Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise – coronasoziologie.blog.wzb.eu

Transkript: Niklas Harder und Magdalena Nowicka: Betreuer*innen an der Grenze: das transnationale Pflegesystem in der Pandemie

ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.


Sandra Leumann
Und damit herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Podcasts zur soziologischen Perspektiven auf die Coronakrise. Mein Name ist Sandra Leumann. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Am sechzehnten Juni zweitausendeinundzwanzig hielten Magdalena Novitzka und Niklas Hader einen Vortrag mit dem Titel,
an der Grenze. Das transnationale Pflegesystemen der Pandemie. In Deutschland beschäftigen schätzungsweise dreihunderttausend Haushalte einer ausländische Betreuungskraft.
Diese sogenannten Liffins arbeiten meist über längere Zeiträume im Haushalt pflegebedürftiger Personen und Reisen zwischen Deutschland und ihren Heimatländern hin und her.
Durch die Coronakrise wurden diese Grenzüberschreitungen weitgehend unmöglich.
Nowitzka und Hader stellen nun erste Ergebnisse aus ihren Befragungen zu den Folgen dieser Beschränkungen vor.
Professor Magdalena Nowitzka leitet die Abteilung Integration am deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die transnationale Migration in Europa und soziale Ungleichheiten.
Doktor Niklas Hader ist der Chorleiter der Abteilung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Integration und politische Partizipation.
Und nun viel Spaß mit dem Vortrag.
Niklas Harder
Freue mich hier die Gelegenheit zu haben erste Ergebnisse aus unserem Projekt teilen zu können, beziehungsweise
sind es äh schon etwas ältere Ergebnisse aus dem qualitativen Teil und wirklich erste Ergebnisse aus einem,
quantitativen Serviette. Die Präsentation trägt heute den Titel Betreuer innen an der Grenze. Das transnationale Pflegesystem in der Pandemie.
Das, was ich vorstelle, ist Arbeit, die ich zusammen mit meinen Co-Autorinnen Susanne Batik, Mattes Herpel, Magdalena und Theresa Schwarz erarbeitet habe.
Ich sage kurz etwas zum Hintergrund. Sie hatten es in der Anmoderation ja schon gesagt. Etwa sechsundsiebzig Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt. So viel Züge jeder kennt das vielleicht. Also es sind wirklich viele.
Gleichzeitig ist es so, dass aufgrund des demographischen Wandels ähm die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während das familiäre Betreuungspotential tendenziell eher abnimmt. Hier entsteht eine gewisse Versorgungslücke,
in letzter Zeit äh immer mehr auch durch sogenannte Kernmigration äh geschlossen wird.
Was meinen wir mit Kernmigration? Dies sind schätzungsweise. Also wir wissen wirklich wenig, aber es sind schätzungsweise fünfhunderttausend bis siebenhunderttausend Mittel und osteuropäische Betreuer in.
Die ältere Menschen in Deutschen Privathaushalten betreuen.
Ich sage, betreuen, weil es hier nicht nur um oder eher nicht um medizinische Pflege geht, sondern wirklich um so die Betreuung im Alltag.
Diese Betreuerinnen leben häufig zusammen mit den zu betreuenden Personen in einem Haushalt. Das ist die sogenannte Modell.
Und sie arbeiten in einem transnationalen Rotationssystem.
Das bedeutet, sie sind für eine gewisse Zeit, zum Beispiel sechs Wochen in Deutschland, arbeiten dort als Betreuerin
und gehen dann wieder in ihr Heimatland zurück und werden abgelöst von einer anderen Betreuerin, die dazu extra für extra nach Deutschland gekommen ist.
Wir haben uns jetzt gefragt, ähm wie hat dieses System eigentlich,
während der Corona-Pandemie und jetzt in unserem Fall während der ersten Welle funktioniert oder nicht funktioniert. Ganz konkret haben wir uns dafür den Effekt der Reiseabbeschränkungen ähm interessiert. Es war nämlich so,
dass zwischen dem fünfzehnten dritten und dem fünfzehnten Sechsten zwanzig zwanzig die Grenzen zwischen Polen und Deutschland weitestgehend geschlossen waren und dass äh,
ist hier wichtig, weil eben ein großer Teil dieser Betreuerin aus Polen kommt. Und weil wir uns eben auf diese spezifische Grenzschließung ähm auch konzentrieren wollten,
auf polnische BetreuerInnen, die in Polen leben, aber in Deutschland arbeiten.
