Steffen Mau: Die Coronapandemie aus der Perspektive der Grenzforschung

Die Schlie√üung der Grenzen im Zuge der Coronapandemie gilt vielen als Umkehrung des Globalisierungstrends. In seinem Vortrag argumentiert Steffen Mau, dass die Grenzpolitik der Coronakrise zwar eine Z√§sur darstellt, aber schon l√§nger laufende Trends des Bordering akzentuiert. Die Schlie√üung von Grenzen und die Mobilit√§tsabwehr sind keine neuen Ph√§nomene, sondern sie haben die Globalisierung lange begleitet. Dazu geh√∂ren Immobilisierung, Risikopolitik und digitale Kontrolle. Auch die ‚Äěpandemische Grenze‚Äú ist historisch gesehen nicht neu. Nun aber trifft sie auch diejenigen, die lange von der Freiz√ľgigkeit und Prozessen der Entgrenzung profitiert haben.

Moderation: Ellen von den Driesch

Ruud Koopmans: Ein Virus, das keine Grenzen kennt? ‚Äď Reiseverkehr, Einreisebeschr√§nkungen und die internationale Verbreitung von COVID-19

‚ÄěAbriegelung ist naiv, das Virus wird trotzdem kommen‚Äú, so klang es lange von Seiten der WHO, der EU und der Verantwortlichen in Deutschland. W√§hrenddessen schlossen bereits andere nationale Regierungen ihre Grenzen. Am 17. M√§rz folgte die Kehrtwende auch in der EU, als sie ein Einreiseverbot f√ľr Menschen aus Nicht-EU-L√§ndern verh√§ngte und Deutschland kurz darauf auch f√ľr Italiener*innen. Wer hatte nun Recht? Diejenigen, die Einreisebeschr√§nkungen ablehnten, oder die L√§nder, die sich fr√ľhzeitig dazu entschlossen? Die vorl√§ufigen empirischen Analysen von Ruud Koopmans legen nahe, dass der Glaube, das Virus sei nicht durch Grenzen zu bremsen, ein fataler Irrtum war.

Moderation: Melinda Erdmann