Judith Kohlenberger: Erreichbarkeit und sozio√∂konomische Herausforderungen von Migrant:innen und Gefl√ľchteten

In ihrem Vortrag vom 3. M√§rz pr√§sentierte Judith Kohlenberger erste Ergebnisse der noch laufenden qualitativen Studie ‚ÄěCOVID-19 und Migrationshintergrund‚Äú, die in Kooperation mit Gesundheit √Ėsterreich und dem √Ėsterreichischen Gesundheitsministerium durchgef√ľhrt wird.

Auf Basis getrenntgeschlechtlicher Gruppendiskussionen mit vier unterschiedlichen Migrant*innenpopulationen in √Ėsterreich (N=48) werden die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Menschen mit t√ľrkischem und BKS-Migrationsbiographie sowie Gefl√ľchtete aus Syrien und Afghanistan diskutiert. Im Fokus stehen Erreichbarkeit durch (erstsprachliche) Gesundheits- und Sicherheitsinformationen, soziale Auswirkungen im Bereich Familie, Wohnen und Einkommen sowie Diskriminierungserfahrungen durch die Mehrheitsgesellschaft.

Judith Kohlenberger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f√ľr Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversit√§t Wien.

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Moderation

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Silvio Suckow

Zu Gast

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Judith Kohlenberger

Leonie Tuitjer und Kerstin Schäfer: (Im)mobilität und (Un)gleichheiten während der Corona-Pandemie

In ihrem Vortrag vom 17. Februar 2021 pr√§sentierten Kerstin Sch√§fer und Leonie Tuitjer Ergebnisse einer Befragung zum Mobilit√§tsverhalten in Hannover w√§hrend des ersten Lockdowns im Fr√ľhjahr 2020. Im Zentrum der Untersuchung stand, ob die Befragten ihre Mobilit√§t gleicherma√üen reduzierten und welche sozialstrukturellen Faktoren ein ge√§ndertes Mobilit√§tsverhalten bedingten.

Leonie Tuitjer und Kerstin Sch√§fer arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut f√ľr Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universit√§t Hannover.

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Moderation

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Michelle Boden

Roland Rau: (Über-)Sterblichkeit während der Corona-Pandemie

Ein wichtiger Indikator f√ľr die Einsch√§tzung einer Pandemie ist die Sterblichkeit, insbesondere die √úbersterblichkeit, auch Exzess-Mortalit√§t genannt. In seinem Vortrag vom 11. November 2o2o stellt Roland Rau was man unter Exzess-Mortalit√§t versteht und wie man diese misst. Zudem stellt er die Ergebnisse f√ľr Deutschland bis zur 41. Kalenderwoche (Verf√ľgbarkeit am 6. November 2020) vor und kontrastiert diese mit den Entwicklungen anderer L√§nder sowie ausgew√§hlten Bundesstaaten in den USA.

Roland Rau ist Professor f√ľr Demographie an der Universit√§t Rostock und Leiter der Forschungsgruppe Mathematische Demografie am Max-Planck-Institut f√ľr Demografische Forschung.

Moderation: Joshua Perleberg

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Manfred Prisching: Viren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet ‚Äď eine wissenssoziologische Perspektive

Die Corona-Krise ver√§ndert das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Medien und √Ėffentlichkeit, so die Grundannahme von Manfred Prisching. In seinem Vortrag vom 11. November mit dem Titel ‚ÄěViren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet‚Äú schlug er eine wissenssoziologische Perspektive auf Ver√§nderungsprozesse vor. Die Corona-Pandemie fordert Weltsichten heraus. Sie ver√§ndert die Rolle von Nichtwissen f√ľr Wissenschaft, Politik und Medien. Sie geht mit einer neuen Visualit√§t der Pandemie einher, in Statistiken oder Piktogrammen. Schlie√ülich erfordert ihre Bew√§ltigung eine politische Symbolik.

