Ich komme aus der Krisenforschung und bringe zusätzlich ein systemheoretischen Hintergrund mit. Jetzt in diesem Vortrag möchte ich von der Coronapandemie als nur einer
Krise von mehreren, wie sie heute typisch sind ähm sprechen. Ich sage nämlich, dass wir in einer Weltkrisengesellschaft leben. Ähm ich möchte Ihnen nun an drei Punkten erklären, wieso ich das sage.
Erstens will ich zur Einordnung die Weltkrisengesellschaft einmal von Ulrich Beck und seiner Weltrisikogesellschaft abgrenzen ähm und zweitens will ich dann Krisen ganz allgemein definieren und davon ausgehen, dass
Krisenfälle heute häufiger und großräumiger auftreten.
Drittens will ich dann sagen, dass die Weltkrisengesellschaft eine Gesellschaft beschreibt, äh die sich im Übergang zwischen zwei Strukturformen befindet.
Also diese drei Punkte möchte ich etwas ausführlicher klären ähm und dazu zunächst zur Abgrenzung von Beck.
Wenn weg von Risiko spricht meint er die Antizipation der Katastrophe. Er sagt Risiken sind immer zukünftige Ereignisse die uns bedrohen.
Und Risiko hat also etwas mit der erwarteten Zukunft zu tun. In der Sprache Luhmanns äh kann man da auch von Folgeerwartungen sprechen.
Ähm Ulrich Beck hat dann 1986 sein Buch über die Risikogesellschaft veröffentlicht und er beschreibt dort eine zweite Reflexe, moderne, eine Moderne, also die sich
eigenen Struktureffekte
die sozusagen weiß, was sie anrichten kann. Ähm sie antwortet darauf, indem sie zukünftige Krisen sachlich antizipiert und und das auf Basis schon eingetreten nach hellem.
Ähm im selben Jahr also auch 1986 passierte der Reaktorunfall von Tschernobyl.
Und und Beck's Buch war zu dem Zeitpunkt schon fertig und deshalb schrieb er dann noch in einem Vorwort im Nachgang ähm ach wäre jetzt die Beschwörung einer Zukunft geblieben, die es zu verhindern gilt.
Back hat den Unfall als Bestätigung das Risikobegriff verstanden und 2007 sprach er dann ja sogar noch von der Weltrisikogesellschaft.
Ich finde was der Unfall aber wirklich zeigte ist dass die Zukunft sich nicht verhindern ließt sondern zunehmend als Gegenwart eintritt denn.
Und das frage ich, Struktureffekte der Gesellschaft ähm.
Lassen sich zunehmend nicht mehr auslagern, ähm also weder in die Zukunft, noch ins Gesellschaftsaußen auslagern, sondern sie müssen konkret bearbeitet werden und das in der Form von Krisen selbst.
Ich schlage deshalb vor, von einer Weltkrisengesellschaft zu sprechen.
Die Coronapandemie ist nur ein sehr deutliches Beispiel der Fälle die ich nun beschreiben möchte und sie erinnern sich vielleicht an das diesjährige Hochwasser in Deutschland ähm vielleicht an Fukushima im Jahre zweitausend11
an die Terroranschläge unter anderem in Berlin
zweitausendsechzehn ähm oder die sogenannte Flüchtlingskrise zweitausendfünfzehn.
Und so weiter. Also die Liste ist ziemlich lang geworden und all das sind real eingetretene Fälle der letzten Jahre.
Und obwohl Gesellschaft mit ihnen rechnete, sie erwartete ähm konnte sie sie weder aufhalten noch ungestört, weitermachen wie vorher.
Also trotz aller Erwartungen treten diese Krisen überraschend ein. Äh die Bedrohung liegt dann nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt.
Das geht dann auch nicht mehr nur um die Antizipation, sondern um die Reaktion
Die soziale Reaktion auf das, was an Folgewirkungen wieder zurückschlägt. Aktuell ähm weiß man mittlerweile, äh dass es.
Dass ein Coronavirus in der Welt äh von trotzdem muss man.
Grade mit jeder äh neuen Mutation schauen, was man tun kann und was man auch tun muss, ne. Also das führt mich jetzt
zu dir einen zweiten Punkt äh meines Vortrags und zu der Frage, was Krisen eigentlich sind. Ähm ich habe die letzten vier Jahre in einen BMWF geförderten Projekt mitgewirkt, in dem wir ganz
Krisen erforscht haben. Ähm wir, das heißt der Projektleiter Oliver Ebert am IRS ähm
unveränder Brings von der Uni Mainz und ich.
