Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise – coronasoziologie.blog.wzb.eu

Transkript: Nicole Bögelein: Das Gefängnis und die Pandemie: Wie Corona die Inhaftierung marginalisierter Gruppen reduziert

ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.


Jan Gehrmann
Und damit herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Podcasts, zur soziologischen Perspektive auf die Korona Krise. Mein Name ist Jan Germa, ich bin studentischer Mitarbeiter im Institut für Soziologie der Element München und organisiere das digitale Kologium mit.
Am einunddreißigsten März zweitausendeinundzwanzig hielt Nicole Bögelein einen Vortrag mit dem Titel, das Gefängnis und die Pandemie wie Korona, die Inhaftierung marginalisierter Gruppen reduziert.
Bedingt durch die Pandemie, lässt sie eine Reduktion der Gefangenenzahlen erkennen, die sich vor allem auf das Aussetzen von Ersatzfreiheitsstrafen zurückführen lässt. Sie fokussiert in dem Vortrag daher auf die daraus entstehenden Folgen, vor allem für bestimmte marginalisierte Personengruppen.
Nicole Bögel ans wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kriminologie der Universität zu Köln. Und nun viel Spaß mit dem Vortrag.
Nicole Bögelein
Herzlichen Dank für die Einladung, für die nette Anmoderation und für die Gelegenheit meine Forschung in diesem Kreis zu präsentieren. Mein Vortragstitel behauptet ja, das marginalisierte Gruppen wegen der Pandemie seltener in Haft gelangen würden.
Und ich werde in den folgenden fünfzehn Minuten darlegen, warum das so ist.
Und damit auf der Kehrseite auch, dass in normalen Zeiten Gruppen von Menschen mit multiplen Problemlagen und Belastungen eben verstärkt den Risiko ausgesetzt sind, inhaftiert zu werden,
auch mal von vorne, warum sollte die Palme nie überhaupt Auswirkungen auf die gefangenen Zahlen haben?
Das Corona Virus ist ja bekanntlich dort besonders gefährlich, wo viele Personen auf engem Raum zusammenleben.
Und dieser Fakt macht Gefängnisse und eben zu Orten, an denen es besonders leichtes Spiel hätte. Viele Gefangene befinden sich dort auf engem Raum.
Und so war es dann auch so, dass in den Schreckmomenten ähm unter dem Eindruck der beginnenden Panimier im März zweitausendzwanzig äh es galt die Belegungszahlen in den Justizvollzugsanstalten ganz schnell und deutlich zu reduzieren.
Wie kann das gelingen? Einerseits durch Entlassungen, also Menschen, die schon da sind, rausschicken und andererseits durch weniger Neuaufnahmen.
Nochmal einen Schritt zurück, wie viele Menschen sind denn in normalen Zeiten überhaupt in Haft.
Es gibt unterschiedliche Gruppen von Gefangenen, ähm bestimmte Gruppen betrachte ich heute ausdrücklich nicht. Nämlich Untersuchungshaft gefangene diese Menschen noch gar nicht verurteilt.
Sicherungsverwahrte, die haben ihre Strafe abgesessen, sind aber zum Schutz der Bevölkerung inhaftiert und auch Jugendstrafgefangene lasse ich weg, weil für die ein anderes Gesetz des Jugendgerichtsgesetz gilt.
Ich fokussiere heute auf erwachsene Gefangene, die eine Freiheitsstrafe nach allgemeinem Strafrecht verbüßen und die Strafvollzugsstatistik weist einen Überblick ähm aus über die gefangenen Zahlen,
immer jährlich zum Stichtag einunddreißigster März.
In den letzten Jahren zweitausendfünfzehn bis zweitausendneunzehn waren.
Zu diesem Stichtag Ende März nie weniger als sechsundvierzigtausend Personen in Haft. Also erwachsene Freiheitsstrafen fangen,
Am Stichtag zum einunddreißigsten dritten zweitausendzwanzig, also der Loktown war gerade ganz frisch in Kraft, sehen wir, da waren's nur noch knapp zweiundvierzigtausend.
Um den Effekt der Panemie zu verdeutlichen, stelle ich ihnen nochmal die Zahlen für Februar zweitausendzwanzig als alles noch normal verlaufen ist,
Juni zweitausendzwanzig, als der Vollzug noch nicht wieder zu seinen alten Praktiken zurückgekehrt war gegenüber.
