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Transkript: Tjorven Harmsen: Die Weltkrisengesellschaft: Warum „Corona“ kein Einzelfall ist – und wie Krisen in sozialen Systemen verlaufen

ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.


Jan Wetzel
Damit herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Podcasts zu Soziologischen Perspektiven auf die Coronakrise. Mein Name ist Jan Wetzel.
Bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Am 15. Dezember 2021 hielt Johann Harmsen einen Vortrag mit dem Titel Die Weltkrisengesellschaft. Warum Corona kein Einzelfall ist und wie Krisen in sozialen Systemen verlaufen.
Hamsen, im Dachrin Ulrich Becks Zeitdiagnose der Weltrisikogesellschaft auf. In der reflexiven Moderne Subeck drehe sich alles um die Antizipation zukünftiger Krisen.
Dagegen argumentiert Harmsen, dass es nun mehr Krisen selbst seien, die in ihrem häufigen und großräumigen Auftreten an der Form der Gesellschaft zerren
Partizipative Strukturen werden unterbrochen. Eine reaktive Phase tritt er ein, die als Übergangsphase sozialer Systeme gefasst werden könne.
Die Offenhamsen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für raumbezogene Sozialforschung. Und nun viel Spaß mit dem Vortrag.
Tjorven Harmsen
Ich komme aus der Krisenforschung und bringe zusätzlich ein systemheoretischen Hintergrund mit. Jetzt in diesem Vortrag möchte ich von der Coronapandemie als nur einer
Krise von mehreren, wie sie heute typisch sind ähm sprechen. Ich sage nämlich, dass wir in einer Weltkrisengesellschaft leben. Ähm ich möchte Ihnen nun an drei Punkten erklären, wieso ich das sage.
Erstens will ich zur Einordnung die Weltkrisengesellschaft einmal von Ulrich Beck und seiner Weltrisikogesellschaft abgrenzen ähm und zweitens will ich dann Krisen ganz allgemein definieren und davon ausgehen, dass
Krisenfälle heute häufiger und großräumiger auftreten.
Drittens will ich dann sagen, dass die Weltkrisengesellschaft eine Gesellschaft beschreibt, äh die sich im Übergang zwischen zwei Strukturformen befindet.
Also diese drei Punkte möchte ich etwas ausführlicher klären ähm und dazu zunächst zur Abgrenzung von Beck.
Wenn weg von Risiko spricht meint er die Antizipation der Katastrophe. Er sagt Risiken sind immer zukünftige Ereignisse die uns bedrohen.
Und Risiko hat also etwas mit der erwarteten Zukunft zu tun. In der Sprache Luhmanns äh kann man da auch von Folgeerwartungen sprechen.
Ähm Ulrich Beck hat dann 1986 sein Buch über die Risikogesellschaft veröffentlicht und er beschreibt dort eine zweite Reflexe, moderne, eine Moderne, also die sich
eigenen Struktureffekte
die sozusagen weiß, was sie anrichten kann. Ähm sie antwortet darauf, indem sie zukünftige Krisen sachlich antizipiert und und das auf Basis schon eingetreten nach hellem.
Ähm im selben Jahr also auch 1986 passierte der Reaktorunfall von Tschernobyl.
Und und Beck's Buch war zu dem Zeitpunkt schon fertig und deshalb schrieb er dann noch in einem Vorwort im Nachgang ähm ach wäre jetzt die Beschwörung einer Zukunft geblieben, die es zu verhindern gilt.
Back hat den Unfall als Bestätigung das Risikobegriff verstanden und 2007 sprach er dann ja sogar noch von der Weltrisikogesellschaft.
Ich finde was der Unfall aber wirklich zeigte ist dass die Zukunft sich nicht verhindern ließt sondern zunehmend als Gegenwart eintritt denn.
Und das frage ich, Struktureffekte der Gesellschaft ähm.
Lassen sich zunehmend nicht mehr auslagern, ähm also weder in die Zukunft, noch ins Gesellschaftsaußen auslagern, sondern sie müssen konkret bearbeitet werden und das in der Form von Krisen selbst.
