um die Welt chattet, um mal kurz fünfzehn Nullminuten etwas zu erzählen, sich doch genauer
überlegen muss und auch dann vor allen Dingen im Kontext von Organisationen, genauer Rechenschaft darüber ablegen muss, ob das denn sinnvoll ist oder nicht.
Hier denke ich findet unter entsprechendem Druck der öffentlichen Debatte natürlich auch durch dann politisch gesetzte Rahmenbedingungen durchaus ein ein Prozess statt, der wahrscheinlich in Zukunft zu mehr solchen Substituten
führen wird.
Auf Seiten der bulldischen Steuerung gut steuern, ist natürlich immer so eine Sache. Äh kann man das nicht, die Leute suchen sich am Ende selber aus, ob sie sich treffen oder nicht, aber natürlich sind Rahmenbedingungen für Organisationen, zum Beispiel, ob äh,
Co-Präsent teuer ist, weil man zum Beispiel zusätzlich CO2-Kompensation leisten muss über so etwas dann für die interne Kalkulation und Rationalisierung
Co-Präsenz eine wichtige Rolle.
Jan Gehrmann
Sie hatten ja jetzt schon oder in allen Antworten und allen Fragen ist es immer schon so ein bisschen dunkel durchgeklungen, dass Gesellschaft eigentlich immer mit dieser Relationierung von funktionalen Äquivalenten beschäftigt war oder ist, ähm was ist denn dann.
Spezifische Depandemie eigentlich daran.
Boris Holzer
Ja, dass sie immer so damit beschäftigt ist, würde ich jetzt auch nicht sagen, denn wie gesagt, die äh soziale Wirklichkeit ist eigentlich kompakt äh und jede Struktur,
im Grunde auch Multifunktional kann ja auch in unterschiedlichen Kontexten benutzt werden und das gilt in ganz besonderer Weise auch für die physische Co-Präsenz und die explizite funktionale Perspektive ist denke ich dann schon etwas was auch.
Im
der sozialen Wirklichkeit in sozialen Systemen eben nicht der Normalfall ist. Es bedarf dazu eines Anstoßes, sei es eines Drucks von außen oder einer Krise
Erstens, dass man sich überhaupt genötigt fühlt von eingespielten und geschätzten Routinen abzuweichen und zweitens eben diese
gedankliche oder kommunikative Anstrengungen auf sich zu nehmen, tatsächlich Strukturen,
mit Blick auf ihre Folgen und Nebenfolgen als ihre Funktionen zu betrachten und das kommt natürlich auch im Alltag gelegentlich vor, ist aber denke ich nicht der Normalfolge, sondern in der Tat etwas, das.
Eine gewisse Krise, sei es eine persönliche Krise, sei es eine Interaktionskrise oder seien sie eine Gesellschaftskrise letztlich voraussetz.
Jan Gehrmann
Das war der Vortrag, den Boris Holzer in unserem digitalen Kologium am siebzehnten März zweitausendeinundzwanzig gehalten hat. Wir hoffen, sie konnten ein paar Anregungen mitnehmen. Wenn sie mögen, dann abonnieren und teilen sie doch gerne.
Außerdem freuen wir uns über eine positive Bewertung auf Apple Podcast oder den Portal ihrer Wahl. Auf Twitter sind wir erreichbar unter Corona Satz. Wir danken fürs Zuhören, bis zum nächst.