Rainer Schnell und Sonja Haug: Impfbereitschaft und Einstellungen zu Alternativmedizin und Verschwörungstheorien

In ihrem Vortrag vom 9. Juni 2021 stellten Rainer Schnell und Sonja Haug Ergebnisse einer telefonischen Befragung zur Impfbereitschaft und zu Einstellungen zu Alternativmedizin und Verschw√∂rungstheorien vor. Neben methodischen Hinweisen problematisiert der Vortrag die Frage, welche rationalen Erkl√§rungen es f√ľr Impfskepsis gibt. Als wichtigster Faktor bei dem einen Drittel der Befragten, das sich impfskeptisch √§u√üerte, zeigte sich eine deutliche √úbersch√§tzung der H√§ufigkeit von Nebenwirkungen.

Der Preprint ist auf ResearchGate abrufbar.

Rainer Schell ist Professor f√ľr Empirische Sozialforschung an der Universit√§t Duisburg-Essen.

Sonja Haug ist Professorin f√ľr Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.

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Jan Wetzel

Christian Gerhards: Betriebliches Qualifizierungsverhalten in der Corona-Pandemie

In seinem Vortrag vom 5. Mai 2021 ging Christian Gerhards der Frage nach, wie die Corona-Pandemie das Qualifizierungsverhalten deutscher Betriebe beeinflusst. Die Ergebnisse stammen aus der Erhebungswelle des Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung aus dem Jahr 2020. Das “BIBB-Qualifizierungspanel” ist eine repr√§sentative Wiederholungsbefragung von 3500 Betrieben in Deutschland und wird vom Bundesinstitut f√ľr Berufsbildung durchgef√ľhrt. Die Erhebung zeigt auf, welche Betriebe von der Pandemie besonders betroffen sind und analysiert Strukturen und Entwicklungen des betrieblichen Qualifizierungsgeschehens.

Christian Gerhards ist Soziologe und arbeitet beim Bundesinstitut f√ľr Berufsbildung in der Abteilung ‚ÄěBerufsbildungsforschung und Berufsbildungsmonitoring‚Äú.

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Charlotte Jöster-Morisse

Ines Michalowski und Eylem Kanol: Religiosität während der Covid-19-Pandemie in Deutschland

In ihrem Vortrag vom 28. April 2021 pr√§sentierten Ines Michalowski und Eylem Kanol erste Ergebnisse aus der WZB-Corona-Umfrage. Ihre Analyse ging der Frage nach, ob die Pandemie zu einer erh√∂hten Religiosit√§t in Deutschland gef√ľhrt hat. Eine der f√ľhrenden S√§kularisierungstheorien basiert auf der Beobachtung, dass die eigene Existenz bedrohende, egotropische Risiken und die Existenz der eigenen sozialen Gruppe bedrohende, soziotropische Risken positiv mit einer st√§rkeren Religiosit√§t korrelieren. Je eher die Menschen also in der Lage sind, ihre Umwelt zu kontrollieren, desto weniger ben√∂tigen sie Religion zur Verarbeitung von Kontingenzerfahrungen.

Die Corona-Pandemie liegt mindestens in Teilen au√üerhalb der menschlichen Kontrolle. F√ľhrt dies zu einem Anstieg von Religiosit√§t? Bereits existierende Studien fanden solch einen Zusammenhang in den katholischen und vergleichsweise religi√∂sen L√§ndern Italien und Polen, nicht jedoch in den st√§rker s√§kularisierten Niederlanden. Die vorl√§ufigen Auswertungen von Michalowski und Kanol zeigen, dass die Corona-Pandemie in Deutschland nicht zu erh√∂hter Religiosit√§t gef√ľhrt hat, weder auf Bundes- noch auf Kreisebene.

Ines Michalowski ist Professorin f√ľr Religionssoziologie an der Universit√§t M√ľnster und seit 2021 WZB-Fellow mit Anbindung an die Abteilung Migration, Integration und Transnationalisierung des WZB.

Eylem Kanol ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Migration, Integration und Transnationalisierung am WZB.