Wir sind nicht die einzigen, äh die daran gedacht haben. Es gab zu dem Zeitpunkt relativ viel Medienaufmerksamkeit, dass äh.
Wonach Pflegerin nicht oder Betreuerin nicht einreisen konnten oder abgereist sind und sich die Familien gefragt haben, wer betreut jetzt ähm eigentlich unsere älteren Familienangehörigen, besonders in einer Zeit, wo soziale Kontakte.
Eh schwer waren. Wir haben wir sind dann in.
Zwei Strängen äh vorgegangen. Wir haben zum einen qualitative Interviews äh direkt äh geführt,
und haben eine quantitative Onlinebefragung vorbereitet. Für diese qualitativen Interviews haben wir zunächst so semi-strukturierte Interviews mit Expertinnen in Polen und Deutschland geführt.
Und haben dann äh relativ intensiv Agenturen recherchiert, die polnische Betreuungskräfte an deutsche Privathaushalte äh vermitteln und haben aus dieser kleinen Datenbank, die wir aufgebaut haben, dann per Zufallsauswahl.
Ähm dreißig Vertreterinnen von Vermittlungs- und Entsenderagenturen ähm qualitativ befragt. Insgesamt.
Hatten wir in unserer Datenbank knapp zweihundert Agenturen in Polen und zweihundertsechs Agenturen in Deutschland.
Die Ergebnisse ganz knapp zusammengefasst aus dieser qualitativen Befragung war, dass,
ist schon eine äh deutliche Herausforderung war diese transnationale Mobilität zwischen Polen und Deutschland aufrechtzuerhalten, dadurch, dass sozusagen es kein Linienverkehr mehr über die Grenze gab, wurde da,
zu so Kniffen gegriffen, wie das Betreuerinnen bis an die Grenze gefahren wurden, die dann äh zu Fuß überqueren konnten und auf der anderen Seite wieder abgeholt wurden. Also da gab es verschiedene Arrangements.
Weiter haben sich die Agenturen damit beschäftigt, Informationen, aber auch äh Material zur Hygiene bereitzustellen, sogenannte Hygienesets.
Und sie mussten einfach viel.
Vertrauensarbeit mit Kundinnen, aber auch Betreuungskräften leisten und ähm darüber sprechen, wie sicher es ist oder auch nicht sicher es ist, jetzt weiter zu arbeiten.
Ähm wie in vielen anderen Bereichen hat die Pandemie hier auch verschiedene Probleme, noch mal geschärft dargestellt
Und das war in diesem Fall insbesondere die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Es gab aus Deutschland eine sehr große Nachfrage nach Betreuerin, äh die durch das Angebot nicht vollständig gedeckt werden konnte. Also die Agenturen haben während der Pandemie,
auch nochmal verstärkt versucht Betreuer anzuwerben, weil einfach in Deutschland der Bedarf so groß war, was sicherlich auch daran lag, dass in Deutschland.
In der Zeit der ersten Welle eigentlich es kaum möglich war, jemanden neu in einem Pflegeheim unterzubringen.
Weiter hat sich gezeigt, dass es ein Mangel an gesetzlicher Regulierung gibt, der eben vielleicht das System flexibel hält.
Aber auch zu verschiedenen Problemen führt. Was immer wieder als positiver Effekt genannt wurde, war, dass diese Problemlage allerdings zu einer verstärkten Vernetzung.
Und Kooperation unter den Agenturen geführt hat.
So, jetzt komme ich zu dem eigentlichen Teil, denn das sind neue Ergebnisse, das sind die Ergebnisse der K wie Befragung, also Computer, Webinterviews, man kann's auch einfach online Service nennen, also eine Online-Service, polnischer Betreuungskräfte in Deutschland,
Dabei ist wichtig, sie mussten sich zum Befragungszeitpunkt nicht in Deutschland auch ähm halten, aber innerhalb des letzten Jahres in Deutschland gearbeitet haben.
