Valentina Di Stasio und Tobias Stark: The role of social networks in promoting compliance with social distancing measures: evidence from the Netherlands

In their study, based on survey evidence from a representative sample of Dutch respondents taking part in an online panel, Valentina Di Stasio and Tobias Stark examine the association between the social norms of one’s social network and the likelihood to comply with social distancing measures to prevent the spread of Covid-19. Their results show that compliance is stronger for people whose network members follow the rules (descriptive social norm) and expect others to do the same (injunctive social norm). They also present results from a survey experiment in which they test whether this association can be given a causal interpretation.

Valentina Di Stasio is Assistant Professor at the Department of Interdisciplinary Social Science and the European Research Centre on Migration and Ethnic Relations at Utrecht University Her research interests are in the field of social stratification, with a focus on inequalities produced in the labour market.

Tobias Stark is Assistant professor (tenured) at the Department of Interdisciplinary Social Science at Utrecht University. His research interests are in the field of ethnic prejudice and interethnic relations. In particular the link between prejudice and social networks.

Moderation: Florian Binder

Gabriele Klein und Katharina Liebsch: Vom Ausnahmezustand zum Krisenmodus. Körper in der Corona-Pandemie

In ihrem Beitrag vom 18. November 2020 diskutieren Gabriele Klein und Katharina Liebsch die Bedeutung der Fortsetzung des Ausnahmezustands und die Verstetigung des Krisenhaften, die mit dem ‚Äösocial distancing‚Äė f√ľr die K√∂rper verbunden ist. Die anhaltende Pr√§senz des Au√üergew√∂hnlichen ‚Äď Masken, Abstandsgebote, Kontaktbeschr√§nkungen, ‚Äölockdown light‚Äė ‚Äď versetzt die K√∂rper in einen Krisen-Modus, der anhand von zwei Fragen veranschaulicht werden soll: Was bedeutet die Verstetigung des Ausnahme-Zustands f√ľr Prozesse der Vergesellschaftung von K√∂rpern und Subjekten?Welche grundlegenden Transformationen von K√∂rperpraktiken und K√∂rperordnungen bringen die ‚ÄěK√∂rper im Krisen-Modus‚Äú hervor?

Gabriele Klein ist Professorin f√ľr Soziologie und Psychologie von Bewegung, Sport und Tanz am Institut f√ľr Bewegungswissenschaft der Universit√§t Hamburg. Katharina Liebsch ist Professorin f√ľr Soziologie an der Helmut-Schmidt-Universit√§t Hamburg.

Moderation: Joshua Perleberg

Roland Rau: (Über-)Sterblichkeit während der Corona-Pandemie

Ein wichtiger Indikator f√ľr die Einsch√§tzung einer Pandemie ist die Sterblichkeit, insbesondere die √úbersterblichkeit, auch Exzess-Mortalit√§t genannt. In seinem Vortrag vom 11. November 2o2o stellt Roland Rau was man unter Exzess-Mortalit√§t versteht und wie man diese misst. Zudem stellt er die Ergebnisse f√ľr Deutschland bis zur 41. Kalenderwoche (Verf√ľgbarkeit am 6. November 2020) vor und kontrastiert diese mit den Entwicklungen anderer L√§nder sowie ausgew√§hlten Bundesstaaten in den USA.

Roland Rau ist Professor f√ľr Demographie an der Universit√§t Rostock und Leiter der Forschungsgruppe Mathematische Demografie am Max-Planck-Institut f√ľr Demografische Forschung.

Moderation: Joshua Perleberg

Manfred Prisching: Viren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet ‚Äď eine wissenssoziologische Perspektive

Die Corona-Krise ver√§ndert das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Medien und √Ėffentlichkeit, so die Grundannahme von Manfred Prisching. In seinem Vortrag vom 11. November mit dem Titel ‚ÄěViren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet‚Äú schlug er eine wissenssoziologische Perspektive auf Ver√§nderungsprozesse vor. Die Corona-Pandemie fordert Weltsichten heraus. Sie ver√§ndert die Rolle von Nichtwissen f√ľr Wissenschaft, Politik und Medien. Sie geht mit einer neuen Visualit√§t der Pandemie einher, in Statistiken oder Piktogrammen. Schlie√ülich erfordert ihre Bew√§ltigung eine politische Symbolik.

