Freue mich hier die Gelegenheit zu haben erste Ergebnisse aus unserem Projekt teilen zu können, beziehungsweise
sind es äh schon etwas ältere Ergebnisse aus dem qualitativen Teil und wirklich erste Ergebnisse aus einem,
quantitativen Serviette. Die Präsentation trägt heute den Titel Betreuer innen an der Grenze. Das transnationale Pflegesystem in der Pandemie.
Das, was ich vorstelle, ist Arbeit, die ich zusammen mit meinen Co-Autorinnen Susanne Batik, Mattes Herpel, Magdalena und Theresa Schwarz erarbeitet habe.
Ich sage kurz etwas zum Hintergrund. Sie hatten es in der Anmoderation ja schon gesagt. Etwa sechsundsiebzig Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt. So viel Züge jeder kennt das vielleicht. Also es sind wirklich viele.
Gleichzeitig ist es so, dass aufgrund des demographischen Wandels ähm die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während das familiäre Betreuungspotential tendenziell eher abnimmt. Hier entsteht eine gewisse Versorgungslücke,
in letzter Zeit äh immer mehr auch durch sogenannte Kernmigration äh geschlossen wird.
Was meinen wir mit Kernmigration? Dies sind schätzungsweise. Also wir wissen wirklich wenig, aber es sind schätzungsweise fünfhunderttausend bis siebenhunderttausend Mittel und osteuropäische Betreuer in.
Die ältere Menschen in Deutschen Privathaushalten betreuen.
Ich sage, betreuen, weil es hier nicht nur um oder eher nicht um medizinische Pflege geht, sondern wirklich um so die Betreuung im Alltag.
Diese Betreuerinnen leben häufig zusammen mit den zu betreuenden Personen in einem Haushalt. Das ist die sogenannte Modell.
Und sie arbeiten in einem transnationalen Rotationssystem.
Das bedeutet, sie sind für eine gewisse Zeit, zum Beispiel sechs Wochen in Deutschland, arbeiten dort als Betreuerin
und gehen dann wieder in ihr Heimatland zurück und werden abgelöst von einer anderen Betreuerin, die dazu extra für extra nach Deutschland gekommen ist.
Wir haben uns jetzt gefragt, ähm wie hat dieses System eigentlich,
während der Corona-Pandemie und jetzt in unserem Fall während der ersten Welle funktioniert oder nicht funktioniert. Ganz konkret haben wir uns dafür den Effekt der Reiseabbeschränkungen ähm interessiert. Es war nämlich so,
dass zwischen dem fünfzehnten dritten und dem fünfzehnten Sechsten zwanzig zwanzig die Grenzen zwischen Polen und Deutschland weitestgehend geschlossen waren und dass äh,
ist hier wichtig, weil eben ein großer Teil dieser Betreuerin aus Polen kommt. Und weil wir uns eben auf diese spezifische Grenzschließung ähm auch konzentrieren wollten,
auf polnische BetreuerInnen, die in Polen leben, aber in Deutschland arbeiten.
Wir sind nicht die einzigen, äh die daran gedacht haben. Es gab zu dem Zeitpunkt relativ viel Medienaufmerksamkeit, dass äh.
Wonach Pflegerin nicht oder Betreuerin nicht einreisen konnten oder abgereist sind und sich die Familien gefragt haben, wer betreut jetzt ähm eigentlich unsere älteren Familienangehörigen, besonders in einer Zeit, wo soziale Kontakte.
Eh schwer waren. Wir haben wir sind dann in.
Zwei Strängen äh vorgegangen. Wir haben zum einen qualitative Interviews äh direkt äh geführt,
und haben eine quantitative Onlinebefragung vorbereitet. Für diese qualitativen Interviews haben wir zunächst so semi-strukturierte Interviews mit Expertinnen in Polen und Deutschland geführt.
Und haben dann äh relativ intensiv Agenturen recherchiert, die polnische Betreuungskräfte an deutsche Privathaushalte äh vermitteln und haben aus dieser kleinen Datenbank, die wir aufgebaut haben, dann per Zufallsauswahl.
Ähm dreißig Vertreterinnen von Vermittlungs- und Entsenderagenturen ähm qualitativ befragt. Insgesamt.
Hatten wir in unserer Datenbank knapp zweihundert Agenturen in Polen und zweihundertsechs Agenturen in Deutschland.
Die Ergebnisse ganz knapp zusammengefasst aus dieser qualitativen Befragung war, dass,
ist schon eine äh deutliche Herausforderung war diese transnationale Mobilität zwischen Polen und Deutschland aufrechtzuerhalten, dadurch, dass sozusagen es kein Linienverkehr mehr über die Grenze gab, wurde da,
zu so Kniffen gegriffen, wie das Betreuerinnen bis an die Grenze gefahren wurden, die dann äh zu Fuß überqueren konnten und auf der anderen Seite wieder abgeholt wurden. Also da gab es verschiedene Arrangements.
