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Dritte Staffel

Das Kolloquium startet in die dritte Staffel. Jeden Mittwoch um 11 Uhr zwei Vorträge à 15 Minuten mit anschließend 15 Minuten Diskussion, beginnend ab dem 20. Januar 2021.

Wenn Sie live dabei und mit den Vortragenden diskutieren wollen, melden Sie sich bitte hier an. Sie erhalten dann einen w√∂chentlichen Reminder mit den Zugangsdaten f√ľr das Kolloquium.

Das vollständige Programm der dritten Staffel finden sie hier.

Jan Fuhrmann: Die pandemische RealitaŐąt der Corona-Krise als Selbstbeschreibungskrise der modernen Gesellschaft

In seinem Vortrag vom 24. Februar 2021 setzte sich Jan Fuhrmann kritisch von einer systemtheoretischen Zeitdiagnose ab, die die Corona-Pandemie als Strukturkatastrophe der funktionalen Differenzierung sieht. Das Aussetzen von Wirtschaft oder Bildung sei weniger eine empirische Realit√§t, als eine Selbstbeschreibungskrise der modernen Gesellschaft. Diese m√ľsse die soziologische Theoriebildung √ľberwinden, um eine Sprache f√ľr die sich der Selbstbeschreibung entziehenden Interdependenzen zu entwickeln, die das Funktionieren von Gesellschaft auch in der Pandemie garantieren.

Jan Fuhrmann promoviert zur Zeit an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

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Jan Wetzel

Sebastian Moser und Tobias Schlechtriemen: Sozialfiguren der Corona-Pandemie

In ihrem Vortrag vom 24. Februar stellten Sebastian Moser und Tobias Schlechtriemen eine besondere Form der kommunikativen Bew√§ltigung der Corona-Pandemie vor: Sozialfiguren. Am Anfang der Pandemie standen der Hamsterk√§ufer und die Fensterklatscher, es folgten Virologe, Risikogruppen und Maskenverweigerer. Aus soziologischer Sicht lassen sich gerade an diesen Figuren die gesellschaftlichen Erfahrungs- und Problemlagen der Pandemie ablesen.

Die Forschungen sind im Rahmen eines interdisziplinären Projekts am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) entstanden. Die Texte zu den untersuchten Sozialfiguren sind im Blog des KWI zu finden.

Sebastian Moser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl f√ľr Geschlechterforschung am Institut f√ľr Soziologie T√ľbingen. Tobias Schlechtriemen ist Akademischer Rat am Institut f√ľr Soziologie der Universit√§t Freiburg und war im vergangenen Jahr Research Fellow am KWI.

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Jan Gehrmann

Leonie Tuitjer und Kerstin Schäfer: (Im)mobilität und (Un)gleichheiten während der Corona-Pandemie

In ihrem Vortrag vom 17. Februar 2021 pr√§sentierten Kerstin Sch√§fer und Leonie Tuitjer Ergebnisse einer Befragung zum Mobilit√§tsverhalten in Hannover w√§hrend des ersten Lockdowns im Fr√ľhjahr 2020. Im Zentrum der Untersuchung stand, ob die Befragten ihre Mobilit√§t gleicherma√üen reduzierten und welche sozialstrukturellen Faktoren ein ge√§ndertes Mobilit√§tsverhalten bedingten.

Leonie Tuitjer und Kerstin Sch√§fer arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut f√ľr Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universit√§t Hannover.

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Michelle Boden

Luis Aue: Warum setzen internationale GesundheitsexpertInnen auf Zauberkugeln? Autoritätsabhängige Interventionskonstruktion auf der Internationalen Sanitärkonferenz von 1892

GesundheitsexpertInnen haben seit der Konsolidierung √∂ffentlicher Gesundheit im sp√§ten 19. Jahrhundert immer wieder Interventionen favorisiert, die absolute L√∂sungen bei gleichzeitiger Singularisierung komplexer Probleme versprechen ‚Äď oft mit begrenztem Erfolg. Aufbauend auf aktuellen feldtheoretischen Ans√§tzen zu Expertise und Autorit√§t analysiert Luis Aue in seinem Vortrag vom 17. Februar 2021 die Internationale Sanit√§rkonferenz von 1892, auf der sich Experten zum ersten Mal auf eine internationale Gesundheitspolitik einigen konnten.

