Roland Rau: Offene Fragen in der demographischen Mortalitätsforschung

Zweifellos ist die gegenw√§rtige Pandemie das weltweit einschneidenste Ereignis der letzten Jahrzehnte. Die √∂konomischen, sozialen, und psychologischen Folgen sind nur schwer zu prognostizieren. In seinem Beitrag erl√§utert Roland Rau aus Sicht eines Demographen, welche Fragen sich f√ľr die Mortalit√§tsforschung ergeben und welche Probleme es bei der Beantwortung geben wird. Dabei geht es um grunds√§tzliche Fragen, wie man den Einfluss auf die Mortalit√§t √ľberhaupt messen sollte, aber Beispielsweise auch um Fragen, welche Rolle die Altersstruktur spielt.

Moderation: Joshua Perleberg

Ruud Koopmans: Ein Virus, das keine Grenzen kennt? ‚Äď Reiseverkehr, Einreisebeschr√§nkungen und die internationale Verbreitung von COVID-19

‚ÄěAbriegelung ist naiv, das Virus wird trotzdem kommen‚Äú, so klang es lange von Seiten der WHO, der EU und der Verantwortlichen in Deutschland. W√§hrenddessen schlossen bereits andere nationale Regierungen ihre Grenzen. Am 17. M√§rz folgte die Kehrtwende auch in der EU, als sie ein Einreiseverbot f√ľr Menschen aus Nicht-EU-L√§ndern verh√§ngte und Deutschland kurz darauf auch f√ľr Italiener*innen. Wer hatte nun Recht? Diejenigen, die Einreisebeschr√§nkungen ablehnten, oder die L√§nder, die sich fr√ľhzeitig dazu entschlossen? Die vorl√§ufigen empirischen Analysen von Ruud Koopmans legen nahe, dass der Glaube, das Virus sei nicht durch Grenzen zu bremsen, ein fataler Irrtum war.

Moderation: Melinda Erdmann

Martina Löw und Hubert Knoblauch: Die Corona-Krise und die Refiguration des Raumes

Die Umorganisation des gesellschaftlichen Lebens zum Schutz menschlicher K√∂rper hat tiefgreifende Folgen f√ľr die r√§umliche Struktur der Gesellschaft. Von der Schlie√üung von Geb√§uden, √∂ffentlichen Pl√§tzen, St√§dten und ganzen Staaten bis hin zu einer massiven Reduktion globaler Mobilit√§t.

In ihrem Vortrag diagnostizieren Martina L√∂w und Hubert Knoblauch einen Konflikt zwischen der Container-Logik des Nationalstaates und der Logik des Netzwerkraumes der Globalisierung und des Digitalen. Die derzeitige Dominanz nationaler Bew√§ltigungsstrategien fordert die Soziologie dabei epistemologisch heraus, etwa methodologischen Nationalismus zu vermeiden und transnationale Mobilit√§t zu ber√ľcksichtigen.

Weitere Informationen finden Sie auch im Blog des SFB 1265 “Re-Refiguration von R√§umen”.

Moderation: Jan Wetzel

Anna Henkel: Corona-Test f√ľr die Gesellschaft

Anna Henkel beleuchtet in Ihrem Vortrag den Umgang der moderne Gesellschaft mit der Corona-Krise. Die Gesellschaft steht immer vor der Herausforderung, sich mit den ihr zur Verf√ľgung stehenden (sozialen) Mitteln auf Gef√§hrdungen einzustellen. F√ľr die Gesellschaft sind √∂kologische, technologische oder erdsystemische Gef√§hrdungen r√§umlich und zeitlich oft fern. Eine in diesem Sinne ferne Pandemiegefahr ist mit Corona jedoch pl√∂tzlich ganz nah. Darin liegt aus Sicht der Soziologie f√ľr die Gesellschaft die Chance eines Stresstests.