Die Anzahl der Gefangenen reduzierte sich in diesem Zeitraum von rund fünfundvierzigtausend im Februar auf rund achtunddreißigtausend im Juni zweitausendzwanzig.
Das entspricht einem Rückgang von rund fünfzehn Prozent.
Aber meine Behauptung ist ja immer noch sozial magimentsierte Gruppen weniger und wie kann man das jetzt feststellen, welchen Anteil sozial maginalisierte Gruppen ausmachen,
Dazu erkläre ich ihnen eine Sonderform der Freiheitsstrafe, nämlich die Ersatzfreiheitsstrafe.
Diese Strafform macht in normalen Zeiten rund neun bis zehn Prozent der Freiheitsstrafen gefangen aus.
Da die Strafen sehr kurz sind im Durchschnitt um die siebzig bis achtzig Tage sorgen sie für einen recht hohen Durchlauf in den Anstalten.
Seit zweitausendzwei gibt's leider keine offizielle Statistik mehr darüber, wie viele Zugänge zur Ersatzfreiheitsstrafe es jährlich gibt
Die letzte Zahl aus dem Jahr zweitausendzwei wies sechsundfünfzigtausend Fälle pro Jahr aus
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das wesentlich reduziert hätte. Also tatsächlich sorgen diese gefallenen Firmen sehr hohen Durchlauf, für einen rein und raus in den Anstalt.
Und eben diese genannte Rückgang der gefangenen Zahlen von fünfzehn Prozent, den ich ihnen gerade gezeigt habe beruht ganz wesentlich darauf, dass die Zahl der Gefangenen, die eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßt haben,
ganz stark gesenkt wurde. Und zwar um rund zweiundsiebzig Prozent. Die Zahl der anderen Gefangenen ist nur um rund neun Prozent zurückgegangen.
Aber was ist überhaupt eine Ersatzfreiheitsstrafe? Das ist möglicherweise gar nicht so bekannt,
Eine Ersatzfreiheitsstrafe ist die Folge einer nicht bezahlten Geldstrafe. Und ich spreche sie ganz kurz durch den Vollstreckungsweg, damit es so ein bisschen anschaulicher wird,
In Deutschland werden Geldstrafen nach dem Tagessatzsystem verhängt.
Und die Tagessatzanzahl spiegelt dabei die Schuld des Verurteilten wieder oder der Verurteilten.
Und der die Tagessatzhöhe ist ein dreißigstel des monatlichen Nettoeinkommens. Die Vollstreckung übernimmt die Staatsanwaltschaft.
Und wenn die Strafe einfach bezahlt wird, ist die Strafe getilgt und somit erledigt. Wenn eine Zahlung ausbleibt, wird zunächst einmal versucht, zu pfenden,
Wenn aber auch das nicht möglich ist, dann besteht zahlungsunfähigkeit und diese Zahlungsunfähigkeit ist Voraussetzung für die Ladung zur Ersatzfreiheitsstrafe.
Kann man dann auch atmen wenden durch gemeinnützige Arbeit. Ähm, wenn auch das nicht gelingt und das gelingt in den seltensten Fällen,
Dann gehen die Personen in Hass, hier in Deutschland tägt ein Tag in Hass einen Tagessatz. Im Anschluss ist die Geldstrafe getilgt, sie bleibt also nicht stehen.
Ähm auch in Haft kann man übrigens noch bezahlen, also Zahlung setzt einen jederzeit wieder frei.
Im März zweitausendzwanzig hat sich das Vorgehen jetzt dahingehend verändert, dass keine Ladung zum Strafantrieb mehr erfolgt ist. Die Straßen wurden aufgeschoben.
Und gelangen so eben nicht mehr in den Vollzüg.
Der Justizvollzug ist Ländersache und insofern können wir nicht von einem einheitlichen Vorgehen in ganz Deutschland, kann ich nicht von einem einheitlichen Vorgehen Deutschland berichten, sondern ähm die Bundesländer haben sich im Detail unterschiedlich verhal.