Weiter haben sich die Agenturen damit beschäftigt, Informationen, aber auch äh Material zur Hygiene bereitzustellen, sogenannte Hygienesets.
Und sie mussten einfach viel.
Vertrauensarbeit mit Kundinnen, aber auch Betreuungskräften leisten und ähm darüber sprechen, wie sicher es ist oder auch nicht sicher es ist, jetzt weiter zu arbeiten.
Ähm wie in vielen anderen Bereichen hat die Pandemie hier auch verschiedene Probleme, noch mal geschärft dargestellt
Und das war in diesem Fall insbesondere die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Es gab aus Deutschland eine sehr große Nachfrage nach Betreuerin, äh die durch das Angebot nicht vollständig gedeckt werden konnte. Also die Agenturen haben während der Pandemie,
auch nochmal verstärkt versucht Betreuer anzuwerben, weil einfach in Deutschland der Bedarf so groß war, was sicherlich auch daran lag, dass in Deutschland.
In der Zeit der ersten Welle eigentlich es kaum möglich war, jemanden neu in einem Pflegeheim unterzubringen.
Weiter hat sich gezeigt, dass es ein Mangel an gesetzlicher Regulierung gibt, der eben vielleicht das System flexibel hält.
Aber auch zu verschiedenen Problemen führt. Was immer wieder als positiver Effekt genannt wurde, war, dass diese Problemlage allerdings zu einer verstärkten Vernetzung.
Und Kooperation unter den Agenturen geführt hat.
So, jetzt komme ich zu dem eigentlichen Teil, denn das sind neue Ergebnisse, das sind die Ergebnisse der K wie Befragung, also Computer, Webinterviews, man kann's auch einfach online Service nennen, also eine Online-Service, polnischer Betreuungskräfte in Deutschland,
Dabei ist wichtig, sie mussten sich zum Befragungszeitpunkt nicht in Deutschland auch ähm halten, aber innerhalb des letzten Jahres in Deutschland gearbeitet haben.
Was wir zunächst versucht haben, war äh ein Webbase-Responderdriven Sample. Die Idee dahinter ist, dass man mit einer Handvoll
Respondence anfängt, die dann strukturiert und nachverfolgbar,
weitere Serverteilnehmerin einlei einladen, die dann wiederum weitere Serviceteilnehmerin einladen. Ähm.
Und das Ziel ist es lange, nachverfolgbare Rekrutierungsketten zu haben. Ähm unter gewissen Annahmen lassen sich die Antworten dann gewichten und es lassen sich repräsentative Mittelwerte schätzen.
Dafür haben wir einen Online-Service aufgesetzt, haben eine Intentivierung durch eine Lotterie,
aufgesetzt und haben ein eigenes kleines Programm geschrieben, was die Weiterleitung des Service per E-Mail erleichtert. Und sind damit im Oktober zwanzig zwanzig ins Feld gegangen.
Problem war, diese Weiterleitung per E-Mail wurde kaum genutzt.
Nachdem wir dann etwas abgewartet haben, ob sich das noch vielleicht noch verbessert, haben wir das Sample irgendwann geöffnet und einfach versucht, möglichst viele,
Menschen zu rekrutieren, wobei wir aber immer noch diese Möglichkeit zur Weiterleitung beibehalten haben und sogar nochmal vereinfacht gemacht haben. Wir haben, weil wir durch Vorstudien wussten, dass äh insbesondere die Mobilität viel auf Facebook organisiert wird,
stark über Facebook rekrutiert, zunächst über Facebook Gruppen.
Und haben dann aber im Januar auch wirklich Werbung auf Facebook geschaltet. So haben wir bis zum achtundzwanzigsten zweiten rekrutiert und haben jetzt insgesamt gut fünfhundert Antworten, wovon dann aber nur zweihundertneunundsiebzig vollständig sind.
Ähm die kommen ja, zu großen Teilen aus der Facebook-Werbung, also hundertsechsundvierzig haben wir per Facebook Werbung bekommen, vierundsiebzig über Facebook Gruppen, vierzig über Weiterleitung und neunzehn aus anderen Quellen.
Die Befragten sind zu dreiundneunzig Prozent Frau und im Mitte sechsundfünfzig Jahre alt. Damit also diese Kennzahlen passen sehr gut zu Daten, die wir,
aus der Literatur kennen. Es gab ähm es gibt einige andere Autorinnen, die auch schon ähnliche Befragungen gemacht haben, jetzt nicht direkt während der Pandemie, aber vorher
Auch die haben mit der Repräsentativität zu kämpfen, aber die haben was, die Geschlechter und die Altersverteilung angeht, ähnliche Zahlen wie wir.