Luis Aue ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Globale Humanit√§re Medizin am Wissenschaftszentrum Berlin f√ľr Sozialforschung.

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Florian Binder

Michael Corsten und Hanna Haag: Was soll das Gerede von der ‚ÄěGeneration Corona‚Äú?

In ihrem Vortrag vom 10. Februar 2021 pr√§sentierten Michael Corsten und Hanna Haag Ergebnisse aus einer qualitativen L√§ngsschnittbefragung mit jungen Erwachsenen. Dabei gehen sie von der These aus, dass die Corona-Pandemie sich f√ľr diese Kohorte in der Such- bzw. Realisierungsphase ihres Lebens abspielt und daher ein generationenpr√§gendes Ereignis ist. Es wurden 40 narrative Interviews und 12 Gruppendiskussionen durchgef√ľhrt.

Die Befragten sehen sich besonders in Bezug auf Raum- und Zeitempfinden mit einer neuen Situation konfrontiert: Sie erleben sich als ‚Äěortlos‚Äú, f√ľhlen sich auf die Gegenwart zur√ľckgeworfen, wobei ihnen gleichzeitig eine Perspektive auf die Zukunft fehlt. Die ‚ÄěGeneration Corona‚Äú erlebt einen Verlust der Realit√§tstiefe durch digitale Kommunikation und f√ľhlt sich ohnm√§chtig gegen√ľber dem Weltgeschehen.

Die Erhebungen werden im Herbst 2021 weitergef√ľhrt. 

Michael Corsten ist Professor f√ľr Soziologie an der Universit√§t Hildesheim. Hanna Haag ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Postdoktorandin am Institut f√ľr Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung der Hochschule Zittau/G√∂rlitz.

Au√üerdem waren an der Vorbereitung des Vortrags Sascha Oswald und Tobias Wittchen beteiligt, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut f√ľr Sozialwissenschaften der Universit√§t Hildesheim.

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Marlene M√ľller-Brandeck

Simon Munzert: Wer nutzt die Corona-Warn-App? Tracking und Steigerung der Nutzung der COVID-19-Kontaktverfolgungs-App

In seinem Vortrag vom 3. Februar 2021 pr√§sentierte Simon Munzert Ergebnisse einer Studie √ľber die Bereitschaft zur Nutzung der Corona-Warn-App. Die Analyse kombiniert mobile Trackingdaten mit einer Online-Panel-Umfrage, um die tats√§chliche Nutzung der deutschen Corona-Warn-App zu messen und den Einfluss verschiedener Interventionen auf die Nutzung zu evaluieren.

Simon Munzert ist Assistant Professor of Data Science and Public Policy an der Hertie School in Berlin. Die Ergebnisse wurden in Nature Human Behaviour veröffentlicht.

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Silvio Suckow

Lukas Stoetzer: Affektive Polarisierung und moralische Dilemmata während der COVID-19-Pandemie

In seinem Vortrag vom 3. Februar 2021 pr√§sentierte Lukas Stoetzer Ergebnisse einer Studie zur affektiven Polarisierung in der COVID-19-Pandemie. Die Teilnehmer:innen einer Online-Befragung wurden vor die Frage gestellt, welche Patient:innen sie f√ľr die intensive medizinische Versorgung priorisieren w√ľrden. Neben den medizinischen Triage-Faktoren spielte die Parteilichkeit der Personen bei der Entscheidung eine Rolle. Folgen solcher affektiven Polarisierungen sind nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland, Italien, Polen und Brasilien zu beobachten.

Lukas F. Stoetzer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrbereich Politisches Verhalten im Vergleich der Humboldt-Universität zu Berlin sowie am Exzellenzcluster Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS).