In der ersten Welle im März zweitausendzwanzig gab's zwei verschiedene Vorgehensweisen. Die eine Gruppe hat die Ladung ausgesetzt, also das heißt, es wurden keine neuen Ersatzfreiheitsstrafen, Gefangenen mehr in den Vollzug aufgenommen.
Und die zweite Gruppe hat das gemacht und zusätzlich noch den Vollzug ausgesetzt, beziehungsweise unterbrochen bei Personen, die schon in Haft waren,
Also hat die einfach nach Hause geschickt, um so nochmal einen zusätzlichen Platz in den Anständen zu schaffen. Im Sommer haben einige Länder die Ladung wieder aufgenommen,
Und Berlin ist übrigens das einzige Bundesland bisher, dass die Ersatzfreiheitsstrafen teilweise die Aufgeschobenen erlassen hat. Die anderen Bundesländer haben sie tatsächlich verschonen, das heißt, sie werden wie so eine Buchwelle ähm vom Vollzug jetzt hergeschrieben.
Stand März zweitausendeinundzwanzig, also jetzt ist es so, dass es in vielen Ländern wieder eine Aussetzung gibt, aktuell vollstrecken, beispielsweise nur Baden-Württemberg-Reihe, in Hessen, Niedersachsen.
Und ausgewählte DFS auch Rheinland-Pfalz in Sachsen-Anhal.
Die Zahlen, die offiziellen Statistiken zu vollzugaktuell nun verfügbar sind bis Juni zweitausendzwanzig fokussiere ich jetzt nochmal auf diesen Zeitraum.
Und obwohl die Bundesländer unterschiedlich vorgingen zeigt sich in allen ganz deutlichen Rückgang.
Ich habe eben hier in dieser Grafik gegenübergestellt der blaue orangene Balkon ist der Stand im Februar zweitausendzwanzig und der grau-rote Balkon ist der Stand im Juni zweitausendzwanzig.
In Nordrhein-Westfalen das traditionell auch aufgrund der Mängel der Bevölkerung ähm den größten Anteil an Verzugsvollzugspopulationen hat,
gingen die Zahlen der Ersatzfreiheitsstrafen gefangenen von rund tausendeinhundert, auf rund vierhundert zurück. In Bayern schon sechshundertfünfzig, auf zweihundertfünfzig in Mecklenburg-Vorpommern, von achtundsiebzig auf dreizehn,
Illustration. Und wieder zu meinem Thema sozial marginalisierte Gruppen.
Was ist also bekannt über diese Gruppe bei der ja und das schon Hinweise auf die soziale Marginalisierung Zahlungsunfähigkeit, letzten Endes der Haftgrund ist. Dazu gibt's Erkenntnisse aus verschiedenen Studien,
und da der Justizvollzug Ländersache ist, widmen die sich stets einzelnen Bundesländern oder Haftanstalten. Um jetzt eben zu sehen, um welche
Gruppe von Menschen es sich handelt, ähm, möchte ich Ihnen ein Beispiel geben. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen konnte ich die Daten zu allen Ersatzfreiheitsstrafengefangenen der Jahre zweitausendvierzehn bis siebzehn in Mecklenburg-Vorpommern analysieren,
Das Sampel umfasste rund zweitausenddreihundert Ersatzfreiheitsstrafen fangen.
Und eine Clusteranalyse begab vier typische in Anführungszeichen ähm Ersatzfreiheitsstrafen gefangen,
Das macht so ein bisschen deutlich wie die Gruppen ähm sich zusammensetzen.
Die erste Gruppe, die haben mir gezeichnet als persistenz straffällige mit Suchtproblemen. Hat elf vorherige Einträge im Bundeszentralregister, also äh vor Strafen elf Vorstrafen.
Achtzig Prozent dieser Gruppe zeigen Hinweise auf eine Suchtproblematik und bei ungefähr einem Drittel gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung.
Mehr als achtzig Prozent sind arbeitslos.
Und zudem ist jede beziehungsweise jeder sechste Obdachlos, der in diese Gruppe fehlt.
Die zweite Gruppe, die wenig auffälligen, erstinhaftierten, sind in den meisten Bereichen unauffällig. Sie haben die wenigsten Vorstrafen, drei von vier sind hier erstmals in Hass.