Was wir erstmal als gut ansehen, denn das bedeutet entweder, dass wir alle den gleichen Bayers haben oder nicht ganz so verzerrt sind.
Ähm was ein bisschen merkwürdig ist.
Ist, dass äh fast neunzig Prozent unserer Befragten, also zweihundertfünfzig in absoluten Zahlen, angeben einen schriftlichen Arbeitsvertrag äh zu haben, zweihundertvier davon mit einer polnischen Agentur,
allerdings fast die gleiche Anzahl, nämlich zweihundertvierzig Befragte sagen, dass sie zeitweise auch vor Durchbetreuer in ohne Vertrag vertreten werden,
Das wirft die Frage auf, ob wir diese Betreuer in die ohne Vertrag arbeiten, einfach nicht in unserem Sample haben.
Oder ob beides auf eine Person zutreffen kann. Also ob es Personen gibt, die mal mit Vertrag arbeiten und mal ohne Vertrag. Das wissen wir letztlich nicht.
Ich sag Ihnen das jetzt nur, damit Sie so ein bisschen eine Idee haben, wen wir da befragt haben, denn.
Die Zahlen sind nicht repräsentativ. Ähm alle Aussagen, die ich jetzt hier treffe, gelten erstmal nur für diese knapp zweihundertachtzig Personen.
Wir können uns sicher sein, dass alles was wir hier oder wir können uns unter gewissen anderen sicher sein, dass alles was wir hier sehen auf jeden Fall so auch im Feld,
vorliegt, also es sind sozusagen Mindestwerte, die ich ihnen erzähle, ob die ähm Anteilswerte wirklich so auch auf die Grundgesamtheit zu treffen, das können wir so nicht sagen.
Aber was wissen wir denn über diese zweihundertachtzig Personen? Wir haben nach den Aufgaben gefragt.
Hier sehen wir eigentlich keine großen Überraschungen. Hauswirtschaft, Mobilität und Freizeitgestaltung,
gehören zu den Hauptaufgaben, in den meisten Fällen auf die Ernährung und Körperpflege. Etwas interessanter ist, dass auch ein nicht ganz irrelevanter Teil für die medizinische Versorgung,
zuständig ist. Das.
Fängt so bei Blutdruckmessung an. Ähm das ist spannend, da die meisten Betreuerin keine entsprechende Ausbildung haben und diese Aufgaben in Deutschland eigentlich ähm.
Aufgaben von geschulten PflegerInnen sind. Also es ist.
Wirkt hier so, als würden auch sozusagen gewisse Aufgaben an diese eher ungeschulten Betreuerin ausgelagert, die eigentlich durch Fachpersonal erledigt werden müssen. Allerdings ist das jetzt nicht weit verbreitet, es kommt aber vor.
Wir haben nach Freizeit- und Arbeitszeit gefragt. Äh es gibt hier eine gewisse Streuung.
Aber insgesamt kann man sagen, dass die meisten Betreuerin zwischen acht und zwölf Stunden täglich arbeiten und die allermeisten geben an, täglich zwei Stunden Freizeit zu haben.
Ähm.
Nach der Arbeitszeit gefragt haben, haben wir dann auch nach dem Einkommen gefragt. Und hier sehen wir auch recht deutlich und auch das passt zu dem, was wir aus
vorherigen Studienwissen
dass das monatliche Nettoeinkommen der meisten Betreuerin irgendwo zwischen tausendzweihundert und tausendsechshundert Euro liegt. Es gibt Ausreißer nach unten und oben.
Aber da liegt wirklich der große Teil der Befrag.
Wir können das jetzt äh mal mit der Arbeitszeit zusammenbringen und gucken, ob die Betreuer in die Mehr arbeiten, auch mehr verdienen,
und zumindest in unserem Simple ist das eindeutig nicht so, äh ganz im Gegenteil, wir sehen hier eher einen negativen Zusammenhang, also dass die, die,
wirklich lange Arbeitsstunden haben, auch die sind die eher im Monat wenig verdienen.
Wir können die Angaben zur täglichen Arbeitszeit und zur monatlichen Einkommen auch nutzen, um Schätzwerte äh für den Stundenlohn zu entwickeln. Ähm.
Was wir gemacht haben ist, wir haben das simuliert. Also wir haben aus diesen Einkommensintervallen Zufallszahlen genommen ähm dann gewisse Annahmen darüber getroffen und die auch variiert, wie viele Tage im Monat gearbeitet wird,
und die tägliche Arbeitszeit genommen und dann fünftausend Simulationen laufen lassen über den Netto-Stundenlohn.