Moderation: Joshua Perleberg

Gabriele Klein und Katharina Liebsch: K√∂rper im ‚ÄěAusnahmezustand‚Äú

In ihrem Vortrag gehen Gabriele Klein und Katharina Liebsch aus k√∂rpersoziologischer Perspektive Fragen nach dem Ablauf und dem Vollzug der gegenw√§rtigen Ver√§nderungen durch die Corona-Pandemie nach. In der Bek√§mpfung der Pandemie wurden zahlreiche K√∂rperpraktiken f√ľr hochgradig ansteckend und damit f√ľr gef√§hrlich erkl√§rt. Damit werden auch leibliche Erfahrungen neu klassifiziert ‚Äď und dies, so ist zu vermuten, nicht nur in Zeiten der akuten und Monate dauernden Krisenbek√§mpfung, sondern auch mit nachhaltigen Folgen.

Daher wird in diesem Vortrag folgenden Fragen nachgegangen: Welche Neu-Klassifikationen der Körper entstehen mit den neuen Ge- und Verboten körperlicher Begegnung? Wie werden diese legitimiert? Wie integrieren Individuen diese in ihren Alltag?

Moderation: Joshua Perleberg

Heinz Bude: Legitimationsglaube, Folgebereitschaft und Verhaltensorientierung

Heinz Bude stellte in seinem Vortrag die Bedeutung der Corona-Krise f√ľr gesellschaftliche Solidarit√§t dar. Die Krise sieht er als totales soziales Ph√§nomen. An die Stelle von Freiheit individueller Selbstverantwortung, die die letzten Jahrzehnte pr√§gten, treten Verletzbarkeit und gegenseitige Abh√§ngigkeit. Die Staatsbed√ľrftigkeit der Gesellschaft und M√∂glichkeiten einer neuen Solidarit√§t werden sichtbar.

In dieser Grundkonstellation stellt Bude, dem Titel seines Vortrags folgend, Legitimationsglaube, Folgebereitschaft und Verhaltensorientierung der Bevölkerung in der aktuellen Situation dar.

Moderation: Jan Wetzel

Rainer Schnell und Menno Smid: Methodische Probleme und L√∂sungen f√ľr eine epidemiologische Coronaforschung

In ihrem Vortrag gaben Rainer Schnell und Menno Smid eine Übersicht der Kritikpunkte aktueller Letalitäts- und Mortalitätsstatistiken. Dabei gingen sie der Frage nach, welcher Datenbedarf aus ihrer Sicht besteht, welchen Inhalt entsprechende Erhebungen haben sollten und wie Stichprobendesign und Datenerhebung aussehen könnten, um die tatsächlichen Infektionszahlen und durch die Infektionen verursachten Todesfälle zu messen.

Moderation: Ellen von den Driesch

Armin Nassehi: Die Infektion der Gesellschaft

In seinem Vortrag geht Armin Nassehi der Frage nach, wie eine Gesellschaft, die nicht wie aus einem Guss reagieren kann, mit der Corona-Infektion umgeht. Ausgehend von der Beobachtung, dass nicht nur der menschliche Körper, sondern auch die Gesellschaft offensichtlich vom Corona-Virus infiziert ist, analysiert Nassehi die Abwehrreaktionen gesellschaftlicher Funktionssysteme auf diese Infektion.

Moderation: Ellen von den Driesch

Karl Ulrich Mayer: Soziologie der Pandemie

In seinem Vortrag gibt Karl Ulrich Mayer einen ersten √úberblick, welchen Beitrag der analytische Werkzeugkasten der Soziologie zur Bew√§ltigung der Coronakrise leisten kann. Wer in welchem Ma√üe von der Krise betroffen ist, hat viel mit sozialer Ungleichheit zu tun. Sie bestimmt, wie Kontakt- und Ansteckungsrisiken, Zugangschancen zu medizinischer Behandlung und Sterberisiken gesellschaftlich verteilt sind. Ein exaktes Wissen √ľber diese Wirkungen braucht, um zu verhindern, dass die Coronakrise soziale Ungleichheit weiter versch√§rft. 

Moderation: Jan Wetzel