Mit einem Durchschnittsalter von einundvierzig Jahren sind die tatsächlich schon ersten Gefängnisaufenthalt vergleichsweise alt. In dieser Gruppe,
war zudem ein relativ, also immer relativ zur anderen Gruppe gesehen, hoher Anteil vor Haftantritt auch in Arbeit ähm fast. Ähm ja, nur fünfundsechzig Prozent Arbeitslosigkeit herrschte hier vor
Im Vergleich zu den anderen Gruppen ist in dieser Gruppe zwar der geringste Anteil Obdachloser zu verzeichnen.
Allerdings sind's trotzdem mit acht Prozent immer noch sehr viele.
Die Täterinnen und Täter mit Eigentumsdelikten und Suchtproblematik weisen meist an Eigentumsdelikt, als Anlass tat für die Geldstrafe aus.
Und auch bei den Vorstrafen finden sich hier sehr viele Eigentumsdelikte. Mit drei von vier Personen in dieser Gruppe besteht ein Suchtproblem.
Bei den wiederholt schwarzfahrenden war zu achtzig Prozent die Leistungserschleichung, also das Schwarzfahren anders für die Geldstrafe.
Neun von zehn Personen in dieser Gruppe weisen mindestens auf eine entsprechende Vorstrafe auf.
Auch hier gibt's wieder einen sehr hohen Anteil Obdachloser und arbeitsloser Menschen.
Vielleicht bleibt diese Quantitativbeschreibung noch ein bisschen abstrakt, deshalb möchte ich sie industrieren mit Erkenntnissen aus einer Studie, die wir in Nordrhein-Westfalen,
mit Personen geführt haben, die Zahlungsunfähige, Geldstrafenschulden waren und wir konnten da vierundvierzig qualitative Interviews führen und daraus drei typische Lebenslagen weg konstruieren.
Die in einer akut schwierigen Lebenslage waren, hatten vor kurzem noch ein geregeltes Leben und meist auch ein festes Arbeitserlebnis
Aber dann ist ein kritisches Lebensereignis eingetreten,
Und durch diesen durch diese Situation wurden sie sprichwörtlich aus der Bahn geworfen und so etwas wie Destilgen einer Straßen geriet in den Hintergrund.
Bei den Personen, ähm, deren Lebenslage wir als dauerhaft ungeordnet beschreiben.
Sie benennen ihre Alltagsstruktur mit Umhängen, ähm sie sind mehr als ein Jahr bereits arbeitslos.
Und haben oftmals auch ein langjähriges Suchtproblem.
Zu dem trat oft auch vor der Inhaftierung nochmal zusätzlich ein kritisches Lebensereignis auf. Bei demjenigen, der in Lage wir als Desolat beschreiben.
Ist im Prinzip die Situation die gleiche wie bei den dauerhaft ungeordneten Lebenssituationen. Zusätzlich sind die Betroffenen aber noch ohne festen Wohnsitz.
Und auch die Delikte geben uns nochmal einen Hinweis auf die prekären Lebensbedingungen derjenigen, die ihre Geldstrafe durch eine Ersatzfallstrafe tilgen.
Rund vierundfünfzig Prozent der in Nordrhein-Westfalen im Jahr zweitausendsiebzehn inhaftierten
Gefangenen, die eine Ersatzfahrtstrafe verbüßt haben, hatten ein Eigentumsdelikt, dreißig Prozent oder Schwarzfahren, vierundzwanzig Prozent als Anlass gelegt.
Das ist insofern übrigens kein Zufall, als es bei bestimmten Delikten eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, eine Ersatzfreiheitsstrafe zu verbüßen.
Die Auswertung aller getilten Geldstrafen in Nordrhein-Westfalen bin ich in einem Projekt gemeinsam mit Kollegen durchführen konnte
hatten wir alle Geldstrafen, die in den Jahren zweitausendzehn bis zweitausendzwölf in Nordrhein-Westfalen getilgt wurden, also wirklich alle, die Grundgesamtheit äh Daten darüber vorliegen und das zeigte uns.
Rund jede oder jeder zwölfte verurteilte zumindest teilweise eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten muss. Ähm.
Und es hat sich gezeigt, dass die Gefahr für diejenigen, die am höchsten ist.
Die aufgrund von Leistungserschleichen verurteilt waren, also wieder das Schwarzfahren. Mehr als jede beziehungsweise jeder siebte ging deine Haf.