Manfred Prisching ist emeritierter Professor f√ľr Soziologie an der Universit√§t Graz und hat sich in seiner Arbeit mit gesellschaftlichen Krisen sowie wissenssoziologischen und zeitdiagnostischen Fragen besch√§ftigt.

Moderation: Jan Wetzel

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Anja Weiß: Wie genau ändert Corona die Struktur sozialer Ungleichheiten?

Im Kolloquium wurde immer wieder die Wirkung der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten thematisiert ‚Äď wohl eine der wichtigsten Aufgaben, die die Soziologie bei der wissenschaftlichen Analyse der Krise hat. Empirisch nachzuvollziehen, welche Wirkungen die Krise hat, ist dabei die eine Herausforderung ‚Äď sie theoretisch zu konzeptionieren die andere.

In ihrem Vortrag vom 28. Oktober 2020 machte Anja Wei√ü einen Vorschlag, der Vielfalt von Ungleichheitsstrukturen gerecht zu werden. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass soziale Ressourcen nur in bestimmten Kontextrelationen umgesetzt werden k√∂nnen. Auf solche Relationen hat die Corona-Pandemie unterschiedliche Folgen. So verst√§rkt sie zwar bestehende Ungleichheiten, bringt aber auch neue hervor ‚Äď etwa einem Cleavage zwischen Personen, die unter k√∂rperlicher Ko-Pr√§senz arbeiten m√ľssen, und solchen, die raumzeitlich zunehmend Flexibilit√§t gewinnen.

Anja Wei√ü ist Professorin f√ľr Soziologie an der Universit√§t Duisburg-Essen mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse.

Moderation: Jan Wetzel

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Marius Meinhof: Orientalismus und Covid-19

Koloniale Stereotype, die bis heute in der Darstellung Chinas nachwirken, haben die fr√ľhe Berichterstattung um Covid-19 in China beeinflusst und ein Fundament f√ľr eklatante Fehleinsch√§tzungen der Pandemie und der chinesischen Strategien der Pandemiebek√§mpfung geschaffen.

In seinem Vortrag legt Marius Meinhof den Schwerpunkt auf orientalistische Stereotypisierungen. Er zeigt, wie zun√§chst vom sp√§ten Januar bis zum fr√ľhen M√§rz ein Neuer Orientalismus, der China als das autorit√§re Andere darstellt, die Berichterstattung pr√§gte, und ab April ein Reflexiver Orientalismus aufkommt, der den Neuen Orientalismus reflexiv als Strategie zum Schutz der Demokratie rechtfertigt.

Marius Meinhof ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dresden. Der regionale Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf China.

Moderation: Sandra Leumann

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Lea Eileen Pöhls: Familienessen im Corona-Lockdown. Veränderungen der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten

In der Zeit des Corona-Lockdowns unterliegt der Familienalltag wesentlichen Ver√§nderungen, da Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung koordiniert werden m√ľssen. Auch die Organisation des Essalltags bedarf h√§ufig neuer Gestaltung, da Schulen und Kitas geschlossen sind und keine Verpflegung au√üer Haus stattfindet. In ihrem Vortrag stellt Lea Eileen P√∂hls dar, inwieweit der mit dem Coronavirus begr√ľndete Lockdown zu einer Ver√§nderung der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten in der Familie f√ľhrt und st√ľtzt sich auf die Auswertung von Ern√§hrungstageb√ľchern, die in zwei Etappen erhoben wurden: das Ern√§hrungstagebuch 1.0 vor der Corona-Krise und das Ern√§hrungstagebuch 2.0 w√§hrend des Corona-Lockdowns. Die Ergebnisse wurden explizit in Bezug auf die beruflichen Ver√§nderungen der Eltern w√§hrend des Lockdowns analysiert.

Lea Eileen P√∂hls ist Promotionsstudentin an der WISO Graduate School der Universit√§t Hamburg. Die in Ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Erhebungen, die im Rahmen ihres Dissertationsprojekts durchgef√ľhrt wurden.