Und wir haben äh mit ganz unterschiedlichen Interviewpartnern über ihre Beteiligung an bestimmten Krisenfällen gesprochen. Ähm viele von denen arbeiten professionell mit Krisen.
Ähm wovon ich nun aber erstmal sprechen will ist ähm dass wir in diesem Projekt.
Ganz alt in einem mit einem mit einem ganz allgemeinen Krisenverständnis gearbeitet haben.
Wir sehen eine Krise dann zustande kommen sozusagen drei Zutaten
zusammenkommen, nämlich Bedrohung, Dringlichkeit und Unsicherheit.
Diese drei Merkmale sind nicht unabhängig von einem sie erlebenden System, also sie passieren nicht im luftleeren Raum ähm oder sind
von außen vorgegeben, sondern sie sind äh jedenfalls für Soziologen, Teil sozialer, so kommunikativer Systeme.
Und bei einer
handelt es sich deshalb eben um die fundamentale Bedrohung eines sozialen Bezugssystems, auf die es unter unsicherer Informationslage und unter Zeitdruck.
Reagieren muss. Also Bedrohung, ähm Dringlichkeit und Unsicherheit finden im System statt.
Das ist so 'ne allgemeine Definition von Krisen aber ich will ja auch über heute typische Krisen sprechen und wenn man sich Friesen heute anguckt dann fällt auf dass sie sich,
obwohl sie immer noch Ausnahmefälle darstellen ähm zunehmend an Grenzen und das räumlich unzeitlich,
in der Forschung zum Beispiel um
werden diese heute typischen Krisentranspowery Crisis genannt. Ähm die Beispiele eben wären alles Fälle solcher Transbombery
ähm Corona da an Vorderstab Front. Diese Krisenüberschreitenden gemachte Grenzen an äh
aller Art, also Grenzen aller Art, so wie zum Beispiel Ressorts, Staaten, Disziplin und so weiter.
Und als Soziologin
Natürlich schnell bei der Struktur der Gesellschaft selbst angekommen und damit gehe ich langsam in den dritten und größten Punkt über indem ich die Weltkrisengesellschaft etwas besser definieren will.
Dort
sozusagen auf die Reise gehen und Grenzen überschreiten, liegt an der Form der Gesellschaft selbst. Ähm genauer gesagt daran, dass ihre Teilsysteme stark voneinander abhängen und sich im Störfall sozusagen gegenseitig anstecken.
Und ja, wenn ihr zum Beispiel die Politik Maßnahmen beschließt, zum Beispiel ein Lockdown, dann hat das
Konsequenzen für die Wirtschaft und so weiter. Damit bin ich jetzt auch schon ganz bei Niklas Luhmann. Ähm ich nehme also einerseits an, dass die Gesellschaft eine Weltgesellschaft ist.
Alle Kommunikationen auf der Erde umgreift und das findet sich äh bei Rudolf Stichweg ganz gut aufgearbeitet. Ähm also es gibt damit Gesellschaft nur noch einmal.
Ähm auf der anderen Seite aber gibt es
keine zentrale Stelle von der aus diese Gesellschaft gelenkt werden könnte. Ähm es gibt viele viele Teilsysteme.
Allen voran jedenfalls in der Moderne, ähm die funktionalen Teilsysteme. Es gibt also Politik, Wirtschaft, Recht,
Und was weiß ich für Teilsysteme, ähm die jeweils ihre eigenen Logiken verfolgen und nur von dort aus Gesellschaft darstellen.
In einer ja transboundery Crisis äh kann man nun sehen, dass es zu Großstörungen in diesem Eyelogy Eigenlogiken kommt.
Diese Störungen zwingen Gesellschaft in den Wandel. Ähm ich will das jetzt nicht
durchdeklinieren an den einzelnen Teilsystemen wie Luhmann das getan hätte. Außerdem ist
ähm hier schon einmal vor mir auf dieser Eigenlogik und auf auch entstehende Zielkonflikte eingegangen. Ähm ich will selbst hier jetzt nur einen anderen Aspekt nochmal herausstellen, nämlich ähm
was genau in einem sozialen äh System im Krisenverlauf passiert. Ähm.
Und da will ich äh einmal vorstellen, dass man grundsätzlich zwei Phasen
im Krisenverlauf unterscheiden kann und das Ganze wird in Gang gesetzt mit einem heißen Reiz, ähm der einen so komplett aus dem Alltag herausreist
Also man weiß ganz schnell, man kann darauf nicht alltäglich reagieren. Was man aber nicht weiß ist, wie man angemessen reagieren kann.