Darauf folgten dann Personen, die wegen eines Vermögensdeliktes verurteilt waren und diese klassischen Armutsdelikte werden eben klassischerweise von Personen begangen, äh die wenig Geld haben.
Zum Vergleich nochmal bei von denjenigen, die eine Geldstrafe aufgrund eines Verstoßes gegen die Abgabenordnung oder eines Steuerdeliktes erhalten haben, verbüßte nur etwa wie der dreiundvierzigste Person. Zumindest teilweise in Haft.
Man könnte hier davon sprechen, da ist ja Zugang zu finanziellen Ressourcen notwendig, also möglicherweise kann man's als Reichtumsdelikt bezeichnen.
Wenn wir jetzt noch einen Schritt weitergehen und uns ansehen, wie ist es bei denjenigen, die in Haft kommen, da besteht ja weiterhin die Möglichkeit, dass sie bezahlen. Also die Geldstrafe kann durch Zahlung jederzeit getickt und die hast beendet werden.
Aber wie oft gelingt denn das? Hat auch hier nochmal die soziale Marginalisierung eine Bedeutung, ähm gibt's da signifikante Unterschiede.
Ja, die gibt es. Ich konnte mit Kolleginnen die Daten von einerseits Freiheitsstrafen für Büchenden ähm der Justizvollzugsanstalt Köln aus den Jahren zweitausendsiebzehn bis neunzehn analysieren
knapp dreitausendvierhundertzehn. Und da haben sich signifikante Unterschiede gezeigt. Während zu uns überraschend die Tagessatzanzahl keinen signifikanten Unterschied gemacht hat
galt das für Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Delikt schon. Die Auslösung gelingt tatsächlich Männern seltener als Frauen.
Sie gelingt solchen Gefangenen, die die Geldstrafe wegen Eigentumsdelikten erhalten haben, seltener als solchen, die sie wegen Straßenverkehrsdelikten oder Büro äh Betrug erhalten haben.
Und sie gelingt nicht deutschen Staatsangehörigen seltener als Menschen, äh die eine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Ja.
Und was bedeutet das jetzt alles, dass diese doch sozial marginalisierte Gruppe nicht mehr in Hass kommt. Zunächst mal würde man ja sagen
Ja, ist doch gut. Ähm also nicht in Haft sein ist nicht in Haft sein, es ist doch positiv
Das würde ich grundsätzlich äh dem würde ich vollkommen zustimmen. Allerdings ist es ja ähm so, dass die Hass eben aufgeschoben ist. Sie ist nicht.
Erlassen per se oder es ist auch nicht zu erwarten, dass es einen Erlass gibt. Das heißt, die Menschen haben so ein Damoklesschwert über sich und.
Warten letztlich auf eine Inhaftierung. Über solche Phasen des Wartens auf eine so ja einschneidende Situation,
wissen wir aus einer Studie aus Norwegen, wo es ganz üblich ist, dass auch normale Freiheitsstrafen gefangene
einige Wochen bis Monate warten bis sie ihre Haft antreten können dass das eine enorme psychische Belastung für die Betroffenen ist eben
von all dem, wie man sich so im Gefängnis ausmalt, ähm von all den Ängsten, die damit einhergehen, Sorge vor Gewalt, Sorge, Sorge, vor allem Möglichen, auch vor dem Automomieverlust ähm,
führen nicht zuletzt dadurch, dass in der Zeit, in der man noch draußen ist, wichtige Lebensaufgaben aufgeschoben werden,
und es nicht zu einer richtigen ähm ja zum Umgang mit aktuellen anstehenden Problemen kommt.
Vielleicht stellen sie sich die Frage, na ja, jetzt haben die ja Zeit gewonnen und müssen ja letztlich nur Geld bezahlen. Die könnten ja jetzt auch die Zeit nutzen die Betroffenen und sagen ja dann spare ich jetzt das Geld und äh
überweise den Betrag, aber ich denke, dass die Daten, die ich Ihnen vorgestellt habe
deutlich gemacht haben, dass Geld hier eben nicht etwas ist, was im Überfluss vorhanden ist. Deshalb wir können es nicht wissen, da müssen wir abwarten, wie es wie das ausfallen wird, aber meine Vermutung wäre, dass ein eine Zahlung jetzt ähm eher selten gelingen wird
In den meisten Fällen die Menschen eben einfach später der Satzstrafe antreten. Ich danke ihnen ganz herzlich für ihre Aufmerksamkeit und freue mich jetzt sehr auf die Diskussion mit ihnen.
