Jan Wetzel: Das Kolloquium hinter den Kulissen

Im Kolloquium vom 9. Dezember 2020 nutzten wir die Gelegenheit, ein bisschen Transparenz herzustellen. Jan Wetzel stellte Beobachtungen der letzten Monate, Daten zur Verbreitung und Nutzung des Podcasts sowie sich daran anschließende Fragen vor.

Britta Klopsch und Anne Sliwka: Wie die Pandemie die ‚ÄěGrammatik der Schule‚Äú ver√§ndert

In ihrem Vortrag vom 9. Dezember 2020 argumentierten Britta Klopsch und Anne Sliwka, dass die traditionellen Struktur- und Prozessmerkmale der Schule, die ihre Urspr√ľnge im Industriezeitalter haben, f√ľr ein Lernen in der heutigen Wissensgesellschaft nicht mehr geeignet sind. Besonders deutlich wird dies vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die mit der Pandemie einhergehen. Entlang von vier Gestaltungsachsen zeigen sie, wie die Organisationslogik der Schule jetzt neu ausgerichtet werden kann, um alle Sch√ľlerinnen und Sch√ľler optimal zu erreichen und in ihrem Lernen zu unterst√ľtzen.

Anne Sliwka ist Professorin f√ľr Bildungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Schulp√§dagogik an der Universit√§t Heidelberg. Britta Klopsch ist Juniorprofessorin am Karlsruher Institut f√ľr Technologie.

Moderation: Sandra Leumann

Jan Wetzel: Wie die Krise den Blick auf die Gesellschaft verändert. Ergebnisse der Vermächtnisstudie

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie erfordert Verhaltensanpassungen im Alltag ebenso wie umfassende Maßnahmen in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Die Bereitschaft der Bevölkerung, die Veränderungen mitzutragen, ist abhängig davon, wie eigene Einstellungen und eigenes Verhalten im Vergleich zu anderen gesehen werden. In seinem Vortrag vom 2. Dezember 2020, der auf Paneldaten der Vermächtnisstudie beruht, stellte Jan Wetzel Veränderungen dar, die sich hier zeigen.

Jan Wetzel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe der Pr√§sidentin am Wissenschaftszentrum Berlin f√ľr Sozialforschung.

Moderation: Joshua Perleberg

Andreas Knie: Räumliche Mobilität in der Coronakrise: Renaissance des Autos?

In seinem Vortrag vom 2. Dezember 2020 stellte Andreas Knie auf der Grundlage empirischer Daten aus Befragungen und Tracking-Apps dar, wie sich das Verkehrsverhalten in Deutschland, insbesondere bei Autos und dem öffentlichen Personenverkehr, in der Corona-Krise verändert hat.

Andreas Knie leitet die Forschungsgruppe “Digitale Mobilit√§t und gesellschaftliche Differenzierung” am Wissenschaftszentrum Berlin f√ľr Sozialforschung und ist Professor f√ľr Soziologie an der Technischen Universit√§t Berlin.

Moderation: Sandra Leumann

Valentina Di Stasio und Tobias Stark: The role of social networks in promoting compliance with social distancing measures: evidence from the Netherlands

In their study, based on survey evidence from a representative sample of Dutch respondents taking part in an online panel, Valentina Di Stasio and Tobias Stark examine the association between the social norms of one’s social network and the likelihood to comply with social distancing measures to prevent the spread of Covid-19. Their results show that compliance is stronger for people whose network members follow the rules (descriptive social norm) and expect others to do the same (injunctive social norm). They also present results from a survey experiment in which they test whether this association can be given a causal interpretation.

Valentina Di Stasio is Assistant Professor at the Department of Interdisciplinary Social Science and the European Research Centre on Migration and Ethnic Relations at Utrecht University Her research interests are in the field of social stratification, with a focus on inequalities produced in the labour market.

Tobias Stark is Assistant professor (tenured) at the Department of Interdisciplinary Social Science at Utrecht University. His research interests are in the field of ethnic prejudice and interethnic relations. In particular the link between prejudice and social networks.

Moderation: Florian Binder

Gabriele Klein und Katharina Liebsch: Vom Ausnahmezustand zum Krisenmodus. Körper in der Corona-Pandemie

In ihrem Beitrag vom 18. November 2020 diskutieren Gabriele Klein und Katharina Liebsch die Bedeutung der Fortsetzung des Ausnahmezustands und die Verstetigung des Krisenhaften, die mit dem ‚Äösocial distancing‚Äė f√ľr die K√∂rper verbunden ist. Die anhaltende Pr√§senz des Au√üergew√∂hnlichen ‚Äď Masken, Abstandsgebote, Kontaktbeschr√§nkungen, ‚Äölockdown light‚Äė ‚Äď versetzt die K√∂rper in einen Krisen-Modus, der anhand von zwei Fragen veranschaulicht werden soll: Was bedeutet die Verstetigung des Ausnahme-Zustands f√ľr Prozesse der Vergesellschaftung von K√∂rpern und Subjekten?Welche grundlegenden Transformationen von K√∂rperpraktiken und K√∂rperordnungen bringen die ‚ÄěK√∂rper im Krisen-Modus‚Äú hervor?