Was wir zunächst versucht haben, war äh ein Webbase-Responderdriven Sample. Die Idee dahinter ist, dass man mit einer Handvoll
Respondence anfängt, die dann strukturiert und nachverfolgbar,
weitere Serverteilnehmerin einlei einladen, die dann wiederum weitere Serviceteilnehmerin einladen. Ähm.
Und das Ziel ist es lange, nachverfolgbare Rekrutierungsketten zu haben. Ähm unter gewissen Annahmen lassen sich die Antworten dann gewichten und es lassen sich repräsentative Mittelwerte schätzen.
Dafür haben wir einen Online-Service aufgesetzt, haben eine Intentivierung durch eine Lotterie,
aufgesetzt und haben ein eigenes kleines Programm geschrieben, was die Weiterleitung des Service per E-Mail erleichtert. Und sind damit im Oktober zwanzig zwanzig ins Feld gegangen.
Problem war, diese Weiterleitung per E-Mail wurde kaum genutzt.
Nachdem wir dann etwas abgewartet haben, ob sich das noch vielleicht noch verbessert, haben wir das Sample irgendwann geöffnet und einfach versucht, möglichst viele,
Menschen zu rekrutieren, wobei wir aber immer noch diese Möglichkeit zur Weiterleitung beibehalten haben und sogar nochmal vereinfacht gemacht haben. Wir haben, weil wir durch Vorstudien wussten, dass äh insbesondere die Mobilität viel auf Facebook organisiert wird,
stark über Facebook rekrutiert, zunächst über Facebook Gruppen.
Und haben dann aber im Januar auch wirklich Werbung auf Facebook geschaltet. So haben wir bis zum achtundzwanzigsten zweiten rekrutiert und haben jetzt insgesamt gut fünfhundert Antworten, wovon dann aber nur zweihundertneunundsiebzig vollständig sind.
Ähm die kommen ja, zu großen Teilen aus der Facebook-Werbung, also hundertsechsundvierzig haben wir per Facebook Werbung bekommen, vierundsiebzig über Facebook Gruppen, vierzig über Weiterleitung und neunzehn aus anderen Quellen.
Die Befragten sind zu dreiundneunzig Prozent Frau und im Mitte sechsundfünfzig Jahre alt. Damit also diese Kennzahlen passen sehr gut zu Daten, die wir,
aus der Literatur kennen. Es gab ähm es gibt einige andere Autorinnen, die auch schon ähnliche Befragungen gemacht haben, jetzt nicht direkt während der Pandemie, aber vorher
Auch die haben mit der Repräsentativität zu kämpfen, aber die haben was, die Geschlechter und die Altersverteilung angeht, ähnliche Zahlen wie wir.
Was wir erstmal als gut ansehen, denn das bedeutet entweder, dass wir alle den gleichen Bayers haben oder nicht ganz so verzerrt sind.
Ähm was ein bisschen merkwürdig ist.
Ist, dass äh fast neunzig Prozent unserer Befragten, also zweihundertfünfzig in absoluten Zahlen, angeben einen schriftlichen Arbeitsvertrag äh zu haben, zweihundertvier davon mit einer polnischen Agentur,
allerdings fast die gleiche Anzahl, nämlich zweihundertvierzig Befragte sagen, dass sie zeitweise auch vor Durchbetreuer in ohne Vertrag vertreten werden,
Das wirft die Frage auf, ob wir diese Betreuer in die ohne Vertrag arbeiten, einfach nicht in unserem Sample haben.
Oder ob beides auf eine Person zutreffen kann. Also ob es Personen gibt, die mal mit Vertrag arbeiten und mal ohne Vertrag. Das wissen wir letztlich nicht.
Ich sag Ihnen das jetzt nur, damit Sie so ein bisschen eine Idee haben, wen wir da befragt haben, denn.
Die Zahlen sind nicht repräsentativ. Ähm alle Aussagen, die ich jetzt hier treffe, gelten erstmal nur für diese knapp zweihundertachtzig Personen.
Wir können uns sicher sein, dass alles was wir hier oder wir können uns unter gewissen anderen sicher sein, dass alles was wir hier sehen auf jeden Fall so auch im Feld,
vorliegt, also es sind sozusagen Mindestwerte, die ich ihnen erzähle, ob die ähm Anteilswerte wirklich so auch auf die Grundgesamtheit zu treffen, das können wir so nicht sagen.