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Florian Binder

Uta R√ľchel und Bastian Rottinghaus: Freiheit(en) in unsicheren Zeiten

In ihrem Vortrag vom 27. Januar 2021 stellten Uta R√ľchel und Bastian Rottinghaus¬†die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage zur Einsch√§tzung der Freiheitseinschr√§nkungen vor.

Ziel der Umfrage war es, eine detailliertere Besch√§ftigung mit dem Grundgesetz im Kontext der Corona-Pandemie anzuregen. Erfragt wurde die individuelle Sichtweise auf die eigene Betroffenheit von Grundrechtseinschr√§nkungen sowie das Vertrauen in Regierung und Justiz. Auch ging es um die Bedeutung von Medien und sozialen Netzwerken und die Wahrnehmung √∂ffentlicher Grundrechtsdebatten.

Uta R√ľchel hat Soziologie, Politik und Erziehungswissenschaften studiert. Bei¬†der Non-Profit-Organisation WIR MACHEN DAS leitet sie das Projekt ‚ÄěDemokratie? Eine Frage der Verfassung!‚Äú.

Bastian Rottinghaus ist Soziologe und freiberuflicher Berater. Er beschäftigt sich vor allem mit Erhebungsverfahren und hat die Ergebnisse der Umfrage ausgewertet.

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Charlotte Jöster-Morisse

Bertolt Meyer: Psychische Belastungen und Ressourcen von Arbeitnehmer:innen während der Corona-Pandemie in Deutschland: Eine Längsschnittuntersuchung

In seinem Vortrag vom 20. Januar 2021 präsentierte Bertolt Meyer zentrale Ergebnisse aus eine Befragung von 3862 Personen zur Wahrnehmung ihrer Arbeitssituation, zu psychischen Belastungen und zu ihren Ressourcen, die er und sein Team während der ersten Corona-Welle im Zeitraum April bis Juni 2020 erhoben haben. Die Personen wurden bis zu drei Mal befragt.

Die Daten zeigen, dass berufst√§tige Frauen st√§rker belastet sind als M√§nner, vor allem mit Kindern im Haushalt w√§hrend des Lockdowns im Homeoffice. Partnerunterst√ľtzung und Autonomie waren f√ľr berufst√§tige Frauen die wichtigsten Ressourcen. Insgesamt sprechen die Befunde eher f√ľr eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen w√§hrend der Pandemie.

Die Ergebnisse wurden in einem Paper im International Journal of Psychology veröffentlicht.

Bertolt Meyer ist Professor f√ľr Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz.

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Sandra Leumann

J√ľrgen Gerhards und Michael Z√ľrn: China und die westlich-liberalen Demokratien in der Systemkonkurrenz: Zeigt die Bew√§ltigung der Corona-Krise die √úberlegenheit einer technokratischen Autokratie?

Den Auftakt zur dritten Staffel unserer Reihe bildete ein Vortrag von J√ľrgen Gerhards und Michael Z√ľrn. Darin gehen sie von der Beobachtung aus, dass die Ma√ünahmen zur Pandemiebek√§mpfung in China effektiver waren als in vielen westlich-liberalen Demokratien. Davon ausgehend pl√§dieren sie f√ľr einen verst√§rkten staatlichen Kompetenzaufbau in der Digitalisierung als Grundlage daf√ľr, die internationalen Regeln in diesem Bereich langfristig mitgestalten zu k√∂nnen.

Der Vortrag beruht auf einem Artikel, der am 13. Januar 2021 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist.

J√ľrgen Gerhards ist Professor f√ľr Makrosoziologie an der Freien Universit√§t Berlin. Michael Z√ľrn ist Direktor der Abteilung ‚ÄěGlobal Governance‚Äú am Wissenschaftszentrum Berlin f√ľr Sozialforschung (WZB) und Professor f√ľr Internationale Beziehungen an der Freien Universit√§t Berlin.

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Jan Wetzel