Gabriele Klein ist Professorin f√ľr Soziologie und Psychologie von Bewegung, Sport und Tanz am Institut f√ľr Bewegungswissenschaft der Universit√§t Hamburg. Katharina Liebsch ist Professorin f√ľr Soziologie an der Helmut-Schmidt-Universit√§t Hamburg.

Moderation: Joshua Perleberg

Roland Rau: (Über-)Sterblichkeit während der Corona-Pandemie

Ein wichtiger Indikator f√ľr die Einsch√§tzung einer Pandemie ist die Sterblichkeit, insbesondere die √úbersterblichkeit, auch Exzess-Mortalit√§t genannt. In seinem Vortrag vom 11. November 2o2o stellt Roland Rau was man unter Exzess-Mortalit√§t versteht und wie man diese misst. Zudem stellt er die Ergebnisse f√ľr Deutschland bis zur 41. Kalenderwoche (Verf√ľgbarkeit am 6. November 2020) vor und kontrastiert diese mit den Entwicklungen anderer L√§nder sowie ausgew√§hlten Bundesstaaten in den USA.

Roland Rau ist Professor f√ľr Demographie an der Universit√§t Rostock und Leiter der Forschungsgruppe Mathematische Demografie am Max-Planck-Institut f√ľr Demografische Forschung.

Moderation: Joshua Perleberg

Manfred Prisching: Viren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet ‚Äď eine wissenssoziologische Perspektive

Die Corona-Krise ver√§ndert das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Medien und √Ėffentlichkeit, so die Grundannahme von Manfred Prisching. In seinem Vortrag vom 11. November mit dem Titel ‚ÄěViren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet‚Äú schlug er eine wissenssoziologische Perspektive auf Ver√§nderungsprozesse vor. Die Corona-Pandemie fordert Weltsichten heraus. Sie ver√§ndert die Rolle von Nichtwissen f√ľr Wissenschaft, Politik und Medien. Sie geht mit einer neuen Visualit√§t der Pandemie einher, in Statistiken oder Piktogrammen. Schlie√ülich erfordert ihre Bew√§ltigung eine politische Symbolik.

Manfred Prisching ist emeritierter Professor f√ľr Soziologie an der Universit√§t Graz und hat sich in seiner Arbeit mit gesellschaftlichen Krisen sowie wissenssoziologischen und zeitdiagnostischen Fragen besch√§ftigt.

Moderation: Jan Wetzel

Fraya Frehse: Gegenwärtige Räumlichkeiten sozialer Interaktionen und post-Corona-Urbanität in São Paulo (Brasilien)

Wenn Urbanit√§t auf der Pluralit√§t sozialer Alltagsinteraktionen im Stadtraum beruht, dann ist sie auch zeitlich: Interaktionen produzieren Raum. Zeit-raumsoziologisch befragt Fraya Frehse, was die R√§umlichkeiten von (nicht-)verbalen Interaktionen bzgl. der Corona-Ma√ünahmen in S√£o Paulo √ľber diese Stadt nach Corona aussagen. Soziale Ungleichheiten historischer Natur verweben sich r√§umlich mit der Corona-Krise so, dass f√ľnf Typen von post-Corona-Urbanit√§t zum Vorschein kommen.

Fraya Frehse ist seit 2006 Professorin f√ľr Soziologie (Schwerpunkt Alltags-, Stadt- und Raumsoziologie) an der Universidade de S√£o Paulo.

Moderation: Florian Binder

Stefan Liebig und Simon K√ľhne: Drei Monate leben unter Corona-Beschr√§nkungen. Zentrale Ergebnisse aus der SOEP-CoV-Studie

Im Zeitraum April bis Juni wurden mehr als 6000 Personen aus Haushalten, die an den j√§hrlichen Erhebungen des Sozio-oekonomischen Panels teilnehmen, zu ihrer Lebenssituation in der Pandemie und ihren Wahrnehmungen und Bewertungen befragt. Damit ist es m√∂glich, sowohl Ver√§nderungen im Vergleich zu den Jahren vorher, als auch Dynamiken √ľber den Beobachtungszeitraum hinweg festzustellen. In diesem Beitrag berichten Simon K√ľhne und Stefan Liebig zentrale Ergebnisse mit Blick auf die sozio-√∂konomische Situation der Haushalte, die Art und Weise, wie sie mit den sozialen und √∂konomischen Einschr√§nkungen durch die Pandemie umgegangen sind und wie sich dies im subjektiven Wohlbefinden und der psychischen Verfasstheit widerspiegelt.

Stefan Liebig ist Direktor des Sozio-oekonomischen Panels sowie wissenschaftliches Vorstandsmitglied des DIW Berlin. Zudem ist er seit 2019 Professor f√ľr Soziologie an der Freien Universit√§t Berlin.
Simon K√ľhne arbeitet am Lehrstuhl f√ľr Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden der Fakult√§t f√ľr Soziologie der Universit√§t Bielefeld.

Moderation: Joshua Perleberg