Aber was wissen wir denn über diese zweihundertachtzig Personen? Wir haben nach den Aufgaben gefragt.
Hier sehen wir eigentlich keine großen Überraschungen. Hauswirtschaft, Mobilität und Freizeitgestaltung,
gehören zu den Hauptaufgaben, in den meisten Fällen auf die Ernährung und Körperpflege. Etwas interessanter ist, dass auch ein nicht ganz irrelevanter Teil für die medizinische Versorgung,
zuständig ist. Das.
Fängt so bei Blutdruckmessung an. Ähm das ist spannend, da die meisten Betreuerin keine entsprechende Ausbildung haben und diese Aufgaben in Deutschland eigentlich ähm.
Aufgaben von geschulten PflegerInnen sind. Also es ist.
Wirkt hier so, als würden auch sozusagen gewisse Aufgaben an diese eher ungeschulten Betreuerin ausgelagert, die eigentlich durch Fachpersonal erledigt werden müssen. Allerdings ist das jetzt nicht weit verbreitet, es kommt aber vor.
Wir haben nach Freizeit- und Arbeitszeit gefragt. Äh es gibt hier eine gewisse Streuung.
Aber insgesamt kann man sagen, dass die meisten Betreuerin zwischen acht und zwölf Stunden täglich arbeiten und die allermeisten geben an, täglich zwei Stunden Freizeit zu haben.
Ähm.
Nach der Arbeitszeit gefragt haben, haben wir dann auch nach dem Einkommen gefragt. Und hier sehen wir auch recht deutlich und auch das passt zu dem, was wir aus
vorherigen Studienwissen
dass das monatliche Nettoeinkommen der meisten Betreuerin irgendwo zwischen tausendzweihundert und tausendsechshundert Euro liegt. Es gibt Ausreißer nach unten und oben.
Aber da liegt wirklich der große Teil der Befrag.
Wir können das jetzt äh mal mit der Arbeitszeit zusammenbringen und gucken, ob die Betreuer in die Mehr arbeiten, auch mehr verdienen,
und zumindest in unserem Simple ist das eindeutig nicht so, äh ganz im Gegenteil, wir sehen hier eher einen negativen Zusammenhang, also dass die, die,
wirklich lange Arbeitsstunden haben, auch die sind die eher im Monat wenig verdienen.
Wir können die Angaben zur täglichen Arbeitszeit und zur monatlichen Einkommen auch nutzen, um Schätzwerte äh für den Stundenlohn zu entwickeln. Ähm.
Was wir gemacht haben ist, wir haben das simuliert. Also wir haben aus diesen Einkommensintervallen Zufallszahlen genommen ähm dann gewisse Annahmen darüber getroffen und die auch variiert, wie viele Tage im Monat gearbeitet wird,
und die tägliche Arbeitszeit genommen und dann fünftausend Simulationen laufen lassen über den Netto-Stundenlohn.
Und mit einer gewissen Streuung ähm kommen wir hier auf einen mittleren Nettostundenverdienst von sechs Euro siebzig.
Ähm und fünfundneunzig Prozent der simulierten Werte liegen zwischen zwei Euro zwanzig die Stunde und fünfzehn Euro dreißig die Stunde. Interessant ist dabei, dass selbst der hohe Schätzwert von fünfzehn Euro dreißig die Stunde,
und dort unter dem geschätzten, mittleren ähm Nettostundenverdienst in Deutschland, der irgendwo bei achtzehn Euro liegt. Ähm.
Dass selbst der hohe Scherz auch schon fünfzehn Euro noch darunter liegt. Was wir außerdem gemacht haben, ist, wir haben,
statt der im Service angegebenen täglichen Arbeitszeit einfach mal die Arbeitszeit auf acht Stunden fixiert
und dann die Simulation nochmal laufen lassen, um sozusagen vielleicht so was wie ein vertraglichen Stundenlohn unter der Annahme ins acht Stunden Arbeitstages ähm.
Rauszufinden. Und da kommen wir dann auf einen mittleren Stundenlohn von acht Euro fünf.