Ich schlage deshalb vor, von einer Weltkrisengesellschaft zu sprechen.
Die Coronapandemie ist nur ein sehr deutliches Beispiel der Fälle die ich nun beschreiben möchte und sie erinnern sich vielleicht an das diesjährige Hochwasser in Deutschland ähm vielleicht an Fukushima im Jahre zweitausend11
an die Terroranschläge unter anderem in Berlin
zweitausendsechzehn ähm oder die sogenannte Flüchtlingskrise zweitausendfünfzehn.
Und so weiter. Also die Liste ist ziemlich lang geworden und all das sind real eingetretene Fälle der letzten Jahre.
Und obwohl Gesellschaft mit ihnen rechnete, sie erwartete ähm konnte sie sie weder aufhalten noch ungestört, weitermachen wie vorher.
Also trotz aller Erwartungen treten diese Krisen überraschend ein. Äh die Bedrohung liegt dann nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt.
Das geht dann auch nicht mehr nur um die Antizipation, sondern um die Reaktion
Die soziale Reaktion auf das, was an Folgewirkungen wieder zurückschlägt. Aktuell ähm weiß man mittlerweile, äh dass es.
Dass ein Coronavirus in der Welt äh von trotzdem muss man.
Grade mit jeder äh neuen Mutation schauen, was man tun kann und was man auch tun muss, ne. Also das führt mich jetzt
zu dir einen zweiten Punkt äh meines Vortrags und zu der Frage, was Krisen eigentlich sind. Ähm ich habe die letzten vier Jahre in einen BMWF geförderten Projekt mitgewirkt, in dem wir ganz
Krisen erforscht haben. Ähm wir, das heißt der Projektleiter Oliver Ebert am IRS ähm
unveränder Brings von der Uni Mainz und ich.
Und wir haben äh mit ganz unterschiedlichen Interviewpartnern über ihre Beteiligung an bestimmten Krisenfällen gesprochen. Ähm viele von denen arbeiten professionell mit Krisen.
Ähm wovon ich nun aber erstmal sprechen will ist ähm dass wir in diesem Projekt.
Ganz alt in einem mit einem mit einem ganz allgemeinen Krisenverständnis gearbeitet haben.
Wir sehen eine Krise dann zustande kommen sozusagen drei Zutaten
zusammenkommen, nämlich Bedrohung, Dringlichkeit und Unsicherheit.
Diese drei Merkmale sind nicht unabhängig von einem sie erlebenden System, also sie passieren nicht im luftleeren Raum ähm oder sind
von außen vorgegeben, sondern sie sind äh jedenfalls für Soziologen, Teil sozialer, so kommunikativer Systeme.
Und bei einer
handelt es sich deshalb eben um die fundamentale Bedrohung eines sozialen Bezugssystems, auf die es unter unsicherer Informationslage und unter Zeitdruck.
Reagieren muss. Also Bedrohung, ähm Dringlichkeit und Unsicherheit finden im System statt.
Das ist so 'ne allgemeine Definition von Krisen aber ich will ja auch über heute typische Krisen sprechen und wenn man sich Friesen heute anguckt dann fällt auf dass sie sich,
obwohl sie immer noch Ausnahmefälle darstellen ähm zunehmend an Grenzen und das räumlich unzeitlich,
in der Forschung zum Beispiel um
werden diese heute typischen Krisentranspowery Crisis genannt. Ähm die Beispiele eben wären alles Fälle solcher Transbombery
ähm Corona da an Vorderstab Front. Diese Krisenüberschreitenden gemachte Grenzen an äh
aller Art, also Grenzen aller Art, so wie zum Beispiel Ressorts, Staaten, Disziplin und so weiter.
Und als Soziologin
Natürlich schnell bei der Struktur der Gesellschaft selbst angekommen und damit gehe ich langsam in den dritten und größten Punkt über indem ich die Weltkrisengesellschaft etwas besser definieren will.
