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Zweite Staffel

Die zweite Staffel des digitalen Kolloquiums findet vom 30. September bis zum 25. November statt. Das Programm finden Sie hier.

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Lea Eileen Pöhls: Familienessen im Corona-Lockdown. Veränderungen der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten

In der Zeit des Corona-Lockdowns unterliegt der Familienalltag wesentlichen Ver√§nderungen, da Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung koordiniert werden m√ľssen. Auch die Organisation des Essalltags bedarf h√§ufig neuer Gestaltung, da Schulen und Kitas geschlossen sind und keine Verpflegung au√üer Haus stattfindet. In ihrem Vortrag stellt Lea Eileen P√∂hls dar, inwieweit der mit dem Coronavirus begr√ľndete Lockdown zu einer Ver√§nderung der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten in der Familie f√ľhrt und st√ľtzt sich auf die Auswertung von Ern√§hrungstageb√ľchern, die in zwei Etappen erhoben wurden: das Ern√§hrungstagebuch 1.0 vor der Corona-Krise und das Ern√§hrungstagebuch 2.0 w√§hrend des Corona-Lockdowns. Die Ergebnisse wurden explizit in Bezug auf die beruflichen Ver√§nderungen der Eltern w√§hrend des Lockdowns analysiert.

Lea Eileen P√∂hls ist Promotionsstudentin an der WISO Graduate School der Universit√§t Hamburg. Die in Ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Erhebungen, die im Rahmen ihres Dissertationsprojekts durchgef√ľhrt wurden.

Moderation: Florian Binder

Johannes Weyer: Krisenmanagement. Steuerungsfähigkeit des Staates und Akzeptanz der Bevölkerung

Der Erfolg eines Krisenmanagements in Corona-Gesellschaften hängt von der Steuerungsfähigkeit des Staates, aber auch der Bereitschaft der Menschen ab, den Empfehlungen der Politik zu folgen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. In seinem Vortrag vom 21. Oktober 2020 stellte Johannes Weyer Ergebnisse aktueller empirischer Studien zu beiden Themenkomplexen vor. Er entwickelt zudem Vorschläge, mit welchen Methoden die Soziologie denkbare Zukunftsszenarien durchspielen und so zum gesellschaftlichen Krisenmanagement beitragen kann.

Johannes Weyer ist Professor f√ľr Techniksoziologie an der Technischen Universit√§t Dortmund. Er befasst sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Systemen, der Steuerung (und Transformation) komplexer soziotechnischer Systeme sowie der Echtzeitgesellschaft.

Moderation: Jan Wetzel

Lisa Suckert: Zeitsoziologische Perspektiven. Die Corona-Krise als Ersch√ľtterung des kapitalistischen Zeitregimes

In ihrem Vortrag machte Lisa Suckert darauf aufmerksam, dass die Corona-Krise nicht nur zu einer Refiguration des Raumes, sondern auch der zeitlichen Ordnung der Gesellschaft gef√ľhrt hat.

Die Pandemie macht einen Umgang mit Zeit erforderlich, der mit der vorherrschenden kapitalistischen Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft kollidiert. Statt Beschleunigung und Wachstum gilt es zu verlangsamen und geduldig zu bleiben. St√§rker selbst zu leistende Sorgearbeit kostet Zeit, die f√ľr Erwerbsarbeit und Konsum fehlt. Die Vorstellung einer plan- undgestaltbaren Zukunft wird durch radikale Unsicherheit verdr√§ngt. Covid ersch√ľttert das kapitalistische Zeitregime, l√§sst aber auch dessen Eigenheiten, Paradoxien und Schwachstellen besonders deutlich hervortreten.

Lisa Suckert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut f√ľr Gesellschaftsforschung in K√∂ln. In ihrer wirtschaftssoziologischen Forschung setzt sie sich mit den Themen Kapitalismus, Zukunftsvorstellungen, Konventionen und Diskurse sowie Nachhaltigem Wirtschaften auseinander.