Was deutlich näher an dem Mindestlohn von äh.
Etwas mehr als neun Euro die Stunde liegt.
Wie hat sich das jetzt durch die Corona-Pandemie verändert? Wir haben gefragt, wie haben sich äh einkommen Freizeit und Arbeitszeit,
im Zeitraum der Reisebegrenzung, also zwischen dem fünfzehnten März und dem fünfzehnten Juni zwanzig zwanzig verändert.
Und das erstaunliche ist, dass die allermeisten sagen, es hat sich nichts verändert.
Es gibt Ausreißer, die sagen, Einkommen, Freizeit oder Arbeitszeit haben sich erhöht oder sind niedriger geworden, alle aber die allermeisten sagen.
Dass sich da nichts verändert hat. Weiter haben wir gefragt nach dem Reiseverhalten.
Ähm und wir haben das jetzt mal gruppiert in in Deutschland geblieben, in Polen geblieben, aus Deutschland abgereist, aus Polen abgereist und wir sehen das sehr viele in Deutschland geblieben sind.
Und sich das andere dann relativ gleich verteilt, was auffällig ist
ist, dass diejenigen ohne Arbeitsvertrag, auch wenn wir von denen nicht so viele haben, aber dass dort nicht die meisten in Deutschland geblieben sind, sondern unter den ohne Arbeitsvertrag sind, dann doch die meisten in Polen geblieben. Das heißt, die mit Vertrag gearbeitet haben, waren eher mobil,
Das muss aber, wie gesagt, angesichts der niedrigen Zahlen sehr vorsichtig interpretiert werden. Auch nach den Gründen für das Reiseverhalten gefragt.
Und wenn wir uns hier die,
Orangen und roten Balken angucken, dann sind das quasi die, die in Deutschland geblieben sind oder aus Polen nach Deutschland gereist sind. Und dort sind werden die Hauptgründe für dieses Reiseverhalten sind eigentlich die größere Sicherheit,
in dem jeweiligen Land und die Angst vor Einkommensverlusten. Wohingegen werden wir uns ansehen, wer in Polen geblieben ist oder aus Deutschland abgereist ist. Dort wird insbesondere,
genannt, dass sie gerne bei ihrer Familie sein wollten oder dass es sich tatsächlich um eine reguläre Abreise gehandelt hat.
Komme zum Schluss. Ähm unser Fazit derzeit ist, dass diese transnationale, nahe organisierte Pflege in Deutschland ist weiterhin ein rechtlicher Graubereich, der durch lange Arbeitszeiten und niedrige Löhne gekennzeichnet ist.
Grundsätzlich werden Mindestlohnregelungen wahrscheinlich eingehalten.
Die entsprechenden Arbeitszeiten jedoch nicht. Also es wird sozusagen auf dem Papier Mindestlohn gezahlt, es wird allerdings länger gearbeitet. Dieses System wurde durch die Pandemie herausgefordert, aber nicht unterbrochen oder wesentlich geändert. Was,
wenn wir sozusagen die ersten beiden Punkte des Fazits sehen, eventuell auch schade ist, weil diese Krise auf jeden Fall kein Anlass war bislang, dass sich irgendwas grundsätzlich an diesem System,
ändert und wir denken, dass Änderungen hier doch auch notwendig wären, da die Arbeitsverhältnisse dieser Betreuerin auf jeden Fall nicht optimal sind.
Sandra Leumann
Vielen Dank äh für diese vielen Ergebnisse, ähm die sie innerhalb eines Jahres ähm erzielen konnten. Mich haben sehr, sehr viele äh Fragen zur Methode
erreicht, deswegen würde ich gerne damit starten. Können sie vielleicht kurz sagen, inwiefern sich das von einem Schneeballsystem unterscheidet und äh wie sie an ihrer ersten
hm oder an die ersten Befragten gekommen sind.
Niklas Harder
Also, in einem Schneeballsystem wird der einfach der Link breit gestreut.
Ähm so breit es geht. Und das ist letztlich das, was wir am Ende auch gemacht haben. Die Idee beim Dragon Sampling ist, ist, dass man mit einer kleinen Gruppe von vier Personen anfängt.
Und jede Person bittet die Befragung an eine bestimmte Zahl, meistens sagt man so drei Personen.