Dort
sozusagen auf die Reise gehen und Grenzen überschreiten, liegt an der Form der Gesellschaft selbst. Ähm genauer gesagt daran, dass ihre Teilsysteme stark voneinander abhängen und sich im Störfall sozusagen gegenseitig anstecken.
Und ja, wenn ihr zum Beispiel die Politik Maßnahmen beschließt, zum Beispiel ein Lockdown, dann hat das
Konsequenzen für die Wirtschaft und so weiter. Damit bin ich jetzt auch schon ganz bei Niklas Luhmann. Ähm ich nehme also einerseits an, dass die Gesellschaft eine Weltgesellschaft ist.
Alle Kommunikationen auf der Erde umgreift und das findet sich äh bei Rudolf Stichweg ganz gut aufgearbeitet. Ähm also es gibt damit Gesellschaft nur noch einmal.
Ähm auf der anderen Seite aber gibt es
keine zentrale Stelle von der aus diese Gesellschaft gelenkt werden könnte. Ähm es gibt viele viele Teilsysteme.
Allen voran jedenfalls in der Moderne, ähm die funktionalen Teilsysteme. Es gibt also Politik, Wirtschaft, Recht,
Und was weiß ich für Teilsysteme, ähm die jeweils ihre eigenen Logiken verfolgen und nur von dort aus Gesellschaft darstellen.
In einer ja transboundery Crisis äh kann man nun sehen, dass es zu Großstörungen in diesem Eyelogy Eigenlogiken kommt.
Diese Störungen zwingen Gesellschaft in den Wandel. Ähm ich will das jetzt nicht
durchdeklinieren an den einzelnen Teilsystemen wie Luhmann das getan hätte. Außerdem ist
ähm hier schon einmal vor mir auf dieser Eigenlogik und auf auch entstehende Zielkonflikte eingegangen. Ähm ich will selbst hier jetzt nur einen anderen Aspekt nochmal herausstellen, nämlich ähm
was genau in einem sozialen äh System im Krisenverlauf passiert. Ähm.
Und da will ich äh einmal vorstellen, dass man grundsätzlich zwei Phasen
im Krisenverlauf unterscheiden kann und das Ganze wird in Gang gesetzt mit einem heißen Reiz, ähm der einen so komplett aus dem Alltag herausreist
Also man weiß ganz schnell, man kann darauf nicht alltäglich reagieren. Was man aber nicht weiß ist, wie man angemessen reagieren kann.
Ähm und was hier passiert, ist dann keine normale Erwartungsentäuschung, sondern eine Unterbrechung von Erwartungen. Das ist so eine erste Phase,
einer Krise und was da passiert, das nennt Karl Waik Sinn Kollaps. Sinnkollabierter ähm.
Beteiligte sind
Sehr stark kognitiv eingeschränkt ähm und die Interviewpartner aus unserem Projekt zum Beispiel sagten, sie befinden sich in ihrem Verstehen hinter der Lage.
Ähm und
Dann in der zweiten Phase einer Krise ist das Problem anders gelagert. Äh neben dem Sinn Kollaps ähm oder nach diesem Sinnkollaps
es dann zu einem plötzlichen Schwallanseln ähm jeder will wissen was abgeht und um die Krise zu lösen muss man ganz viel reden, schreiben, hm E-Mails verschicken, Telefonate führen, Meetings einberufen
Unsere Interviewpartner sprachen da von einer Kommunikationswolke, die man dann auch noch zusätzlich verarbeiten muss.
Die Krise ist vorbei, wenn man's schließlich schafft vor die Lage zu kommen. Ähm also wieder in die eigenen Erwartungsstrukturen und Eigenlogiken zurückkehren zu können.
Also nochmal, es gibt es kommt in Krisen und das
Wie in Corona auch manchmal abwechselnd zu einem Kollaps von Sinn und zu einem Schwall von Sinnen. Da wird dann einmal die Lehre zum Problem und das andere Mal die Fülle.
Ähm und in beiden Fällen aber befindet sich das System selbst in so einem,
Statt zwischen uns verlagert seinen Schwerpunkt weg von Struktur hin zu einem aktuellen Prozess, der in Frage steht.