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Florian Binder

Felix Wolter und Claudia Diehl: Selbstinteresse oder politische Überzeugungen? Zur Erklärung von Einstellungen zu Corona-Eindämmungsmaßnahmen

In ihrem Vortrag vom 28. April 2021 pr√§sentierten Felix Wolter und Claudia Diehl erste Ergebnisse einer Umfrage zur Unterst√ľtzung oder Ablehnung der Corona-Eind√§mmungsma√ünahmen. Die Analyse basiert auf zwei Wellen von deutschen Umfragedaten aus dem ersten (N=3334) und zweiten “Lockdown” im Herbst 2020 (N=3282). Die Ergebnisse zeigen, dass Eigeninteresse sowie wirtschaftliche und famili√§re Bedrohung eine begrenzte Rolle bei der Erkl√§rung von Einstellungen zu Eind√§mmungsma√ünahmen spielen. Bedeutsamer sind langfristige politische Orientierungen wie das Vertrauen in den Staat und, ob die befragte Person in Ost- oder Westdeutschland lebt.

Die Ergebnisse sind auch in einem Policy Paper der Universität Konstanz veröffentlicht.

Felix Wolter arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Soziologie und im Excellenzcluster “The Politics of Inequality” an der Universit√§t Konstanz im Team von Claudia Diehl.

Claudia Diehl ist Professorin f√ľr Mikrosoziologie an der Universit√§t Konstanz.

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Silvio Suckow

J√ľrgen Gerhards und Michael Z√ľrn: China und die westlich-liberalen Demokratien in der Systemkonkurrenz: Zeigt die Bew√§ltigung der Corona-Krise die √úberlegenheit einer technokratischen Autokratie?

Den Auftakt zur dritten Staffel unserer Reihe bildete ein Vortrag von J√ľrgen Gerhards und Michael Z√ľrn. Darin gehen sie von der Beobachtung aus, dass die Ma√ünahmen zur Pandemiebek√§mpfung in China effektiver waren als in vielen westlich-liberalen Demokratien. Davon ausgehend pl√§dieren sie f√ľr einen verst√§rkten staatlichen Kompetenzaufbau in der Digitalisierung als Grundlage daf√ľr, die internationalen Regeln in diesem Bereich langfristig mitgestalten zu k√∂nnen.

Der Vortrag beruht auf einem Artikel, der am 13. Januar 2021 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist.

J√ľrgen Gerhards ist Professor f√ľr Makrosoziologie an der Freien Universit√§t Berlin. Michael Z√ľrn ist Direktor der Abteilung ‚ÄěGlobal Governance‚Äú am Wissenschaftszentrum Berlin f√ľr Sozialforschung (WZB) und Professor f√ľr Internationale Beziehungen an der Freien Universit√§t Berlin.

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Jan Wetzel

Fraya Frehse: Gegenwärtige Räumlichkeiten sozialer Interaktionen und post-Corona-Urbanität in São Paulo (Brasilien)

Wenn Urbanit√§t auf der Pluralit√§t sozialer Alltagsinteraktionen im Stadtraum beruht, dann ist sie auch zeitlich: Interaktionen produzieren Raum. Zeit-raumsoziologisch befragt Fraya Frehse, was die R√§umlichkeiten von (nicht-)verbalen Interaktionen bzgl. der Corona-Ma√ünahmen in S√£o Paulo √ľber diese Stadt nach Corona aussagen. Soziale Ungleichheiten historischer Natur verweben sich r√§umlich mit der Corona-Krise so, dass f√ľnf Typen von post-Corona-Urbanit√§t zum Vorschein kommen.

Fraya Frehse ist seit 2006 Professorin f√ľr Soziologie (Schwerpunkt Alltags-, Stadt- und Raumsoziologie) an der Universidade de S√£o Paulo.

Moderation: Florian Binder

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Stefan Liebig und Simon K√ľhne: Drei Monate leben unter Corona-Beschr√§nkungen. Zentrale Ergebnisse aus der SOEP-CoV-Studie

Im Zeitraum April bis Juni wurden mehr als 6000 Personen aus Haushalten, die an den j√§hrlichen Erhebungen des Sozio-oekonomischen Panels teilnehmen, zu ihrer Lebenssituation in der Pandemie und ihren Wahrnehmungen und Bewertungen befragt. Damit ist es m√∂glich, sowohl Ver√§nderungen im Vergleich zu den Jahren vorher, als auch Dynamiken √ľber den Beobachtungszeitraum hinweg festzustellen. In diesem Beitrag berichten Simon K√ľhne und Stefan Liebig zentrale Ergebnisse mit Blick auf die sozio-√∂konomische Situation der Haushalte, die Art und Weise, wie sie mit den sozialen und √∂konomischen Einschr√§nkungen durch die Pandemie umgegangen sind und wie sich dies im subjektiven Wohlbefinden und der psychischen Verfasstheit widerspiegelt.

