Alexander Bogner: Zwischen Virologie und Verschwörungstheorie: Expertise in der Coronakrise

Am 7. Oktober 2020 hielt Alexander Bogner einen Vortrag mit dem Titel: ‚ÄěZwischen Virologie und Verschw√∂rungstheorie: Expertise in der Coronakrise‚Äú. Grundthese ist, dass in der Wissensgesellschaft viele Konflikte als Auseinandersetzungen um das richtige Wissen ausgetragen getragen werden. In diesen Wissenskonflikten, so Bogner, unterst√ľtze der Primat der Wissenschaft eine Politik der Alternativlosigkeit. Politischer Protest artikuliere sich daher oft als anti-rationalistisches Ressentiment. Alternative Fakten stehen alternativloser Politik gegen√ľber.

Alexander Bogner ist Dozent f√ľr Soziologie an der Universit√§t Wien und Senior Scientist an der √Ėsterreichischen Akademie der Wissenschaften. Er ist derzeit Vorsitzender der √Ėsterreichischen Gesellschaft f√ľr Soziologie.

Moderation: Jan Wetzel

Armin Nassehi: Was heißt es, auf die Wissenschaft zu hören?

Am 30. September ist die ‚Äězweite Staffel‚Äú des Kolloquiums gestartet. Den Auftakt bildete ein Vortrag von Armin Nassehi. In seinem Impuls reflektierte er die Ver√§nderungen, die die Krise sowohl f√ľr den innerwissenschaftlichen Diskurs, als auch im Kontakt der Wissenschaft mit der √Ėffentlichkeit mit sich bringt. Sein Vortrag tr√§gt den Titel: ‚ÄěWas hei√üt es, auf die Wissenschaft zu h√∂ren? Friktionen zwischen Wissenschaft und ihrem Publikum w√§hrend der Covid-Krise‚Äú.

Armin Nassehi ist Professor f√ľr Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU M√ľnchen und organisiert das Kolloquium mit.

Moderation: Jan Wetzel

Michaela Pfadenhauer: Corona-Pandemie ‚Äď Expertokratie oder Aufwind f√ľr die Profession?

In Ihrem Vortrag betrachtet Michaela Pfadenhauer die Folgen der Coronakrise aus Sicht einer Professionssoziologin. Die Bef√ľrchtung einer Expertokratie ist eine Begleiterscheinung nicht erst der Corona-Pandemie, sondern eine Sorge, die seit den 1960er Jahren im Hinblick insbesondere auf die Medizin zu h√∂ren ist und nicht nur als Bevormundung der Politik, sondern auch als Entm√ľndigung der Laien thematisiert wird. Wenn aber Politik und B√ľrger entmachtet werden, um wessen Herrschaft geht es gegenw√§rtig gegebenenfalls: um die Erm√§chtigung der wissenschaftlichen Disziplin Virologie, die der verbeamteten Forscher des Robert-Koch-Instituts oder der medizinischen Profession? Gegen√ľber deren generellem Niedergang scheint zumindest diese eine Profession im Aufwind zu sein, wenn zur Eind√§mmung der Corona-Pandemie das Gesundheitssystem allen anderen Teilsystemen √ľbergeordnet wird, weil es ‚Äěum Leben und Tod‚Äú geht.

Moderation: Joshua Perleberg

Martina Löw und Hubert Knoblauch: Die Corona-Krise und die Refiguration des Raumes

Die Umorganisation des gesellschaftlichen Lebens zum Schutz menschlicher K√∂rper hat tiefgreifende Folgen f√ľr die r√§umliche Struktur der Gesellschaft. Von der Schlie√üung von Geb√§uden, √∂ffentlichen Pl√§tzen, St√§dten und ganzen Staaten bis hin zu einer massiven Reduktion globaler Mobilit√§t.

In ihrem Vortrag diagnostizieren Martina L√∂w und Hubert Knoblauch einen Konflikt zwischen der Container-Logik des Nationalstaates und der Logik des Netzwerkraumes der Globalisierung und des Digitalen. Die derzeitige Dominanz nationaler Bew√§ltigungsstrategien fordert die Soziologie dabei epistemologisch heraus, etwa methodologischen Nationalismus zu vermeiden und transnationale Mobilit√§t zu ber√ľcksichtigen.

Weitere Informationen finden Sie auch im Blog des SFB 1265 “Re-Refiguration von R√§umen”.

Moderation: Jan Wetzel

Katrin Auspurg: Fieberhafte Forschung ‚Äď Warum Forschung derzeit wenig verl√§sslich ist und was wir dagegen tun k√∂nnen

Der Beitrag von Katrin Auspurg nimmt eine Meta-Perspektive auf die Forschung ein. Derzeit gibt es aufgrund der Aussetzung √ľblicher Qualit√§tsstandards etliche Anzeichen f√ľr eine ineffiziente Wissenschaft. Viele Thesen entbehren transparenter Grundlagen; zahlreiche ad-hoc Surveys verletzen methodologische Grundregeln. Verzerrte Ergebnisse k√∂nnen aber zu falschen Schlussfolgerungen f√ľhren und die Wissenschaftsskepsis der Bev√∂lkerung mehren.

Der Beitrag pl√§diert daher f√ľr eine st√§rker analytisch-empirische Forschung, basierend auf den Prinzipien verl√§sslicher Sozialforschung. Damit sich verl√§ssliche gegen√ľber √ľberhasteter Forschung durchsetzen kann, erscheinen zudem √Ąnderungen der Anreizstrukturen erforderlich: Hin zu mehr Forschungskooperationen, zu mehr Transparenz und intersubjektiver Nachvollziehbarkeit.

Moderation: Joshua Perleberg