Ähm das bekommt dann so eine andere Logik. Ähm einen ansonsten an Strukturorientiertes System will seinen Anschluss vor dem Eintreten eines Ereignisses wahrscheinlicher machen.
Ein Risiko kann das noch der Fall sein.
Ähm ein prozessorientiertes System ähm versucht nach dem Eintreten eines Ereignisses Anschluss herzustellen und das ist verstärkt in der Krise der Fall.
Dieses dazwischen zwei Strukturorientierten Systemphasen will ich deshalb als Übergangsphase
bezeichnen. Krise ist also eine Übergangsphase im System.
Und das kann man aus meiner Sicht auch auf Gesellschaft als Ganze übertragen in der Weltkrisengesellschaft
Krisenfälle an der Struktur ähm funktionaler Teilsysteme
Sie fordern diese Teilsysteme auf sich zu verändern. Ähm trotzdem kann man noch nicht sehen, wohin dieser Übergang führt. Ähm
nur um vielleicht doch noch ein Beispiel zu nennen, sichtbar wird ähm wird zum Beispiel das.
Zur Krisenbewältigung verstärkt Transdisziplinär gearbeitet wird. So das sieht man zum Beispiel an der Bildung von Krisenstäben, in denen mehrere Organisationen und funktionslogiken an einem Tisch sitzen.
An der gerade verstärkten Zusammenarbeit von Politik mit Beratunggremien aus der Wissenschaft
Krisen führen zu Verschränkungen zwischen.
Verschiedenen Funktionslobbyken und diese Verschränkung selbst führt zu etwas Neuem. Wird nämlich versucht auch
Gemeinsame Sprache zu finden und eine gemeinsame Logik zu entwickeln, die die Krise gut beantworten kann. Ähm äh
Gleich in der Diskussion äh kann ich vielleicht noch einmal aus einem aktuellen Projekt äh erzählen, in dem ich gerade mitarbeite. Da geht es um die Entwicklung eines neuen Praxisformats für die Zusammenarbeit aus Wissenschaft und Politik.
In Krisen. Ähm dazu aber vielleicht
Ähm nun noch einmal so etwas Dinge Zusammenfassung um diesen Vortrag abzurunden. Ich sage also, wir ähm leben in einer Weltkrisengesellschaft und die funktionale Differenzierung ist noch immer
träge genug, um sich nicht aufzugeben
Trotzdem schlagen ihr in Form von Transboundery-Crisis äh die eigenen Struktureffekte um die Ohren.
Ähm Krisen sind selbst kreative Momente im sozialen System, in denen Bedrohung, Dringlichkeit und Unsicherheit vorherrschen.
Betroffene Systeme verlieren den Halt in ihren Erwartungsstrukturen und das fordert sie auf, sich strukturell zu verändern.
Ähm das war's nun erstmal meinerseits. Vielen Dank fürs Zuhören und ich freue mich jetzt auf die Diskussion.
Jan Wetzel
Vielen Dank äh für den Vortrag. Äh ich würde einsteigen mit äh inhaltlichen Nachfragen, die gerade im Chat gekommen sind äh und die sich beide auf die Abgrenzung zu Beck's These eben der Risikogesellschaft beziehen ähm ist ihre These ähm ersetzt die
äh äh Back oder ist in der Ergänzung, ist es so ein Zusammenspiel, es wird auch gesagt, es kann ja das Risiko in die Krise münden, also sie verdrängen sich nicht,
Können Sie zu dem äh Verhältnis von beiden Begriffen noch mal äh etwas sagen?
Tjorven Harmsen
Ähm ja vielleicht kann ich dazu zwei Dinge sagen. Einmal würde ich sagen, Krise umgreift auch.
Risikobegriff, ähm der Risikobegriff ist so in der Vorkrisenzeit zu verorten und der versucht halt.