Moderation: Michelle Boden

Klaus Kraemer: Wirtschaftliches Handeln im Erwartungsvakuum. Der Shutdown der Eventökonomie aus wirtschaftssoziologischer Sicht

In seinem Beitrag richtete Klaus Kraemer den Blick auf die soziologischen Besonderheiten der aktuellen Wirtschaftskrise als einer Begleit- und Folgekrise der Covid-19-Pandemie. Die Basis bildete dabei die wirtschaftssoziologische Grund√ľberlegung, dass Wirtschaft solange eine stabile soziale Ordnung ausbildet, wie die Erwartungen der Marktakteure in die Zahlungsf√§higkeit und Vertragserf√ľllung aller anderen Marktteilnehmer nicht fortlaufend entt√§uscht werden. Ausgehend davon illustrierte er die Bedeutung von kollektiver Dissoziation f√ľr die Aufrechterhaltung elementarer wirtschaftlicher Aktivit√§ten in der Phase des Shutdowns am Beispiel von Unternehmen der Event√∂konomie.

Klaus Kraemer ist Professor f√ľr Angewandte Soziologie: Wirtschaft/Organisation, soziale Probleme am Institut f√ľr Soziologie der Karl-Franzens-Universit√§t Graz. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Wirtschaftssoziologie.

Moderation: Sandra Leumann

Hans-Werner Wahl und Anna Schlomann: √Ąltere Menschen in der COVID-19-Krise: Zwischen Trauma und Adaptation

√Ąltere Menschen sind in besonderer Weise von der Corona-Pandemie betroffen. So trugen Pflegeheimbewohner*innen am st√§rksten zur Gesamtmortalit√§t in der ersten Phase der Corona-Krise bei. Aber auch √§ltere Menschen in Privathaushalten sind auf unterschiedliche Weise betroffen. Beispielsweise wurden durch die Einstufung als ‚ÄěRisikogruppe‚Äú allein aufgrund des Alters negative Altersstereotype und ein defizitorientiertes Bild des Alterns verst√§rkt. Zudem waren viele vorher selbstverst√§ndliche Aktivit√§ten, vor allem der Kontakt zu Verwandten und Freunden, pl√∂tzlich nicht mehr m√∂glich.

Hans-Werner Wahl fragt, ob dies alles auch √Ąlteren in Privathaushalten geschadet hat, oder ob gerade die √Ąlteren mit ihrer Lebenserfahrung besonders gut gewappnet sind, die Corona-Erfahrungen ‚Äěwegzustecken‚Äú? Daf√ľr vergleicht er die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Zufriedenheit mit sozialen Kontakten sowie auf die allgemeine Lebenszufriedenheit von Personen im mittleren und h√∂heren Alter.

Hans-Werner Wahl ist Seniorprofessor f√ľr Psychologie und einer der Direktoren des Netzwerks Alternsforschung an der Universit√§t Heidelberg. Sein besonderes Forschungsinteresse gilt der Lebensspannen- und Alterspsychologie. Den Vortrag hat er zusammen mit Anna Schlomann erarbeitet, die als Postdoktorandin und u.a. zum Thema Digitalisierung im Kontext von alternden Bev√∂lkerungen forscht.

Moderation: Sandra Leumann

Alexander Bogner: Zwischen Virologie und Verschwörungstheorie: Expertise in der Coronakrise

Am 7. Oktober 2020 hielt Alexander Bogner einen Vortrag mit dem Titel: ‚ÄěZwischen Virologie und Verschw√∂rungstheorie: Expertise in der Coronakrise‚Äú. Grundthese ist, dass in der Wissensgesellschaft viele Konflikte als Auseinandersetzungen um das richtige Wissen ausgetragen getragen werden. In diesen Wissenskonflikten, so Bogner, unterst√ľtze der Primat der Wissenschaft eine Politik der Alternativlosigkeit. Politischer Protest artikuliere sich daher oft als anti-rationalistisches Ressentiment. Alternative Fakten stehen alternativloser Politik gegen√ľber.