Jan Gehrmann
Vielen Dank für den spannenden Vortrag und es zeigt sich auch mal wieder, ähm wie wichtig und notwendig auch der Blick in andere Disziplinen ist. Das habe ich zur Moderation gar nicht gesagt, hätte man vorausschicken sollen, äh dass wir heute wieder eine unterrepräsentierte, rechtswissenschaftliche Perspektive hatten
Ich würde anfangen zurückfragen zur Ersatzfreiheitsstrafe. Sie hatten das jetzt schon sehr schön problematisiert auch im diese Strafaussetzung,
Inwieweit werden denn auch in der Rechtswissenschaftlichen Diskussion oder auch in der politischen Diskussion auf die Folgen fokussiert, die sie auch genannt hatten? Also auch die Langzeitfolgen, sowohl für die inhaftierten, als auch für das Justizsystem.
Nicole Bögelein
Sie meinen es die Folgen der Aussetzung? Die sind im Moment noch, ja, also das ähm,
Das wird so ein bisschen verschwiegen ehrlich gesagt. Also im Moment habe ich den Eindruck, da gibt's stärk. Es gibt einfach ja eine sehr hohe
Arbeitsdichte auch durch die Panemie und die akuten Pandemie folgen und die fragen, welche Folgen hat das denn für Menschen, dass sie jetzt so ein, sowas ja vor der Brust haben, auf das sie warten müssen, mit dem die möglicherweise auch ja
mit Angst umzugehen haben
äh dadurch vielleicht andere psychische Erkrankungen auch nochmal zum Vorschein kriegen. Ähm dazu gibt's tatsächlich keine weiteren.
Diskussionen, von denen ich zumindest mitbekomme, ähm in Berlin hat man diese Annahme, aber ich.
Würde jetzt behaupten, also ich kenne natürlich nicht die Diskussion, die dort äh in der Senatsverwaltung geführt wurde, aber ich vermute, dass die ähm die.
Das Erlassen der Ersatzfreiheitsstrafen dort eher aus dem Grundgeschehen ist, als man eben das faktische administrative Problem gesehen hat. Nämlich ähm ja wenn hier.
Ohnehin, die Plätze sind in der Regel gut belegt, die Anstalten sind mit rund neunzig Prozent ausgelastet in normalen ähm Phasen, in denen keine Pandolie herrscht und dann eben zu wissen, man hat so eine gut Wende, die man vor sich herschiebt, von Gefangenen, die noch in die Anstalten aufgenommen werden müssen
vermutlich eher administrative Gründe gehabt das hier aufzuschieben und das ist auch so ein Punkt
vielleicht vermuten würde, dass er das ein Argument ist, dass die Politik ähm irgendwann zum Überlegen bringt, also das ist die Gründe, ähm ja, diese humanitären Folgen sind.
Jan Gehrmann
Der klassische Fehler. Ähm genau also auch die Problematisierung von Ersatzfreiheitsstrafen ähm gibt es denn, also wie sie jetzt gerade schon angezeigt haben, sind es auch zusätzlicher Aufwand, zusätzliche Kosten, die quasi jetzt durch diese Strafaussetzung ähm
vollzogen werden oder dann geschehen.
Alternativen zur Ersatzfreiheitsstrafen für marinalisierte Gruppen in anderen Ländern, also sie hatten eben auch schon auf die Studie aus Norwegen ähm hingewiesen.
Nicole Bögelein
Ähm es gibt äh unterschiedliche Vorgehensweisen bei den Ersatzfallstrafen. Also in anderen Ländern
ist es so, dass beispielsweise in Spanien und Österreich, da werden zwei beziehungsweise drei Tagessätze getickt durch einen Tag in Hass. Das heißt, da ist einfach schon.