Die auch in dieser Gruppe fallen, weiterzuleiten. Ähm weiter wird gefragt, wie viele Personen kennen sie, an die sie das weiterleiten könnten.
Also wir wissen sozusagen, wie die wie viele Netzwerkkontakte diese Person hat,
und bitten sie dann an, ich sage jetzt mal drei Personen aus diesem Netzwerk, das weiterzuleiten. Und das passiert an jeder Stelle. Und als Wissenschaftler in verfolgen wir diese Nachverfolgung.
Und könnt dann, ich sag's jetzt mal, vereinfacht, Gewichte errechnen, wo wir sagen, also ähm Personen mit sehr vielen Kontakten,
wahrscheinlich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit,
äh bei uns zu landen, Personen mit weniger Kontakten eher eine geringere, deswegen werden die mit wenigeren Kontakten etwas stärker gewichtet, als die mit vielen Kontakten. Und die Idee ist, dass durch die langen Weiterleitungsketten,
in diesem Ursprungs-Tempel immer kleiner wird. Das heißt, damit funktioniert.
Braucht man eben möglichst lange Weiterleitungsketten. Es geht nicht darum, dass eine Person das an möglichst viele Personen streut, wie jetzt in einem Schneeball-Camping, sondern es geht um wenige, aber viele Weiterleitungen.
Dazu müssen wir aber auch sagen, das ist jetzt nicht irgendwie die goldene Lösung aller Probleme für einen Datensatz des gibt es Möglichkeiten Mittelwerte.
Entsprechend zu gewichten, dass man sagen kann, wir haben hier einen repräsentativen Mittelwert unter gewissen anderen.
Alles, was so in die Inferenzstatistik geht, ist da aber noch ziemliches Neuland, also jetzt irgendwie die Standardfehler eines Regressionskoffizientens richtig zu richtig zu schätzen unter all diesen anderen, dazu ist mir noch keine Literatur bekannt.
Vielleicht so viel erstmal.
Sandra Leumann
Und dann kam noch die Frage, ähm gab's denn auch eine Inzentivierung dafür, dass ich's weiterleite, ähm weil wenn es nur die Lotterie ist, könnte es ja auch ab,
haben es weiterzuleiten, denn je mehr Leute im Lostopf sind, umso geringer werden ja meine ähm Gewinnwahrscheinlichkeiten.
Niklas Harder
Das stimmt. Ähm,
Wir haben das so ein bisschen adressiert. Ich glaube, diese Größe ist grundsätzlich ein Problem, dass es eventuell die dominante Strategie ist, nicht weiterzuleiten, wenn alle diese Strategie spielen, ähm und das Problem kommen wir nicht herum. Ich hoffe einfach, dass die meisten Befragten keine geschulten Ökonomen sind
Ähm was wir gemacht haben ist, es gab sozusagen für den Abschluss der Befragung ein Los und für jede erfolgreiche Weiterleitung ein weiteres Los.
Das heißt, einzelne Personen konnten bis zu vier Lose äh sozusagen aus der Lotterie äh bekommen.
Und es ist tatsächlich auch passiert, dass äh ich glaube, haben zwei Fälle, wo einzelne Befragte zwei Gewinne bekommen haben.
Sandra Leumann
Dann würde ich mal gerne auf die Arbeitsbedingungen der Liffins zu sprechen kommen. Die gelten so schon als extrem prekär, sei es durch Arbeitszeitüberschreitung, niedrige Löhne, kaum Möglichkeit sich zu erholen.
Es ist bekannt, dass ja viele ihre Aufenthalte hier verlängert haben. Und damit potenziert sich das natürlich, was können sie über,
Die Wahrnehmung der Livins mit diesen Arbeitsbedingungen sagen zum Gesundheitszustand und inwiefern die haben ja schließlich auch mit Agenturen gesprochen wurden diese Sorgen, Ängste adressiert, ähm,
oder ging es nur um die Kundenorientierung, wie stellen wir sicher, dass die hier bleiben.
Niklas Harder
Ähm Magda möchtest du das dazu was sagen? Sonst.
Magdalena Nowicka
Ähm vielleicht kümmern wir uns das teilen. Du suchst die Zahlen, weil wir tatsächlich das auch in der Umfrage drin hatten.