Moderation: Florian Binder

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Johannes Weyer: Krisenmanagement. Steuerungsfähigkeit des Staates und Akzeptanz der Bevölkerung

Der Erfolg eines Krisenmanagements in Corona-Gesellschaften hängt von der Steuerungsfähigkeit des Staates, aber auch der Bereitschaft der Menschen ab, den Empfehlungen der Politik zu folgen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. In seinem Vortrag vom 21. Oktober 2020 stellte Johannes Weyer Ergebnisse aktueller empirischer Studien zu beiden Themenkomplexen vor. Er entwickelt zudem Vorschläge, mit welchen Methoden die Soziologie denkbare Zukunftsszenarien durchspielen und so zum gesellschaftlichen Krisenmanagement beitragen kann.

Johannes Weyer ist Professor f√ľr Techniksoziologie an der Technischen Universit√§t Dortmund. Er befasst sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Systemen, der Steuerung (und Transformation) komplexer soziotechnischer Systeme sowie der Echtzeitgesellschaft.

Moderation: Jan Wetzel

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Lisa Suckert: Zeitsoziologische Perspektiven. Die Corona-Krise als Ersch√ľtterung des kapitalistischen Zeitregimes

In ihrem Vortrag machte Lisa Suckert darauf aufmerksam, dass die Corona-Krise nicht nur zu einer Refiguration des Raumes, sondern auch der zeitlichen Ordnung der Gesellschaft gef√ľhrt hat.

Die Pandemie macht einen Umgang mit Zeit erforderlich, der mit der vorherrschenden kapitalistischen Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft kollidiert. Statt Beschleunigung und Wachstum gilt es zu verlangsamen und geduldig zu bleiben. St√§rker selbst zu leistende Sorgearbeit kostet Zeit, die f√ľr Erwerbsarbeit und Konsum fehlt. Die Vorstellung einer plan- undgestaltbaren Zukunft wird durch radikale Unsicherheit verdr√§ngt. Covid ersch√ľttert das kapitalistische Zeitregime, l√§sst aber auch dessen Eigenheiten, Paradoxien und Schwachstellen besonders deutlich hervortreten.

Lisa Suckert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut f√ľr Gesellschaftsforschung in K√∂ln. In ihrer wirtschaftssoziologischen Forschung setzt sie sich mit den Themen Kapitalismus, Zukunftsvorstellungen, Konventionen und Diskurse sowie Nachhaltigem Wirtschaften auseinander.

Moderation: Michelle Boden

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Klaus Kraemer: Wirtschaftliches Handeln im Erwartungsvakuum. Der Shutdown der Eventökonomie aus wirtschaftssoziologischer Sicht

In seinem Beitrag richtete Klaus Kraemer den Blick auf die soziologischen Besonderheiten der aktuellen Wirtschaftskrise als einer Begleit- und Folgekrise der Covid-19-Pandemie. Die Basis bildete dabei die wirtschaftssoziologische Grund√ľberlegung, dass Wirtschaft solange eine stabile soziale Ordnung ausbildet, wie die Erwartungen der Marktakteure in die Zahlungsf√§higkeit und Vertragserf√ľllung aller anderen Marktteilnehmer nicht fortlaufend entt√§uscht werden. Ausgehend davon illustrierte er die Bedeutung von kollektiver Dissoziation f√ľr die Aufrechterhaltung elementarer wirtschaftlicher Aktivit√§ten in der Phase des Shutdowns am Beispiel von Unternehmen der Event√∂konomie.

Klaus Kraemer ist Professor f√ľr Angewandte Soziologie: Wirtschaft/Organisation, soziale Probleme am Institut f√ľr Soziologie der Karl-Franzens-Universit√§t Graz. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Wirtschaftssoziologie.

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Moderation

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Sandra Leumann