Und mit einer gewissen Streuung ähm kommen wir hier auf einen mittleren Nettostundenverdienst von sechs Euro siebzig.
Ähm und fünfundneunzig Prozent der simulierten Werte liegen zwischen zwei Euro zwanzig die Stunde und fünfzehn Euro dreißig die Stunde. Interessant ist dabei, dass selbst der hohe Schätzwert von fünfzehn Euro dreißig die Stunde,
und dort unter dem geschätzten, mittleren ähm Nettostundenverdienst in Deutschland, der irgendwo bei achtzehn Euro liegt. Ähm.
Dass selbst der hohe Scherz auch schon fünfzehn Euro noch darunter liegt. Was wir außerdem gemacht haben, ist, wir haben,
statt der im Service angegebenen täglichen Arbeitszeit einfach mal die Arbeitszeit auf acht Stunden fixiert
und dann die Simulation nochmal laufen lassen, um sozusagen vielleicht so was wie ein vertraglichen Stundenlohn unter der Annahme ins acht Stunden Arbeitstages ähm.
Rauszufinden. Und da kommen wir dann auf einen mittleren Stundenlohn von acht Euro fünf.
Was deutlich näher an dem Mindestlohn von äh.
Etwas mehr als neun Euro die Stunde liegt.
Wie hat sich das jetzt durch die Corona-Pandemie verändert? Wir haben gefragt, wie haben sich äh einkommen Freizeit und Arbeitszeit,
im Zeitraum der Reisebegrenzung, also zwischen dem fünfzehnten März und dem fünfzehnten Juni zwanzig zwanzig verändert.
Und das erstaunliche ist, dass die allermeisten sagen, es hat sich nichts verändert.
Es gibt Ausreißer, die sagen, Einkommen, Freizeit oder Arbeitszeit haben sich erhöht oder sind niedriger geworden, alle aber die allermeisten sagen.
Dass sich da nichts verändert hat. Weiter haben wir gefragt nach dem Reiseverhalten.
Ähm und wir haben das jetzt mal gruppiert in in Deutschland geblieben, in Polen geblieben, aus Deutschland abgereist, aus Polen abgereist und wir sehen das sehr viele in Deutschland geblieben sind.
Und sich das andere dann relativ gleich verteilt, was auffällig ist
ist, dass diejenigen ohne Arbeitsvertrag, auch wenn wir von denen nicht so viele haben, aber dass dort nicht die meisten in Deutschland geblieben sind, sondern unter den ohne Arbeitsvertrag sind, dann doch die meisten in Polen geblieben. Das heißt, die mit Vertrag gearbeitet haben, waren eher mobil,
Das muss aber, wie gesagt, angesichts der niedrigen Zahlen sehr vorsichtig interpretiert werden. Auch nach den Gründen für das Reiseverhalten gefragt.
Und wenn wir uns hier die,
Orangen und roten Balken angucken, dann sind das quasi die, die in Deutschland geblieben sind oder aus Polen nach Deutschland gereist sind. Und dort sind werden die Hauptgründe für dieses Reiseverhalten sind eigentlich die größere Sicherheit,
in dem jeweiligen Land und die Angst vor Einkommensverlusten. Wohingegen werden wir uns ansehen, wer in Polen geblieben ist oder aus Deutschland abgereist ist. Dort wird insbesondere,
genannt, dass sie gerne bei ihrer Familie sein wollten oder dass es sich tatsächlich um eine reguläre Abreise gehandelt hat.
Komme zum Schluss. Ähm unser Fazit derzeit ist, dass diese transnationale, nahe organisierte Pflege in Deutschland ist weiterhin ein rechtlicher Graubereich, der durch lange Arbeitszeiten und niedrige Löhne gekennzeichnet ist.
Grundsätzlich werden Mindestlohnregelungen wahrscheinlich eingehalten.
Die entsprechenden Arbeitszeiten jedoch nicht. Also es wird sozusagen auf dem Papier Mindestlohn gezahlt, es wird allerdings länger gearbeitet. Dieses System wurde durch die Pandemie herausgefordert, aber nicht unterbrochen oder wesentlich geändert. Was,
wenn wir sozusagen die ersten beiden Punkte des Fazits sehen, eventuell auch schade ist, weil diese Krise auf jeden Fall kein Anlass war bislang, dass sich irgendwas grundsätzlich an diesem System,
ändert und wir denken, dass Änderungen hier doch auch notwendig wären, da die Arbeitsverhältnisse dieser Betreuerin auf jeden Fall nicht optimal sind.