Die Agenturen haben sehr viele Beispiele gegeben, wo sie tatsächlich,
vor allem diese Beruhigungsarbeit machen mussten, also eher nicht äh die Betreuerinnen ähm,
regelmäßig beruhigt haben, was äh gerade die zu einem sich tatsächlich fast täglich äh veränderte Lage, was sind die
Einschränkungen, was es jetzt erlaubt, was sind die,
Pflichten muss man zum Beispiel Handschuhe nonstop tragen in den häuslichen Bereich oder die ganze Zeit mit Maske arbeiten, wo dürfen die raus und und rein und so weiter und so fort. Also das war äh jetzt nicht die Kundenpflege.
Allerdings das berichteten natürlich die polnischen Agenturen, die sich um die Betreuerin gekümmert haben, die deutschen Agenturen haben berichtet, von denen Kunden pflege und das liegt einfach an der Struktur dieses System
eine gewisse Arbeitsteilung drin ist, solche Agenturen arbeiten manchmal in,
Tandems, das eine einfachste äh die deutschen Kunden rekrutiert die Haushalte oder die Pflegebedürftige Personen und die polnische, die Betreuerinnen. Ähm die arbeiten äh zusammen, das war manchmal schwierig in der Pandemie auch
kümmern sich um unterschiedliche Zielgruppen. Das war klar in den Interviews,
die Agenturen haben wir auch öfters darüber berichtet, dass sie
so eine Corona-Prämie bezahlt haben um die zweihundert Euro allerdings bestätigt sich das wiederum für in der Umfrage nicht. Also es gab zwar Personen, die äh eine Prämie erhalten haben einmalig,
aber das waren die wenigen andere auch von kleinen Geschenken die sie von der Familie bekommen haben zum Beispiel,
aber grundsätzlich war das eher eine Ausnahme.
Niklas Harder
Punkte, also wir haben jetzt nicht direkt
gefragt nach den Konsequenzen der Pandemie auf jetzt körperliche und psychische Belastung. Wir haben aber grundsätzlich nach körperlicher und psychischer Belastung ähm gefragt und dazu einfach nur noch mal zum Hintergrund, also dass der Mittelwert beim Alter ist fast sechzig Jahre.
Zu den Aufgaben gehörten bei den meisten, also bei über zweihundert von zweihundertneunundsiebzig Personen auch die Körperpflege.
Deswegen nicht überraschend berichten ähm etwa fünfzig Prozent der Befragten von körperlichen Belastungen.
Und etwas weniger, aber immer noch äh hundertacht von zweihundertneunundsiebzig von psychischen Belastungen, die sie eindeutig durch ihre Arbeit haben. Ähm eine Anekdote noch zur Prämie, es waren wirklich sehr wenige, die diese Prämie bekommen haben,
Wir haben auch bei der Online-Werbung für unseren Service zwei verschiedene Werbungen ausprobiert. Bei der einen haben wir einfach nur gefragt ähm,
berichten Sie uns von Ihrer Arbeit in Deutschland.
Bei der anderen haben wir so einen kleinen Teaser geschrieben, ähm das ging so in die Richtung. Es wurden Prämien gezahlt für Betreuerinnen, die äh während der Pandemie in Deutschland gearbeitet haben, haben sie auch eine bekommen. Sagen sie es uns hier,
und diese zweite war die deutlich erfolgreichere Werbung und das hat sich auf Facebook kann man das ja kommentiert werden, wirklich eine,
eine große Diskussion dadrunter entfacht, wo wo ähm.
Verschiedene Betreuerinnen gesagt haben, was für eine Prämie, ich habe keine Prämie bekommen. Ähm und sich da auch ausgetauscht haben über ihre Erfahrung, aber die Empörung doch recht groß war. Also da sieht man, dass es eigentlich eine ganz gute Idee war, sowohl die Agenturen als auch die,
ähm Betreuer im äh direkt zu befragen, weil sich da dann doch noch so ein paar Verschiebungen ergeben.