Manfred Prisching ist emeritierter Professor f√ľr Soziologie an der Universit√§t Graz und hat sich in seiner Arbeit mit gesellschaftlichen Krisen sowie wissenssoziologischen und zeitdiagnostischen Fragen besch√§ftigt.

Moderation: Jan Wetzel

Fraya Frehse: Gegenwärtige Räumlichkeiten sozialer Interaktionen und post-Corona-Urbanität in São Paulo (Brasilien)

Wenn Urbanit√§t auf der Pluralit√§t sozialer Alltagsinteraktionen im Stadtraum beruht, dann ist sie auch zeitlich: Interaktionen produzieren Raum. Zeit-raumsoziologisch befragt Fraya Frehse, was die R√§umlichkeiten von (nicht-)verbalen Interaktionen bzgl. der Corona-Ma√ünahmen in S√£o Paulo √ľber diese Stadt nach Corona aussagen. Soziale Ungleichheiten historischer Natur verweben sich r√§umlich mit der Corona-Krise so, dass f√ľnf Typen von post-Corona-Urbanit√§t zum Vorschein kommen.

Fraya Frehse ist seit 2006 Professorin f√ľr Soziologie (Schwerpunkt Alltags-, Stadt- und Raumsoziologie) an der Universidade de S√£o Paulo.

Moderation: Florian Binder

Stefan Liebig und Simon K√ľhne: Drei Monate leben unter Corona-Beschr√§nkungen. Zentrale Ergebnisse aus der SOEP-CoV-Studie

Im Zeitraum April bis Juni wurden mehr als 6000 Personen aus Haushalten, die an den j√§hrlichen Erhebungen des Sozio-oekonomischen Panels teilnehmen, zu ihrer Lebenssituation in der Pandemie und ihren Wahrnehmungen und Bewertungen befragt. Damit ist es m√∂glich, sowohl Ver√§nderungen im Vergleich zu den Jahren vorher, als auch Dynamiken √ľber den Beobachtungszeitraum hinweg festzustellen. In diesem Beitrag berichten Simon K√ľhne und Stefan Liebig zentrale Ergebnisse mit Blick auf die sozio-√∂konomische Situation der Haushalte, die Art und Weise, wie sie mit den sozialen und √∂konomischen Einschr√§nkungen durch die Pandemie umgegangen sind und wie sich dies im subjektiven Wohlbefinden und der psychischen Verfasstheit widerspiegelt.

Stefan Liebig ist Direktor des Sozio-oekonomischen Panels sowie wissenschaftliches Vorstandsmitglied des DIW Berlin. Zudem ist er seit 2019 Professor f√ľr Soziologie an der Freien Universit√§t Berlin.
Simon K√ľhne arbeitet am Lehrstuhl f√ľr Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden der Fakult√§t f√ľr Soziologie der Universit√§t Bielefeld.

Moderation: Joshua Perleberg

Anja Weiß: Wie genau ändert Corona die Struktur sozialer Ungleichheiten?

Im Kolloquium wurde immer wieder die Wirkung der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten thematisiert ‚Äď wohl eine der wichtigsten Aufgaben, die die Soziologie bei der wissenschaftlichen Analyse der Krise hat. Empirisch nachzuvollziehen, welche Wirkungen die Krise hat, ist dabei die eine Herausforderung ‚Äď sie theoretisch zu konzeptionieren die andere.