Mit der Krise zu rechnen und Krise selbst kann ähm
ja Zweifach verstanden werden, einmal so als umgreifend vor Krise nach Krise, aber andererseits auch
Als und den Punkt wollte ich hier stark machen, deshalb wollte ich's halt abgrenzen vom Risiko, eine Krise tritt ein und unterbricht Erwartungen. Das heißt, Risiko ist ein
Strukturbegriff, weil Antizipation.
Von Krisen dort betrieben wird. Also es ist ein ähm Strukturmerkmal von Gesellschaft. So hat merkt das ja auch definiert und Krise selbst.
Stellt Strukturen in Frage und deshalb würde ich sagen, das äh findet grade so eine Ablöse statt, aber die also
Krisengesellschaft soll halt keine Gesellschaft mit neuer Struktur beschreiben, sondern Übergang.
Das Schwein. Vielleicht kann ich darauf auch noch mal mit unseren Interviewpartnern antworten, die die sagen, Risiko ist auf Prävention von Krisen ausgerichtet eigentlich. Und im im Risikomanagement versucht man Wahrscheinlichkeiten abzu.
Schätzen, aber wenn man Krisenmanagement,
betreibt, dann gibt's zwar auch diese Vorkrisenzeit, in der man die Krise erwartet, aber trotzdem erwartet man die ganze soziale Reaktion mit.
Und also man erwartet nicht nur, dass dieses sachliche Ereignis, was da eintritt, sondern man erwartet, dass es zum Beispiel zu einer Chaosphase kommt oder zu diesem Moment, wo man hinter der Lage ist.
Jan Wetzel
Ähm eine Frage, die sich da so ein bisschen anschließt ähm und ich mich ähm noch gefragt habe, äh einmal hat man natürlich Krisen, äh wie man sie dann auch empirisch feststellen kann.
Andererseits hat man mancher das Gefühl, Massenmedial hat sich natürlich auch die Diagnose von Krise sozusagen verschoben. Also es wirkt es manchmal neigt man vielleicht auch mehr, sozusagen Krisen herbeizureden. Wer zu zu viel gesagt, aber zumindest zu übersteigern und stark in so einen Krisenmodus reinzugehen
ist da die Soziologe eine Möglichkeit zu sagen, okay hier geht's nur um die Kommunikation von Krise, aber solang sozusagen Business as you as usual noch ist, dann ist es eigentlich gar keine,
Krise. Also wie kann man das unterscheiden, dass über Krisen gesprochen wird, Krisen über Krisen kommuniziert wird und das sozusagen echte Krisen eintreten? Kann man das überhaupt scharf unterscheiden?
Tjorven Harmsen
Also da führen wir auch, also wir sind Teil eines Leibniz-Forschungsverbundes und da kommt's immer mal zu so Diskussionen, gerade am Thema Klimawandel. Ist der Klimawandel mehr Krise oder ist es.
Keine Krise und ähm Leute, die so aus naturwissenschaftlichen Richtungen kommen, die sagen, es ist eindeutig eine Krise.
Wir würden so auch gar nicht in Absprache stellen, dass äh dass das sehr problematisch ist, was da passiert auf dieser.
Natürlichen Ebene, aber trotzdem gehen wir erst von einem Krisenbegriff auf
schon inner sozial als solcher verhandelt wird, also erst wenn innersozial darauf reagiert wird, was in der Umwelt stattfindet, dann ist es eine Krise,
da spielen diese drei Merkmale eine Rolle, die ich gerade sagte. Genau, also wir können das nicht unabhängig von
dem sozialen Beruf gehen und was da darauf antwortet. Und genau, ich werde das für die Soziologie halt vorschlagen, um auch ähm,
Begriff Schärfung vorzunehmen. Ähm also nicht allgemein überall von Krisen zu sprechen, sondern erst von Krisen zu sprechen, wenn es gesellschaftlich als Krise verhandelt wird.
Jan Wetzel
Ähm darin anschließend äh äh sie haben ja grad schon die Beispiele gebracht im Zeug der Klimakrise. Ähm muss man.