Stefan Liebig ist Direktor des Sozio-oekonomischen Panels sowie wissenschaftliches Vorstandsmitglied des DIW Berlin. Zudem ist er seit 2019 Professor f√ľr Soziologie an der Freien Universit√§t Berlin.
Simon K√ľhne arbeitet am Lehrstuhl f√ľr Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden der Fakult√§t f√ľr Soziologie der Universit√§t Bielefeld.

Moderation: Joshua Perleberg

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Anja Weiß: Wie genau ändert Corona die Struktur sozialer Ungleichheiten?

Im Kolloquium wurde immer wieder die Wirkung der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten thematisiert ‚Äď wohl eine der wichtigsten Aufgaben, die die Soziologie bei der wissenschaftlichen Analyse der Krise hat. Empirisch nachzuvollziehen, welche Wirkungen die Krise hat, ist dabei die eine Herausforderung ‚Äď sie theoretisch zu konzeptionieren die andere.

In ihrem Vortrag vom 28. Oktober 2020 machte Anja Wei√ü einen Vorschlag, der Vielfalt von Ungleichheitsstrukturen gerecht zu werden. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass soziale Ressourcen nur in bestimmten Kontextrelationen umgesetzt werden k√∂nnen. Auf solche Relationen hat die Corona-Pandemie unterschiedliche Folgen. So verst√§rkt sie zwar bestehende Ungleichheiten, bringt aber auch neue hervor ‚Äď etwa einem Cleavage zwischen Personen, die unter k√∂rperlicher Ko-Pr√§senz arbeiten m√ľssen, und solchen, die raumzeitlich zunehmend Flexibilit√§t gewinnen.

Anja Wei√ü ist Professorin f√ľr Soziologie an der Universit√§t Duisburg-Essen mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse.

Moderation: Jan Wetzel

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Lea Eileen Pöhls: Familienessen im Corona-Lockdown. Veränderungen der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten

In der Zeit des Corona-Lockdowns unterliegt der Familienalltag wesentlichen Ver√§nderungen, da Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung koordiniert werden m√ľssen. Auch die Organisation des Essalltags bedarf h√§ufig neuer Gestaltung, da Schulen und Kitas geschlossen sind und keine Verpflegung au√üer Haus stattfindet. In ihrem Vortrag stellt Lea Eileen P√∂hls dar, inwieweit der mit dem Coronavirus begr√ľndete Lockdown zu einer Ver√§nderung der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten in der Familie f√ľhrt und st√ľtzt sich auf die Auswertung von Ern√§hrungstageb√ľchern, die in zwei Etappen erhoben wurden: das Ern√§hrungstagebuch 1.0 vor der Corona-Krise und das Ern√§hrungstagebuch 2.0 w√§hrend des Corona-Lockdowns. Die Ergebnisse wurden explizit in Bezug auf die beruflichen Ver√§nderungen der Eltern w√§hrend des Lockdowns analysiert.

Lea Eileen P√∂hls ist Promotionsstudentin an der WISO Graduate School der Universit√§t Hamburg. Die in Ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Erhebungen, die im Rahmen ihres Dissertationsprojekts durchgef√ľhrt wurden.

Moderation: Florian Binder

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Johannes Weyer: Krisenmanagement. Steuerungsfähigkeit des Staates und Akzeptanz der Bevölkerung

Der Erfolg eines Krisenmanagements in Corona-Gesellschaften hängt von der Steuerungsfähigkeit des Staates, aber auch der Bereitschaft der Menschen ab, den Empfehlungen der Politik zu folgen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. In seinem Vortrag vom 21. Oktober 2020 stellte Johannes Weyer Ergebnisse aktueller empirischer Studien zu beiden Themenkomplexen vor. Er entwickelt zudem Vorschläge, mit welchen Methoden die Soziologie denkbare Zukunftsszenarien durchspielen und so zum gesellschaftlichen Krisenmanagement beitragen kann.

Johannes Weyer ist Professor f√ľr Techniksoziologie an der Technischen Universit√§t Dortmund. Er befasst sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Systemen, der Steuerung (und Transformation) komplexer soziotechnischer Systeme sowie der Echtzeitgesellschaft.

Moderation: Jan Wetzel

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