In ihrem Vortrag vom 28. Oktober 2020 machte Anja Wei√ü einen Vorschlag, der Vielfalt von Ungleichheitsstrukturen gerecht zu werden. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass soziale Ressourcen nur in bestimmten Kontextrelationen umgesetzt werden k√∂nnen. Auf solche Relationen hat die Corona-Pandemie unterschiedliche Folgen. So verst√§rkt sie zwar bestehende Ungleichheiten, bringt aber auch neue hervor ‚Äď etwa einem Cleavage zwischen Personen, die unter k√∂rperlicher Ko-Pr√§senz arbeiten m√ľssen, und solchen, die raumzeitlich zunehmend Flexibilit√§t gewinnen.

Anja Wei√ü ist Professorin f√ľr Soziologie an der Universit√§t Duisburg-Essen mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse.

Moderation: Jan Wetzel

Marius Meinhof: Orientalismus und Covid-19

Koloniale Stereotype, die bis heute in der Darstellung Chinas nachwirken, haben die fr√ľhe Berichterstattung um Covid-19 in China beeinflusst und ein Fundament f√ľr eklatante Fehleinsch√§tzungen der Pandemie und der chinesischen Strategien der Pandemiebek√§mpfung geschaffen.

In seinem Vortrag legt Marius Meinhof den Schwerpunkt auf orientalistische Stereotypisierungen. Er zeigt, wie zun√§chst vom sp√§ten Januar bis zum fr√ľhen M√§rz ein Neuer Orientalismus, der China als das autorit√§re Andere darstellt, die Berichterstattung pr√§gte, und ab April ein Reflexiver Orientalismus aufkommt, der den Neuen Orientalismus reflexiv als Strategie zum Schutz der Demokratie rechtfertigt.

Marius Meinhof ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dresden. Der regionale Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf China.

Moderation: Sandra Leumann

Lea Eileen Pöhls: Familienessen im Corona-Lockdown. Veränderungen der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten

In der Zeit des Corona-Lockdowns unterliegt der Familienalltag wesentlichen Ver√§nderungen, da Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung koordiniert werden m√ľssen. Auch die Organisation des Essalltags bedarf h√§ufig neuer Gestaltung, da Schulen und Kitas geschlossen sind und keine Verpflegung au√üer Haus stattfindet. In ihrem Vortrag stellt Lea Eileen P√∂hls dar, inwieweit der mit dem Coronavirus begr√ľndete Lockdown zu einer Ver√§nderung der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten in der Familie f√ľhrt und st√ľtzt sich auf die Auswertung von Ern√§hrungstageb√ľchern, die in zwei Etappen erhoben wurden: das Ern√§hrungstagebuch 1.0 vor der Corona-Krise und das Ern√§hrungstagebuch 2.0 w√§hrend des Corona-Lockdowns. Die Ergebnisse wurden explizit in Bezug auf die beruflichen Ver√§nderungen der Eltern w√§hrend des Lockdowns analysiert.

Lea Eileen P√∂hls ist Promotionsstudentin an der WISO Graduate School der Universit√§t Hamburg. Die in Ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Erhebungen, die im Rahmen ihres Dissertationsprojekts durchgef√ľhrt wurden.

Moderation: Florian Binder

Johannes Weyer: Krisenmanagement. Steuerungsfähigkeit des Staates und Akzeptanz der Bevölkerung

Der Erfolg eines Krisenmanagements in Corona-Gesellschaften hängt von der Steuerungsfähigkeit des Staates, aber auch der Bereitschaft der Menschen ab, den Empfehlungen der Politik zu folgen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. In seinem Vortrag vom 21. Oktober 2020 stellte Johannes Weyer Ergebnisse aktueller empirischer Studien zu beiden Themenkomplexen vor. Er entwickelt zudem Vorschläge, mit welchen Methoden die Soziologie denkbare Zukunftsszenarien durchspielen und so zum gesellschaftlichen Krisenmanagement beitragen kann.

Johannes Weyer ist Professor f√ľr Techniksoziologie an der Technischen Universit√§t Dortmund. Er befasst sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Systemen, der Steuerung (und Transformation) komplexer soziotechnischer Systeme sowie der Echtzeitgesellschaft.

Moderation: Jan Wetzel