Die die Länge nochmal verkürzt und dadurch auch die Belastung im Vollzug. Ähm, es gibt in Deutschland ja zumindest die Möglichkeit durch gemeinnützige Arbeit
allerdings, ich hab ihn auch die hohe Suchtproblematik der Betroffenen geschrieben und das kommt dem Ganzen häufig
in die Quere, weil es natürlich sehr schwierig ist, wo man ähm ja, wenn man so psychisch sehr labil aufgestellt ist, dann wirklich ganz strukturiert so einen fünf Tage Arbeitstag äh bei einer, beim Roten Kreuz oder an ähnlichen Stellen abzuleisten. Ähm in Schweden beispielsweise ist es so, dass die Ersatzfreiheitsstrafe nur noch durchgeführt wird
tatsächlich Zahlungsunwilligkeit und nicht wie bei uns Zahlungsunfähigkeiten steht, ähm, da waren in den letzten Jahren dann auch immer nur
um die zehn Personen inhaftiert. Ähm, allerdings hat sich hier das Gesetz, also in Schweden des Gesetz geändert zum ersten ersten zweitausendeinundzwanzig und da will man das auch nochmal ein bisschen verstärken, was das für Folgen hat, weiß ich nicht.
Jan Gehrmann
Dann eine Frage, die da jetzt wunderbar dazu passt, die mich zur Resozialisierung äh von inhaftierten Gruppen. Ähm gerade,
den vorherrschenden Typen, wie sie sie genannt haben würde man ja quasi sofort eigentlich auch.
Denken oder vermuten wollen, dass es da jetztozialisierungsprogramm oder ähnliches gibt. Wie werden denn diese eigentlich äh bewerkstelligt oder welchen Einfluss haben die auf die ganze Situation.
Nicole Bögelein
Also tatsächlich ist da,
Das ist ein Argument, was man auch manchmal für die, also in Diskussionen, es gibt durchaus politische Diskussionen, in Beibehaltung oder Abschätzung der Ersatzfreiheitsstreifen und das Pro-Argument ist, dann na ja
Menschen, wir sehen ja wie schlecht es denen geht, ist doch gut, wenn die dann bei uns im Vollzug endlich mal Unterstützung kriegen und äh aufgefangen werden. Das Gegenargument ist dann, dass man sagt, naja, dann hat aber das soziale Netz sehr große Löcher
wenn es erst dann greift, wenn jemand in Haft ist, was eigentlich die Ultimaration in unserem Rechtsstaat ist. Ähm,
bei der Geldstrafen, also bei der Ersatzfreiheitsstrafe ist tatsächlich das Hassziel ja nicht die Resozialisierung, sondern hier ist das Haftziel einfach nur die Tilgung des Betrags. Ähm, faktisch ist es so, dass Gefangene, wenn sie mit denen sprechen, ähm.
Die eben akut sucht belastet waren vor der Inhaftierung, ähm sich durch die Inhaftierung.
Gut erholen können körperlich teilweise allerdings, dann sind die.
Haftstrafen doch relativ kurz, siebzig bis achtzig Tage im Durchschnitt, also die Ersatzfreiheitsstraßen äh Tage und dadurch ist es häufig fast unmöglich in dieser Zeit einen Therapieplatz direkt im Anschluss zu schaffen,
dass man hier wirklich von einem positiven Effekt nicht ausgehen kann. Im Gegenteil diejenigen, die noch.
Eine Wohnung hatten oder eine Arbeitsstelle müssen davon ausgehen, dass auch eben das gefährdet wird, weil beispielsweise auch die ähm ALG zwei Leistungen oder ähnliches eingestellt werden für die Zeit der Inhaftierung.
Jan Gehrmann
Und gibt es dann äh diesbezüglich auch Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Inhaftierten? Ähm gerade bei den marginalisierten Gruppen.
Nicole Bögelein
Also da genau, wir haben uns nicht dezidiert, es gibt sehr wenige weibliche Gefangen ja ohnehin, die sind nur ungefähr fünf Prozent der Vollzugspropolationen sind weiblich,
Wenn man sich diese fünf Prozent anguckt, dann ist von denen im Vergleich zum Erwachsenen äh zu Männervollzug äh der Anteil von Ersatzfreiheitsstrafen gefangenen
im Frauenschulzug größer. Ähm, ich, wir konnten zeigen in der JVA Köln, dass es Frauen ehr gelangt, sich auszulösen, ähm,
was das jetzt aber wirklich nur so hören sagen, also die Justizpraktikerinnen und Praktiker sagen, dass die Frauen in Ersatzfreiheitsstreife nochmal stärker
sucht belastet sind, als die Männer in Ersatzfreiheit strafen, aber das ist eben tatsächlich anekdotische Evidenz, da gibt's keine vergleichenden Studien, ähm, ja
nur dieser positive Aspekt, dass sie möglicherweise es tatsächlich durch mehr soziale Unterstützung schaffen, sich früher auszu oder überhaupt sich auszulösen aus der Haft.