Da unterscheiden, woher die Krise kommt, worauf sie sich bezieht. Ich glaube so was wie ähm die Coronakrise, die ja eben was mit dem menschlichen Körper erstmal zu tun hat
ist natürlich was anderes als die Klimakrise, die eher was mit den Ökosystemen zu tun hat und wieder was anderes als jetzt eine Finanzkrise, die sozusagen eher aus den systemischen Dynamiken des Finanzmarkte.
Kommt. Äh wo muss man da solche Unterscheidungen machen oder sind die vielleicht gar nicht so relevant.
Tjorven Harmsen
Genau für uns aus dem Projekt heraus sind diese Unterscheidungen gar nicht so relevant, weil,
Wir haben, wie ich's gesagt habe, ein allgemeines Krisenverständnis. Das wird auch All-Hasets und Coach äh genannt und da ist es, da kann man dann unterscheiden ähm
Also dass die Krise verschiedene Auslöser hat, den Auslöser an sich kann man unterscheiden.
Also das ist ein Virus ist oder dass es äh eine starke Regenereignis ist oder so. Das kann man natürlich festmachen. Aber dann,
Die Krise selbst.
Die passiert ähm als Reaktionsmechanismus darauf. Also diese Beantwortung des Auslösers das das ist eigentlich erst die Krise.
Und deshalb unterscheiden wir das ja, ja und deshalb ist es für uns gar nicht so wichtig gewesen äh diese Auslöser.
Stark zu unterscheiden. Wir haben selber auch drei verschiedene Fallstudien erhoben in dem Projekt. Einmal zum Thema ähm
Fette Wandel in der Porzellanindustrie und da gibt's dann so Krisenfälle in Porzellan-Unternehmen. Ähm und in regionalen.
System. Äh dann haben wir uns mit der.
In Anführungsstrichen, Flüchtlingskrise 2015 auseinandergesetzt und die aber als Verwaltungskrise gefasst, also nicht als Flüchtlingskrise oder so, weil das nur Auslöser war, die Migrationsbewegung, sondern als Verwaltungskrise.
Als dritten Fall hatten wir so komplexe Unfälle auf sie also Schiffs ähm Unfälle.
Und wir haben die ziemlich gleich analysiert.
Jan Wetzel
Ähm äh vielleicht wenn wir eh bei dem Projekt sind, äh weil das kam glaube ich auch im Chat, aber habe ich mich auch gefragt, ähm was sind denn dann
die relevanten Gruppen, die man unterscheidet. Also auf der Gesellschaftstheoretischen Ebene äh ist das natürlich dann nicht äh äh sozusagen die Ebene über die man spricht. Dann spricht man eher über Allgemeinstrukturebenen. Aber in der Forschung, welche A
muss man da unterscheiden. Das hat ja auch was mit den sozusagen den Entscheidern zu tun, die da in den Krisenstäben zum Beispiel sitzen und denen, die nur betroffen sind, also ja, wie wie stellt sich da so eine Krise auf der Akteursebene dar?
Tjorven Harmsen
Wir haben das so unterschieden. Es gibt so äh strategisches, taktisches und operatives Krisenmanagement und wir haben so aus allen dreien Ebenen
mit Experten gesprochen, die sich also
diesen Themen in ihrem Alltag auch auseinandersetzen. Also die die sich die den ganzen Tag nichts anderes machen, wenn der Krisenfall noch nicht eingetreten ist, sich darauf vorzubereiten, dass er
eintreten könnte und das hat eine andere Art von Vorbereitung als.
Risikovorbereitung. Wir haben andererseits mit Betroffenen gesprochen, also mit Leuten, die noch nie in ihrem Berufsleben von Krise betroffen waren, die die es dann aber waren, haben uns von denen auch
deren Erfahrungen schildern lassen. Ähm genau und dann haben wir mit anderen Experten
Nämlich mit Experten, die noch nie in einer Krisensituation beraten haben, aber zu diesem Fall dazu gerufen wurden und vielleicht sonst mal als Berater schon eingebunden waren bei Betroffenen.