Ähm und was hier passiert, ist dann keine normale Erwartungsentäuschung, sondern eine Unterbrechung von Erwartungen. Das ist so eine erste Phase,
einer Krise und was da passiert, das nennt Karl Waik Sinn Kollaps. Sinnkollabierter ähm.
Beteiligte sind
Sehr stark kognitiv eingeschränkt ähm und die Interviewpartner aus unserem Projekt zum Beispiel sagten, sie befinden sich in ihrem Verstehen hinter der Lage.
Ähm und
Dann in der zweiten Phase einer Krise ist das Problem anders gelagert. Äh neben dem Sinn Kollaps ähm oder nach diesem Sinnkollaps
es dann zu einem plötzlichen Schwallanseln ähm jeder will wissen was abgeht und um die Krise zu lösen muss man ganz viel reden, schreiben, hm E-Mails verschicken, Telefonate führen, Meetings einberufen
Unsere Interviewpartner sprachen da von einer Kommunikationswolke, die man dann auch noch zusätzlich verarbeiten muss.
Die Krise ist vorbei, wenn man's schließlich schafft vor die Lage zu kommen. Ähm also wieder in die eigenen Erwartungsstrukturen und Eigenlogiken zurückkehren zu können.
Also nochmal, es gibt es kommt in Krisen und das
Wie in Corona auch manchmal abwechselnd zu einem Kollaps von Sinn und zu einem Schwall von Sinnen. Da wird dann einmal die Lehre zum Problem und das andere Mal die Fülle.
Ähm und in beiden Fällen aber befindet sich das System selbst in so einem,
Statt zwischen uns verlagert seinen Schwerpunkt weg von Struktur hin zu einem aktuellen Prozess, der in Frage steht.
Ähm das bekommt dann so eine andere Logik. Ähm einen ansonsten an Strukturorientiertes System will seinen Anschluss vor dem Eintreten eines Ereignisses wahrscheinlicher machen.
Ein Risiko kann das noch der Fall sein.
Ähm ein prozessorientiertes System ähm versucht nach dem Eintreten eines Ereignisses Anschluss herzustellen und das ist verstärkt in der Krise der Fall.
Dieses dazwischen zwei Strukturorientierten Systemphasen will ich deshalb als Übergangsphase
bezeichnen. Krise ist also eine Übergangsphase im System.
Und das kann man aus meiner Sicht auch auf Gesellschaft als Ganze übertragen in der Weltkrisengesellschaft
Krisenfälle an der Struktur ähm funktionaler Teilsysteme
Sie fordern diese Teilsysteme auf sich zu verändern. Ähm trotzdem kann man noch nicht sehen, wohin dieser Übergang führt. Ähm
nur um vielleicht doch noch ein Beispiel zu nennen, sichtbar wird ähm wird zum Beispiel das.
Zur Krisenbewältigung verstärkt Transdisziplinär gearbeitet wird. So das sieht man zum Beispiel an der Bildung von Krisenstäben, in denen mehrere Organisationen und funktionslogiken an einem Tisch sitzen.
An der gerade verstärkten Zusammenarbeit von Politik mit Beratunggremien aus der Wissenschaft
Krisen führen zu Verschränkungen zwischen.
Verschiedenen Funktionslobbyken und diese Verschränkung selbst führt zu etwas Neuem. Wird nämlich versucht auch
Gemeinsame Sprache zu finden und eine gemeinsame Logik zu entwickeln, die die Krise gut beantworten kann. Ähm äh
Gleich in der Diskussion äh kann ich vielleicht noch einmal aus einem aktuellen Projekt äh erzählen, in dem ich gerade mitarbeite. Da geht es um die Entwicklung eines neuen Praxisformats für die Zusammenarbeit aus Wissenschaft und Politik.
In Krisen. Ähm dazu aber vielleicht
Ähm nun noch einmal so etwas Dinge Zusammenfassung um diesen Vortrag abzurunden. Ich sage also, wir ähm leben in einer Weltkrisengesellschaft und die funktionale Differenzierung ist noch immer
träge genug, um sich nicht aufzugeben
Trotzdem schlagen ihr in Form von Transboundery-Crisis äh die eigenen Struktureffekte um die Ohren.
Ähm Krisen sind selbst kreative Momente im sozialen System, in denen Bedrohung, Dringlichkeit und Unsicherheit vorherrschen.
Betroffene Systeme verlieren den Halt in ihren Erwartungsstrukturen und das fordert sie auf, sich strukturell zu verändern.
Ähm das war's nun erstmal meinerseits. Vielen Dank fürs Zuhören und ich freue mich jetzt auf die Diskussion.