Jan Gehrmann
Dann vielleicht noch ein paar methodische Fragen und auch äh zu ihren Interviews, die sie geführt haben. Mhm. Wie haben sie denn die Teilnehmer in Record rekrutiert und wie war auch die Resonanz aus dem Feld, dass sie äh so eine Studie durchführen.
Nicole Bögelein
Ähm diese Studie, in der wir die äh Interviews geführt haben, äh die war beauftragt vom Justizministerium Nordrhein-Westfalen,
Das ist natürlich dann ein schöner Türöffner, wenn sie sagen, hier ihr Dienstherr hat uns äh
beten, wir möchten Interviews führen, das heißt wir hatten sehr leichten Zugang zu den Haftanstalten und haben von dort da wurden dann Zettel ausgehängt, Flyer verteilt, ähm, et cetera, also die möglich, das war übrigens natürlich alles
eine ganze Weile vor Corona, da hatten mit solchen Problemen nicht zu kämpfen. Ähm insofern gelang uns da der Zugang sehr sehr gut und die Resonanz der Befragten war auch sehr positiv, weil die wirklich das Gefühl hatten, sie werden mal gehört und sie können ihre Stimmen da ähm auch mal teilen und mal sagen, wie's ihnen tatsächlich
ergangen ist.
Jan Gehrmann
Äh noch eine Frage wieder der Vergleich zu anderen Ländern. Gibt es denn bezüglich der Strafaussetzung oder auch der Gestaltung der Inhaftierung während der Panemie auch für andere Länder, wie gehen die damit um?
Nicole Bögelein
Ja, da gibt es ähnliche, also zumindest im im Gesamtvollzug, da gibt es ähnliche Ansätze eben zu sagen, man setzt auch die Ladung aus, man setzt auch die
die Inhaftierungszahlen aus, ähm, auch in Deutschland, ich hab jetzt nur für die Ersatzfreistrafe gesprochen, aber auch hier wurde beispielsweise die Ladung für Freiheitsstrafen je nach Bundesland
entweder bis maximal sechs Monate oder bis maximal acht, zehn Monate ausgesetzt. Ähm es wurden auch teilweise Menschen, die sich äh die eine entsprechende Freiheitsstrafe hatten und schon einen bestimmten Teil verbüßt hatten, wieder auf freien Fuß gesetzt.
Dabei gab es immer Ausnahmen, bestimmte Delikte, Gewaltdelikte, Missbrauchsdelikte wurden ausgenommen. Ähm so ähnlich machen das auch andere
Vollzüge in anderen Ländern. Ähm tatsächlich gibt's eine positive Sache zu vermelden. In Deutschland scheint man relativ
Auch in der Schweiz übrigens ist es ähnlich, also da gibt's auch ähnliche Aussetzungsmaßnahmen. Ähm in Deutschland scheint der Vollzug relativ gut mit der über durch gefrorene Paar Minuten zu kommen. Es gibt sehr geringe Infektionszahlen
bisher
zumindest stand der Berichte und Daten, die ich kenne, gibt es kein Todesfall in Justizvollzugsanstalten im europäischen Ausland sieht das anders aus, in England und Uelles beispielsweise sind's inzwisch.
Hundertsiebenundzwanzig Todesfälle, ähm, die sich über die Palme.
Jan Gehrmann
Das war der Vortrag, den Nicole Bögelein in unserem digitalen Kologium am einunddreißigsten März zweitausendeinundzwanzig gehalten hat. Wir hoffen, sie konnten ein paar Anregungen mitn.
Wenn Sie mögen, dann abonnieren, teilen Sie doch gern im Podcast. Wir freuen uns außerdem über eine positive Bewertung auf Apple Podcasts oder dem Portal Ihrer Wahl. Auf Twitter sind wir erreichbar unter Corona Satz. Wir danken für.