Unternehmen oder Organisationen oder so. Damit sind wir auch reingegangen in das Projekt mit so einer Unterscheidung
Experten in Krisen und Experten für Krisen zu unterscheiden und Experten in Krisen sind.
Leute mit nach Fachexpertise für den bestimmten Krisenfall, also die haben eine auch eine Sachexpertise, ne, also das sind dann Virologen zum Beispiel.
Die haben aber nicht unbedingt Erfahrung in in Krisensituationen.
So und die die können zum Beispiel aus der Wissenschaft kommen, aber es gibt auch andere Arten von Fachberatern äh und dann äh haben äh unterscheiden wir eben diese Experten für Krisen und das sind aus unserer Sicht,
Experten, also die kennen sich ganz genau aus mit Krisenverläufen.
Die haben diese Dreiteilung von Krisen zum Beispiel. Also jedes nach der Krise ist für die vor der Krise, die wissen ganz genau, wie man mit diesen Situationen umgeht.
Jan Wetzel
Ja, vielen Dank. Ich glaube, die letzte Unterscheidung ist auch für das zukünftige Krisenmanagement da ähm äh sehr wichtig, genau diese Experte für die Krise zu haben und nicht nur die sachliche Expertise. Äh vielleicht daran anschließend äh noch mal in Bezug auf ihre
äh ja Eingangsthese.
Wird ja viel in der Krise gesagt, das ist ein großes politisches Unvermögen da. Äh was da natürlich auf spezifisch auf die politischen Akteure bezogen wird. Äh ihre,
These steht ja dem so ein bisschen entgegen und sagt, es gibt auch wirklich dieses strukturellen Merkmale und es ist eben nicht nur das persönliche Versagen einer bestimmten äh politischen Elite. Äh was kann man vielleicht abschließen als so eine letzte Frage? Wir haben sie gleich schon halb.
Sagen zu diesem Verhältnis,
kann ihre Arbeit das auch erhellen, zu sehen, wo ist das kein persönliches politisches Versagen, wo kann vielleicht auch die Soziologie an dem Fall helfen mit diesen Krisen umzugehen? Also welche Rolle würde da diese Forschung auch die Krisensoziologie äh da spielen?
Tjorven Harmsen
Ich glaube schon, dass wir als Soziologie da eine Rolle spielen können, um wirklich diese.
Merkmale einer Krise zu beschreiben und da würde ich echt auch nochmal auf diese erste Phase in der Krise verweisen, wo wo man wirklich stark.
Einfach Querdefinitionen, also immer in Krisen hinkt man hinterher, kognitive.
Also das ist das, was die Interviewpartner halt so ähm sie befinden sich hinter der Lage.
Benennen. Also die befinden sich kognitive hinter der Lage und das ist ganz normal, dass also dadurch, dass die,
die Lage im Außen ähm so dynamisch und so überkomplex wahrgenommen wird ähm schaffen sie es nicht, das.
Zu verarbeiten, sondern das braucht dann erstmal ja Zeit, ähm um das zu verarbeiten und um dann Entscheidungen zu treffen und diese ersten Entscheidungen, die finden unter ganz.
Ja unvollständigen Informationen und ganz äh unsicheren Informationen statt und natürlich können diese
ganzen ersten Entscheidungen etwas auslösen, was dann auch negative Folgewirkungen haben und das ist einfach noch nicht abschätzbar.
Man trifft da eine Entscheidung an, weiß auch gleichzeitig, äh dass diese Entscheidung den weiteren Verlauf beeinflusst. Aber man man weiß es halt nicht im Voraus, wie.
So bildlich und deshalb gibt es auch diesen großen Bedarf an Beratung. Ähm wenn man in der Rolle des Entscheiders ist, also dann.
Äh jedenfalls das Wissen, was schon zur Verfügung steht und manchmal steht's ja noch nicht mal zur Verfügung, wie man in Corona am Anfang auch.
Konnte. Also da gab's noch keine Forschungsstände zu genau dem Virus.
Jan Wetzel
Den in unserem digitalen Kolloquium am 15. Dezember 2021 gehalten.
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