Alexander Bogner ist Dozent f√ľr Soziologie an der Universit√§t Wien und Senior Scientist an der √Ėsterreichischen Akademie der Wissenschaften. Er ist derzeit Vorsitzender der √Ėsterreichischen Gesellschaft f√ľr Soziologie.

Moderation: Jan Wetzel

Michaela Kreyenfeld und Sabine Zinn: Väterliches Engagement in der Coronakrise

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat das Leben von Familien ma√ügeblich beeinflusst. W√§hrend des ‚ÄöLockdowns‚Äė im Fr√ľhjahr 2020 wurden Schulen, Kinderg√§rten und Spielpl√§tze geschlossen. Auf die Betreuung durch Gro√üeltern konnten M√ľtter und V√§ter w√§hrend dieser Zeit ebenso wenig zur√ľckgreifen wie auf die Betreuung durch Babysitter oder andere ‚Äöhaushaltsfremde‚Äė Personen.  Vor dem Hintergrund der ohnehin sehr traditionellen Strukturen in Deutschland wurde erwartet, dass die Corona-Krise einer Re-Traditionalisierung der familialen Verhaltensweisen Vorschub leisten k√∂nnte.

In ihrem Beitrag schlie√üen Michaela Kreyenfeld und Sabine Zinn sich an diese Debatte an, in dem sie untersuchen, wie sich die Zeit, die M√ľtter und V√§ter mit ihren Kindern verbringen, im Zuge des Lockdowns ver√§ndert hat. Als Datenbasis dienen das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) aus dem Jahr 2019 sowie die Zusatzbefragung SOEP-Cov, die 2020 im Feld war.

Michaela Kreyenfeld ist Professorin f√ľr Soziologie an der Hertie School. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Familiendemographie, Lebenslaufanalyse, Sozialpolitik und Migration. Sabine Zinn leitet den Bereich Surveymethodik und -management am Sozio-oekonomischen Panel.

Moderation: Joshua Perleberg

Armin Nassehi: Was heißt es, auf die Wissenschaft zu hören?

Am 30. September ist die ‚Äězweite Staffel‚Äú des Kolloquiums gestartet. Den Auftakt bildete ein Vortrag von Armin Nassehi. In seinem Impuls reflektierte er die Ver√§nderungen, die die Krise sowohl f√ľr den innerwissenschaftlichen Diskurs, als auch im Kontakt der Wissenschaft mit der √Ėffentlichkeit mit sich bringt. Sein Vortrag tr√§gt den Titel: ‚ÄěWas hei√üt es, auf die Wissenschaft zu h√∂ren? Friktionen zwischen Wissenschaft und ihrem Publikum w√§hrend der Covid-Krise‚Äú.

Armin Nassehi ist Professor f√ľr Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU M√ľnchen und organisiert das Kolloquium mit.

Moderation: Jan Wetzel

Jutta Allmendinger und Jan Wetzel: Vertrauen und Kontrolle in der Corona-Krise

Gesellschaftliches Zusammenleben ist auf Vertrauensbeziehungen angewiesen. Ob Politik, Medien oder auch nur die eigenen Nachbarn: Man kann andere niemals vollst√§ndig kontrollieren, braucht also Vertrauen. Gleichzeitig kann Vertrauen nur schenken, wer ein Mindestma√ü an Kontrolle √ľber sich und seine Umwelt hat. Die Coronakrise ist in diesem Sinne auch eine Vertrauenskrise. Sie hinterfragt Selbstverst√§ndlichkeiten des Alltags, bringt Kontrollverlust mit sich, und damit auch Anl√§sse zum Misstrauen.

Moderation: Ellen von den Driesch