Sandra Leumann
Ist ein gutes äh Stichwort, was ja auch immer ein Problem ist. Viele Agenturen versuchen ja immer noch, ähm,
gemeinsame Freizeitaktivitäten oder auch Bereitschaftszeiten nicht als Arbeitszeit zu deklarieren. Ähm
Deswegen würde mich interessieren, wie haben sie denn die Arbeitszeit erfasst.
Magdalena Nowicka
Wir haben äh explizit noch daran gefragt, ähm ob die Personen auch in der Nacht regelmäßig aufstehen müssen, um sich um die ähm äh ältere Person zu kümmern,
das haben tatsächlich siebenundfünfzig Personen angegeben, zweihundertsiebzehn allerdings kamen an, dass sie das nicht müssen
Ich vermute trotzdem, dass diese sehr geringe Freizeit ähm zum Beispiel nur zwei Stunden am Tag ergibt sich tatsächlich aus dem,
Das Freizeit ist.
Tatsächlich eine absolut frei verfügbare Zeit, wo man nichts anderes tut. Das haben wir auch so definiert, wo man nicht in Bereitschaft ist, wo man nicht arbeitet und wo man nicht schläft.
Aber die Arbeitszeitverständnis von Arbeitszeit ist tatsächlich,
Zeit, wo man richtig die ganze Zeit beschäftigt ist und drum herum sich kümmert. Äh das wird auch in den qualitativen Interviews äh so berichtet.
Viele Netzwerke die sich mittlerweile bilden und Interessen von dieser Gruppe versuchen zu vertreten, stehen auch von diesem Problem, dass tatsächlich die Freizeit dieser Person sehr eingeschränkt ist und deswegen,
haben sie auch nicht mal Zeit, sich untereinander auszutauschen, ja?
Sandra Leumann
Ist das vielleicht auch ein Grund, weil sie haben ja angesprochen.
Nachfrage nach Liffins in Deutschland ist extrem gestiegen. Das Angebot ist gesunken. Warum gab's da keine Verschiebung in den Machtverhältnissen, um auch höhere Löhne durchzusetzen, bessere Arbeitsbedingungen.
Wie erklären sie sich das?
Magdalena Nowicka
Wir haben auch mit Expertinnen gesprochen äh in beiden Ländern ähm das ist.
Da sind mehrere Faktoren, also zu einem äh das sind oft Personen, die äh nicht ausschließlich von dieser äh Care-Arbeit leben,
sondern sind zum Beispiel früh verrennt mit und äh verdienen etwas dazu,
Das machen sie auch nicht das ganze Jahr drumherum. Wir haben auch danach gefragt im Durchschnitt waren das siebeneinhalb Monate im Jahr die sie arbeiten, also haben auch ähm Zeiten, die sie in Polen verbringen und dann potentiell gern nicht
arbeiten, ähm sondern sich tatsächlich erholen. Also diese Erholung ist nicht in der intensive Arbeits,
ähm drin, aber dafür ähm ähm in Polen. Ähm.
Das andere ist, dass sie äh zu einem der Markt das sehr verteilt. Es gibt sehr unterschiedliche Verträge und unterschiedliche Bedingungen. Es sind ein Unterschied, ob die für eine Polnische Agentur arbeiten,
ob das Arbeitsrecht ist oder zivilrechtlich gestaltet ist,
ob sie entsendet sind oder nicht. Einige Arbeiten äh bei den deutschen Agenturen und einige Arbeiten
direkt angestellt in Privathaushalten äh mit Vertrag oder ohne
erklärt auch teilweise, dass die Interessenlagen beziehungsweise einfach die Form der Plakate so unterschiedlich ist. Äh und hier erst jetzt
fangen einige ähm auch äh sich selbst zu vernetzen und äh diese Interessenvertretung,
fängt an, sich zu bilden, aber ist natürlich einfach schwer. Durch lange Arbeitszeiten unterschiedliche Arbeitsbedingungen,
unterschiedliche Probleme, aber auch, weil das eine bestimmte äh Gruppe ist, die potentiell schwieriger ist zu mobilisieren und nicht die ganze Zeit in Deutschland zum Beispiel, sondern längere Zeit auch.
Verfügbar.
Sandra Leumann
Und Niklas Hada in unserem digitalen Kolloquium am sechzehnten Juni zweitausendeinundzwanzig gehalten haben.
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Bis zum nächsten.